Star-Fotograf

So verabschiedet sich der ADC von Peter Lindbergh

Der ADC verabschiedet sich und zollt Respekt. Idee und Art Direction: Olivier Nowak, Creative Director, Scholz & Friends Identify
© ADC
Der ADC verabschiedet sich und zollt Respekt. Idee und Art Direction: Olivier Nowak, Creative Director, Scholz & Friends Identify
Der Art Directors Club (ADC) verneigt sich: Zum Tod von Peter Lindbergh ist jetzt eine ganzseitige Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen. Zu sehen ist ein schwarzes Polaroid. So soll die Leerstelle, die der berühmte Fotograf hinterlässt, sichtbar werden. Manche fühlen sich an das berühmte Schwarze Quadrat des Malers Kasimir Malewitsch erinnert, diese Ikone der Malerei des 20. Jahrhunderts.

Auch Lindberghs Fotos sind, wie der ADC schreibt, längst ikonisch. Der berühmte Fotograf war 1995 zum Ehrenmitglied des Kreativ-Clubs gekürt worden. Auf seiner Website macht der ADC zudem ein Interview aus demselben Jahr zugänglich, das Markus Peichl, Ex-Chefredakteur von Wiener und Tempo, mit dem „Foto-Genie“ (ADC über Lindbergh) führte.



Der ADC verabschiedet sich und zollt Respekt. Idee und Art Direction: Olivier Nowak, Creative Director, Scholz & Friends Identify
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Der ADC verabschiedet sich und zollt Respekt. Idee und Art Direction: Olivier Nowak, Creative Director, Scholz & Friends Identify
In diesem langen, überaus lesenswerten Gespräch, gibt der weltberühmte Fotograf eingehend Auskunft über seine Zeit in der Werbung. Und darüber, warum er sich einst aus dem deutschen Kreativbusiness verbschiedet hat. Was ihn denn an der Werbung gestört habe, will Peichl wissen. „Die Meetings. Die Hierarchien. Die Strukturen. Der ganze Absicherungsmechanismus", gibt Lindbergh zur Antwort. „Man muss so viel reden und sich dauernd in Szene setzten.“ Was in Agenturen ablaufe, sei kein Teamwork. Da gehe es nicht um Zusammenarbeit. Da werde nichts gemeinsam entwickelt. „Man setzt sich zusammen, um Strukturen zu erhalten und Hierarchien zur Schau zu stellen. Jeder denkt an seinen Job, seine Position, sein Budget. Jeder muss beweisen, dass er eine Existenzberechtigung hat – die Agentur dem Kunden, der Kundenberater dem Geschäftsführer, der Art Director dem Creative Director, der Art Buyer dem Assistant Art Buyer.“ Kurzum: „Werbung ist so umständlich. Mode und Editorial sind viel schneller und kreativer.“

Auch HORIZONT hat vor wenigen Tagen an die fast vergessenen Werbekampagnen von Peter Lindbergh erinnert, an die Kampagnen für Ernte 23 etwa, für Samson und John Player Special (JSP). Dabei ist uns ein Fehler unterlaufen: Viele der gezeigten JPS-Motive sind nicht Lindbergh, sondern eindeutig dem Hamburger Fotografen Werner Bokelberg zuzuordnen.


Tabak-Werbung ohne Qualm: Auf den Lindbergh-Fotos der John-Player-Anzeigen wird nicht geraucht. Stattdessen sehen wir Menschen (vor allem Frauen), die selbstbewusst als Singles durch die urbane Welt streifen. Idee, Konzept und Art-Direktion: Margret Hengstenberg und Peter Lindbergh. Agentur: Masius d'Arcy
© dfv / form
Tabak-Werbung ohne Qualm: Auf den Lindbergh-Fotos der John-Player-Anzeigen wird nicht geraucht. Stattdessen sehen wir Menschen (vor allem Frauen), die selbstbewusst als Singles durch die urbane Welt streifen. Idee, Konzept und Art-Direktion: Margret Hengstenberg und Peter Lindbergh. Agentur: Masius d'Arcy
Die Kampagnen-Idee allerdings, das ergab die eingehende Recherche, geht fraglos auf Lindbergh (und die Masius d'Arcy-Kreative Margret Hengstenberg) zurück. Auch die ersten JPS-Motive hat der seinerzeit äußerst erfolgreiche Werbefotograf aufgenommen – das hat auch das Studio Bokelberg bestätigt. In einem Bericht der Zeitschrift Form aus dem Jahr 1977 – dem wohl ersten umfassenden Artikel über seine Arbeit – erläutert Lindbergh, wie es ihm gelungen ist, trotz Fotografier-Verbot im Louvre ein Model für die JSP-Kampagne aufzunehmen. Wir sehen ein Bild, das zeigt, wie sich der Fotograf in einer Ecke des Museums unsichtbar macht. Typisch Lindbergh. 

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