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Schwache Quartalszahlen lösen Kurssturz aus / Partner für Kantar gesucht

Schwierige Zeiten für WPP-Chef Mark Read
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Schwierige Zeiten für WPP-Chef Mark Read
Während die anderen Werbeholdings zuletzt wieder bessere Zahlen vorlegen konnten, hat Marktführer WPP weiter zu kämpfen. Die Bilanz für das 3. Quartal fällt schwach aus. Der Umsatz (ohne durchlaufende Kosten) schrumpfte um 1,5 Prozent auf 3,1 Milliarden britische Pfund. Anleger reagieren entsetzt. Nach Vorlage der Zahlen verliert die Aktie zunächst mehr als 20 Prozent an Wert, kann sich danach aber leicht erholen.
Nicht weniger als die nackten Zahlen lässt aufhorchen, was CEO Mark Read über die Situation bei WPP und die künftige Strategie sagt. "Wie bereits erwähnt, steht unsere Branche vor einem strukturellen Wandel und nicht einem strukturellen Rückgang. In der Vergangenheit waren wir zu langsam, um uns anzupassen. Wir wurden zu kompliziert und haben zu wenig in Kernbereiche unseres Geschäfts investiert. Es gibt viel zu tun, und wir haben bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um diese Altlasten anzugehen und unsere Leistung zu verbessern", erklärt der seit September amtierende Konzernchef bei der Vorlage der Quartalszahlen.


Gleichzeitig kündigt er eine weitere Bereinigung beziehungsweise Restrukturierung des Portfolios an. So sucht WPP nach einer Lösung für die Marktforschungssparte Kantar. Nachdem schon länger darüber spekuliert wurde, leitet Read nun offiziell den Trennungsprozess ein. Zwar glaube man weiterhin an das Potenzial dieses Geschäfts und wolle auch Anteile behalten, so der CEO. Gleichzeitig erklärt er aber, dass man Kantar künftig mit einem strategischen Partner oder einem Finanzinvestor weiterentwickeln wolle. Die entsprechenden Vorbereitungen seien angelaufen und es gebe bereits Anbieter, die ihr Interesse bekundet haben. Seit dem überraschenden Ausstieg von Langzeit-Chef Martin Sorrell Mitte April hat WPP nach eigenen Angaben bereits 16 Verkäufe von Beteiligungen im Wert von rund 700 Millionen Pfund realisiert.

Künftig will WPP mehr auf seine Kapitaldisziplin achten und nur noch in strategische wichtige Bereichen investieren. Auch das bestehende Portfolio soll neu sortiert werden. So hat der Konzern zuletzt das Werbeagenturnetzwerk Y&R mit der Digitalagentur VML zusammengelegt. Weitere Fusionen dieser Art sollen folgen. Außerdem rücken die Healtcare-Agenturen in den USA enger an die Kernmarken heran. "Im April haben wir sofort damit begonnen, die Strategie für das neue WPP zu entwickeln, die unsere Organisation vereinfacht, unsere Unternehmen besser positioniert, mehr in kreative Talente investiert, eine gemeinsame Daten- und Technologiestrategie aufbaut und es unseren Kunden erleichtert, auf die vielen Stärken zuzugreifen, die in unserem Unternehmen liegen", sagt Read.


In den Zahlen spiegelt sich das noch nicht wider. Für das 3. Quartal egibt sich wie erwähnt sogar ein Umsatzrückgang (ohne durchlaufende Kosten) von 1,5 Prozent. Für die ersten neun Monate beträgt das Minus 0,3 Prozent. Zu kämpfen hat WPP vor allem in Nordamerika sowie im Kreativgeschäft. Hier wurden einige Etats verloren, zuletzt unter anderem wichtige Teile des Mandats von Ford. Auch der internationale Etat von Opel wird nicht mehr in der WPP-Gruppe betreut. Aber auch im Mediageschäft gab es einige Verluste, unter anderem American Express und GSK. Auf der Habenseite stehen dagegen Gewinne wie Adidas, Mars, Mondelez und Shell.

Personell gibt es ebenfalls noch mal Bewegung. Nach Sorrell im April scheidet ein weiterer langjähriger WPP-Manager aus. Finanzchef Paul Richardson, seit 22 an Bord, wird den Konzern im Laufe des kommenden Jahres verlassen. Wer sein Nachfolger werden soll, ist nicht bekannt. Im Dezember will die Gruppe Details zur künftigen Strategie präsentieren. mam

Mehr zur aktuellen Entwicklung der internationalen Werbeholdings lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 43/2018 vom 25. Oktober  
   
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