Ranking

Das sind die 20 größten Werbefilmproduktionen Deutschlands

Führungsduo der Nummer 1: Johannes Bittel und Oliver Hack (v.l.)
Führungsduo der Nummer 1: Johannes Bittel und Oliver Hack (v.l.)
Dass Markenfilm die Liste der größten Werbefilmproduktionen anführt, ist keine Überraschung. Wohl aber, dass dieses Jahr gleich sechs Unternehmen im Ranking die Umsatzhürde von 20 Millionen Euro geknackt haben. Damit nicht genug der positiven Nachrichten: die gesamte Branche wächst überdurchschnittlich und profitiert vom aktuellen Bewegtbildboom.

Zwar klagen viele noch immer über sinkende Margen und kleinere Produktionsbudgets, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Insgesamt haben die Top 20 im vergangenen Jahr einen Umsatz von 356,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Laut GWA-Frühjahrsmonitor konnten die deutschen Werbeagenturen ihren Umsatz 2017 nur um ein Prozent steigern.

Die 20 größten Werbefilmproduktionen in Deutschland

Rang 2017Rang 2016ProduktionUmsatz 2017 in Mio. €Veränderung in %
11Markenfilm-Gruppe65,52,0
22Tempomedia35,14,5
36Anorak Productions26,340,6
45Bigfish25,628,0
53E+P Films22,84,6
64Czar Film21,85,3
79Twin Group 2)19,934,5
87Soup Film15,7-3,0
910Embassy of Dreams14,97,2
10-The Marmalade Group14,6k.V.m.
118Tony Petersen Film12,8-14,1
121527 Kilometer Entertainment12,157,1
1312Sterntag11,27,7
1411Cobblestone9,8-25,2
1418It’s us Media9,840
1616Bubbles Film8,39,2
1713Bakery Film7,9-11,2
1720Palladium7,925,4
1916Rabbicorn Films7,60,0
2022Element E6,815,3
Quelle: Angaben der Produktionsfirmen / eigene Recherche (2) intern. Gruppe mit Stammsitz in München - Umsatz nur Deutschland: 3,8 Mio. €)



Kein Wunder, dass so viele Agenturen in den vergangenen Monaten Inhouse-Produktionen aufgebaut haben. Sie wollen verständlicherweise ein Stück von dem riesigen Bewegtbild-Kuchen abbekommen und mindestens die kleineren Online- und Social-Media-Projekte selbst abwickeln. Oliver Hack, Geschäftsführer des unangefochtenen Branchenprimus Markenfilm, beunruhigt das nicht sonderlich: "Wir warten mal ab, welche Filme künftig wirklich direkt von den Agenturen gemacht werden. Grundsätzlich verändern sich zurzeit alle Geschäftsmodelle. Das gilt auch für die Produktionsseite. Es gibt ganz neue Beziehungsgeflechte im Dreieck zwischen Kunde, Produktionsfirma und Agentur."

„Es gibt ganz neue Beziehungsgeflechte im Dreieck zwischen Kunde, Produktionsfirma und Agentur.“
Oliver Hack
Hack spielt darauf an, dass immer mehr Werbungtreibende direkt mit den Produktionsfirmen kooperieren und gar nicht mehr den Umweg über die Agentur nehmen. Demnach sind es also nicht nur die Agenturen, die Inhouse-Produktionen aufbauen, sondern auch Produktionsfirmen, die eigene Kreativabteilungen etablieren. Dabei geht es nicht vorrangig darum, sich gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen, sondern dem steigenden Bedarf unterschiedlicher Filmformate gerecht zu werden.


Markenfilm hat schon früh damit begonnen, sich auf mehrere Säulen zu stellen, und gibt damit als Marktführer den Takt vor. Wie in den vergangenen Jahren zählt die Unternehmenstochter Crossing, die auf Formate jenseits des klassischen 30-Sekünders spezialisiert ist, zu den größten Wachstumstreibern. Aber auch die Stamm-Marke hat durch den im Herbst 2017 erfolgten Umzug von Wedel nach Hamburg einen Aufschwung erfahren. Trotzdem kann Markenfilm nicht mit dem prozentualen Wachstum von Firmen wie Anorak, Big Fish und 27 Kilometer mithalten. Die Gründe für deren Aufstieg sind unterschiedlich.

Anorak profitiert vor allem von einem Portfolio hochkarätiger, internationaler Regisseure. Das Unternehmen gehört hierzulande zu denen, die in der Lage sind, die aufwendigsten Produktionen zu stemmen. Das führt dazu, dass zunehmend internationale Auftraggeber auf Anorak aufmerksam werden und mit den Berlinern zusammenarbeiten wollen. Neben Hero-Content für Kunden wie Volkswagen, Mini und Heineken produziert Anorak inzwischen wie alle anderen auch den eher schnelllebigen Content fürs Internet, bei der die Herangehensweise deutlich flexibler und kostengünstiger ist.

Mit genau solchen Projekten hat die Hamburger Produktionsfirma 27 Kilometer begonnen und erst sukzessive größere Jobs übernommen. Das Team um Gründer Pacco Nitsche realisierte voriges Jahr mehrere große Projekte für Lufthansa und Audi und stellte dabei fest: "Der Umgang mit Online-Filmen verändert sich. War es früher noch so, dass man den Webfilm mal so nebenbei für kleines Geld mitgedreht hat, wenn der TV-Spot realisiert wurde, so ist es inzwischen eher umgekehrt. ,#LifeChangingPlaces‘, eine Kampagne der Lufthansa, wurde ursprünglich für Online-Medien konzipiert und erst später für den Einsatz in TV und Kino abgewandelt."

Nitsche gehört einer neuen Generation von Produzenten an, die ganz selbstverständlich den Spagat zwischen kleinen Bewegtbild-Snippets und großen Hero-Filmen schaffen. Ersteres ist Teil der DNA von 27 Kilometer und soll Bestandteil des Portfolios bleiben. Mehr noch: Die Hamburger Produktionsfirma hat erst kürzlich einen Ableger in Lissabon gegründet, um mit einer kleinen, agilen Truppe dort noch besser und schneller Bewegtbild-Content für diverse Social-Media-Kanäle produzieren zu können.

„Wir Produktionen entwickeln uns zunehmend zu Medienhäusern, die ein immer breiteres Angebot abdecken.“
Uwe Spiller
Die Branche ist zurzeit generell sehr expansions- und experimentierfreudig. Auch Bigfish denkt über neue Geschäftsfelder nach. Geschäftsführer Uwe Spiller sieht Potenzial in Bereichen wie E-Learning, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality. Zusammen mit Partnern arbeitet er an entsprechenden Businesskonzepten. Das bedeutet nicht, dass er das klassische Werbefilmgeschäft vernachlässigen will. Aber auch hier gilt es umzudenken und beispielsweise auch Drehbuchautoren mit an Bord zu holen. "Wir Produktionen entwickeln uns zunehmend zu Medienhäusern, die ein immer breiteres Angebot abdecken", sagt Spiller.

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Top-10-Newcomer The Marmalade hat in den vergangenen Jahren ebenfalls eine regelrechte Metamorphose vollzogen. 2001 als Postproduktion gestartet, hat sich das Unternehmen zur 360-Grad-Produktion mit fest angestellten Regisseuren, Kameraleuten, Kreativen und eigenen Filmstudios entwickelt. Zudem gibt es mit Jam Session eine Tochter für neue Formate und die Förderung junger Regietalente. Die selbst ernannten "Visual Engineers" haben es bei ihrer Umsatzranking-Premiere auf Anhieb auf Platz 10 geschafft. Dass sie erst jetzt mitmachen, erklärt Co-Geschäftsführer Torsten Eichten wie folgt: "Wir wollen uns damit ins Relevant Set für andere Agenturpartner und Industrieunternehmen bringen."

So boomend der Markt auch sein mag, die Konkurrenz schläft nicht – das schließt die Agenturen mit ihren Inhouse-Produktionen ein. Es gilt, sich richtig zu positionieren, dann steht den Produzenten eine glänzende Zukunft ins Haus. „2019 wird erst richtig spannend“, sagt Nitsche. "Zurzeit gibt es nämlich einfach viel Bewegung im Markt, weil es immer mehr unterschiedliche Player gibt, die Bewegtbild produzieren." bu

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