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Y&R schlüpft unter das Dach der Digitalagentur VML

WPP setzt künftig auf VMLY&R
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WPP setzt künftig auf VMLY&R
Spekuliert wurde darüber schon länger, jetzt wird der Schritt tatsächlich vollzogen: WPP legt die Agenturmarken Y&R und VML zusammen. Durch die Fusion entsteht ein weltweit agierendes Netzwerk mit mehr als 7000 Mitarbeitern. An der Spitze steht CEO Jon Cook, bislang Chef von VML. Er berichtet an Holdingchef Mark Read. Y&R-Chef David Sable wird den Merger als Non-Executive Chairman begleiten und dann eine neue Rolle beim Mutterkonzern übernehmen. Bis Anfang 2019 soll die Neuaufstellung abgeschlossen sein.
Was auf den ersten Blick so aussieht wie die Fusion zweier gleichberechtigter Partner, ist de facto die Übernahme einer der traditionsreichsten Werbeagenturen Y&R durch die Digitalagentur VML - und das Ende einer Ära. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, wer in der neuen Konstellation das Sagen hat. "Wer nur das Werbemuseum verwaltet, darf sich nicht wundern, wenn profiliertere und zukunftsorientiertere Geschäftseinheiten das Zepter übernehmen. Schade für die Marke, aber absolut nachvollziehbar", sagt Norbert Lindhof, heute Chef der Pitchberatung Aller Best und von 2003 bis 2009 Chef von Y&R Germany.


Die Traditionsmarke Y&R verschwindet
© Y&R / Screenshot Instagram
Die Traditionsmarke Y&R verschwindet
Young & Rubicam wurde 1923 von John Orr Young und Raymond Rubicam gegründet und entwickelte sich zu einem der weltweit größten Werbeagenturnetzwerke. Auch die deutsche Niederlassung gehörte über viele Jahre zu den führenden Anbietern im Land, bis eine lange Periode des Niedergangs einsetzte. Zuletzt gab es nur noch ein kleines Büro in Hamburg, das operativ aber keine Rolle mehr spielte und von der Europazentrale in Paris geführt wurde. Wie sich die neue Agentur VML Y&R in Deutschland aufstellt, ist aktuell nicht bekannt.

"VML Y&R wird eine Kernmarke für WPP sein. Beide verfügen über ausgeprägte und sich ergänzende Stärken, die Kreativ-, Technologie- und Datendienste umfassen", sagt der neue WPP-Chef Read. Mit der Zusammenlegung mache man einen wichtigen Schritt auf dem Weg, "ein neues und einfacheres WPP zu entwickeln, das Kunden ein vollständig integriertes Angebot und einen leichteren Zugang zu unseren Talenten und Ressourcen bietet", so der CEO weiter.


„Wer nur das Werbemuseum verwaltet, darf sich nicht wundern, wenn profiliertere und zukunftsorientiertere Geschäftseinheiten das Zepter übernehmen. Schade für die Marke, aber absolut nachvollziehbar.“
Norbert Lindhof
Schon kurz nach seiner Berufung Anfang des Monats und in der Zeit davor als Co-COO hatte Read erklärt, dass sich WPP neu aufstellen und Strukturen vereinfachen müsse. In diesem Zusammenhang war mehrfach darüber spekuliert worden, dass nicht alle klassischen Agenturnetzwerke von WPP (Ogilvy, Y&R, JWT und Grey) in ihrer bisherigen Form erhalten bleiben. Neben Y&R gilt auch JWT als Kandidat für eine interne Zusammenlegung. Hier wird die Digital- und Dialogagentur Wunderman als mögliches neues Dach genannt. Zudem halten sich hartnäckig Gerüchte, dass sich WPP von Teilen oder gleich der gesamten Markforschungssparte Kantar trennen könnte.

Der Umbau auf Holdingebene ist erforderlich, weil sich die Anforderungen an die großen Werbekonzerne verändert haben. Kunden verlangen heute oft einfache und schnellere Strukturen auf Dienstleisterseite. Manche Unternehmen bauen sogar eigene Ressourcen auf und versprechen sich davon mehr Tempo und geringere Kosten. Zudem drängen mit den internationalen IT-Beratungen zusätzliche Angreifer auf die Bühne. Sie attackieren vor allem das Digitalgeschäft der großen Agenturkonzerne. mam 
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