Werbeholdings

Publicis-Chef rechnet im 1. Quartal mit "holpriger Fahrt"

Arthur Sadoun will das Modell "Power of One" weiter ausbauen
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Arthur Sadoun will das Modell "Power of One" weiter ausbauen
Die französische Werbeholding Publicis hat ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2018 vorgelegt. Obwohl der von CEO Arthur Sadoun geführte Konzern ein Rekordjahr verkündet, kommen die Zahlen an den Kapitalmärkten nicht gut an. In den USA verloren die Aktien von Publicis nach Vorlage der Bilanz rund 7 Prozent an Wert. Im Zuge dessen wurden auch die Papiere der anderen börsennotierten Werbeholdings nach unten gezogen. An der Pariser Börse stürzten die Publicis-Aktien heute Morgen zunächst sogar um mehr als 13 Prozent ab.
Wenig überzeugt haben die Analysten wohl vor allem die Zahlen für das 4. Quartal 2018. Hier meldet Publicis einen Rückgang des organischen Wachstums um 0,3 Prozent. Ohne die vorigen Monat verkaufte Tochter Publicis Health Service (PHS) erhöht sich das organische Wachstum auf immerhin 0,5 Prozent, liegt aber immer noch deutlich unter dem von Beobachtern erwarteten Plus von 2,5 Prozent. Auch die Geschäftsentwicklung im 1. Quartal sieht bislang nicht sonderlich gut aus. "Wir erwarten für das 1. Quartal eine holprige Fahrt aufgrund der anhaltenden Effekte durch die weitere Schrumpfung im FMCG-Bereich", sagte CEO Sadoun bei der Vorlage der Jahresbilanz.


Gleichzeitig betont er, dass man im 2. Quartal mit einem verbesserten organischen Wachstum rechne. Dann sollen sich die Effekte der Ende 2018 gewonnenen Etats wie GSK und Fiat-Chrysler (Media) einstellen. Für das Gesamtjahr erwartet Sadoun ein höheres organisches Wachstum als im vergangenen Jahr, verzichtet aber auf eine konkrete Prognose. Die wagt er allerdings für 2020: Dann will Publicis um 4 Prozent wachsen.

2018 erzielte die Publicis-Holding ein Netto-Umsatzvolumen (also ohne durchlaufende Posten) von 8,969 Milliarden Euro. Auf um Währungseffekte bereinigter Basis entspricht das einem minimalen Plus von 0,1 Prozent. Rechnet man die abgestoßene Firma PHS heraus, ergibt sich für das Gesamtjahr ein Plus von 0,8 Prozent. In Europa erhöhte sich der Umsatz um ein Prozent (ohne PHS 1,3 Prozent), wobei der deutsche Markt im 2. Halbjahr wieder zu Wachstum zurückgekehrt ist. Für das Gesamtjahr steht für Deutschland aber ein Umsatzrückgang von rund einem Prozent in der Bilanz. Schwierig bleibt die Situation in Nordamerika. Hier verliert die Gruppe 0,8 Prozent ihrer Umsätze - ohne PHS ergibt sich ein Plus von 0,5 Prozent.


Positiv hat sich die operative Marge entwickelt. Sie konnte um 60 Basispunkte auf 16,7 Prozent erhöht werden. Dazu dürfte nicht zuletzt die Fortsetzung des Restrukturierungsprogramms beigetragen haben. Der Publicis-Konzern stellt sich seit 2016 unter dem Motto "Power of One" neu auf und versucht dabei, unnötige Doppel- und Mehrfachstrukturen abzubauen. Der Umbau habe im Jahr 2018 Einsparungen in Höhe von 194 Millionen Euro eingebracht, erklärt CEO Sadoun. Er sieht die Gruppe weiter auf dem richtigen Kurs: "Unser Modell, das Daten, Kreativität und Technologie verbindet, funktioniert hervorragend und entspricht den aktuellen und zukünftigen Bedürfnissen der Kunden."

Mit dieser Aufstellung begründet der Konzernchef auch die großen Etatgewinen des vorigen Jahres, darunter Mercedes-Benz, Marriott, Carrefour, Cathay Pacific und wie erwähnt GSK und Fiat-Chrysler. In diesem Zusammenhang verweist Sadoun auf Auswertungen von unter anderem JP Morgan und Goldman Sachs, laut denen Publicis 2018 erfolgreichster Werbekonzern in Sachen Neugeschäft war.

Parallel zur Vorlage der Geschäftszahlen meldet Publicis hochrangige Personalien: Nigel Vaz rückt als CEO an die Spitze der Digitalsparte Publicis Sapient. Deren bisheriger Chef Alan Wexler wird Chairman. Steve King, bislang Chef der Mediasparte, wird zusätzlich zum Chief Operating Officer des Gesamtkonzerns befördert. Neu an Bord als EVP Global Clients kommt Ros King. mam  
 
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