Ex-Ketchum-CEO

Wie Victoria Wagner Diversity und Inclusion zu einer Bewegung machen will

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© Victoria Wagner/Beyond Gender Agenda
Victoria Wagner, ehemalige CEO von Ketchum Deutschland, hat Großes vor: Sie startet die Initiative und Plattform "Beyond Gender Agenda", die das Thema Diversity & Inclusion öffentlichkeitswirksam platzieren soll, um langfristig "durch integrale Verankerung des Vielfalt und Inklusion in der DNA führender börsennotierter und mittelständischer Unternehmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern". Prominentester Unterstützer ihrer neuen Firma ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.
Balearen, Côte d’Azur, Südafrika, New York, Belgien, Dänemark, Indien – wer den Facebook-Account von Victoria Wagner seit ihrem Abgang als CEO der PR-Agenturgruppe Ketchum Deutschland Anfang 2018 verfolgt hat, konnte sehen, dass Wagner gerne reist und vor allem, dass sie nach rund 15 Jahren als Agenturmanagerin ein Break wollte. Im Januar 2019 war Wagner wieder zurück, mit der Strategieberatungsfirma Alternativlos, die auch weiterhin betreibt und als CEO leitet. Und jetzt das nächste Projekt: Mit Beyond Gender Agenda (BGA) gießt sie ein Thema, das ihr als Unternehmerin schon lange am Herzen liegt, in ein Business-Modell. Ziel der neuen Firma ist es, eine "umfassende Initiative und Plattform zum Thema Diversity & Inclusion in der deutschen Wirtschaft zu starten", sagt sie. Hinter den wenig griffigen Begriffen verbergen sich Dienstleistungsangebote wie Agenda Setting, Öffentlichkeitsarbeit, Botschafterkommunikation, Beratung und Umsetzung von Social-Media-Strategien. All das soll am Ende dazu führen, "dass deutsche Aufsichtsräte und Vorstände in naher Zukunft deutlich vielfältiger besetzt werden", sagt Wagner.
Victoria Wagner startet Beyond Gender Agenda
© Victoria Wagner
Victoria Wagner startet Beyond Gender Agenda
Das Thema für ihre neue Unternehmung hat Wagner passend gesetzt, den Namen geschickt gewählt. Denn nachdem die Diskussion um die Förderung beziehungsweise Benachteiligung von Frauen im Job in den vergangenen Jahren unter anderem dank der #MeToo-Bewegung omnipräsent war, setzt sich inzwischen immer häufiger ein weiterer Blick auf das Thema Vielfalt durch. Gerade international agierende Unternehmen setzen sich dabei mit Diversity-Dimensionen wie Herkunft, Alter und sexuelle Orientierung auseinander. Deutsche Firmen haben im Vergleich zu ihnen noch deutlichen Nachholbedarf, was unterschiedliche Studien von Organisationen wie der UN immer wieder belegen. Wagner widmet sich BGA mit einzelnen Dimensionen in sogenannten Chaptern. Zum Start sind dies Gender, Generation, kulturelle Herkunft und LGBT+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und andere).

Ein Report von UN Women könnte auch in die Inspiration für den Namen der Initiative eingeflossen sein. Unter dem Titel "Beyond Gender: The Invisible Stereotypes" hat die Unstereotype Alliance, die das Gremium mit Unternehmen wie P&G, Unilever und Google betreibt, 2018 zusammengetragen, wie Werbung mit Stereotypen arbeitet.

Da Zeitpunkt und Thema für den Start von Beyond Gender Agenda gut gewählt sind, könnte Wagners Rechnung, ein funktionierendes Geschäftsmodell umzusetzen sowie "einen grundlegenden Kulturwandel unter Einbindung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft" mit zu treiben, aufgehen. Schließlich hat sie bereis erfolgreich gegründet und mit ihrer Agentur Brandzeichen eine Erfolgsgeschichte hingelegt, die durch rasantes Wachstum und die Betreuung großer Etats unter anderem von P&G geprägt war und 2013 im Verkauf an die Holding Omnicom mündete. Zu gründen und Unternehmertum scheinen ihr jedenfalls besser zu liegen als die Arbeit als CEO im Agenturnetzwerk, deren Bilanz deutlich weniger glücklich bewertet wird.
„Nur wenn wir unser volles Potenzial ausschöpfen bleibt Deutschland in den 20er-Jahren ökonomisch stark. Wer mit anpacken will, darf keinen Nachteil aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung haben.“
Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gehört zwar nicht dem Beirat an, unterstützt BGA aber dennoch
© Beyond Gender Agenda
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gehört zwar nicht dem Beirat an, unterstützt BGA aber dennoch
Zu einem Erfolg dürfte auch der 18-köpfige Beirat beitragen, dessen Unterstützung sich Wagner gesichert hat. Ihm gehören unter anderem Philip-Morris-Geschäftsführerin Claudia Oeking, Burda-Style-CEO Manuela Kampp-Wirtz und Matthias Weber, Vorstandsvorsitzender des Völklinger Kreises, an. "Die Beiräte werden sich persönlich dafür einsetzen, dass wir in Deutschland Chancengleichheit erreichen – und nehmen darüber hinaus eine aktive Botschafterrolle für BGA ein", fasst Wagner ihre Rolle zusammen.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hat Unterstützung zugesichert. "Nur wenn wir unser volles Potenzial ausschöpfen bleibt Deutschland in den 20er-Jahren ökonomisch stark. Wer mit anpacken will, darf keinen Nachteil aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung haben. Deshalb unterstütze ich das Anliegen von  Beyond Gender Agenda, solche Kategorien zu überwinden", lässt er sich zum Start von BGA zitieren. Wie genau das Engagement von Spahn in diesem aussieht, wird Wagner in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam mit ihm klären. "Er hat zum Beispiel angeboten, bei unserer Konferenz und der geplanten Awardverleihung Ende des Jahres eine Keynote zu halten", sagt Wagner. ems
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