Stakeholder-Listen

Jetzt meldet sich der Fleishman-Hillard-CEO in der Monsanto-Affäre zu Wort

Fleishman-Hillard-CEO John Saunders
© Fleishman Hillard
Fleishman-Hillard-CEO John Saunders
Seit gut zwei Wochen steht Fleishman Hillard unter Beschuss: Die Agentur hatte 2016 für die heutige Bayer-Tochter Monsanto in mehreren europäischen Ländern Listen mit den Namen von Gegnern des Unkrautvernichters Glyphosat angelegt. Während noch unklar ist, ob damit gegen gesetzliche Regelungen verstoßen wurde, hat Bayer die Zusammenarbeit mit der Agentur bereits beendet. Nun meldet sich John Saunders, Präsident und CEO von Fleishman Hillard, zu Wort.
Dem Chef der Omnicom-Agentur ist die Berichterstattung der vergangenen Wochen offenbar sauer aufgestoßen. "Es ist wichtig, dass Sie wissen, welche Art von Arbeit wir leisten und welche nicht", so Saunders in einem Statement, das auf der Website von Fleishman Hillard veröffentlicht wurde. Kunden wie Unternehmen oder NGOs würden die Agentur um Hilfe bitten, bevor irgendeine Art von Handlung vorgenommen werde. Dafür sammle Fleishman Hillard öffentlich einsehbares Material. "Diese Planungsdokumente sind für die Öffentlichkeitsarbeit von grundlegender Bedeutung. Sie helfen unseren Kunden, in den Dialog über ihre geschäftlichen und gesellschaftlichen Ziele einzutreten", so Saunders.


Dass manche Menschen nicht mit den Ansichten einiger Kunden übereinstimmen würden, liege in der Natur der Sache und sei sogar wünschenswert, fährt der Agenturchef fort und betont die Einhaltung ethischer Standards bei Fleishman Hillard: "Unsere Mitarbeiter werden angewiesen, Verhaltensweisen zu melden, die sie für unethisch halten. Sie werden auch ermutigt, die Zusammenarbeit mit Kunden abzulehnen, wenn sie persönliche Einwände gegen die Arbeit haben. Wenn wir feststellen, dass sich ein Kunde unethisch verhält, beenden wir die Zusammenarbeit."

Letzteres ist im Falle der Zusammenarbeit mit Monsanto jedenfalls nicht passiert - was darauf schließen lässt, dass man bei der Agentur kein unethisches Verhalten bei Monsanto feststellen konnte. Inwieweit Monsanto und Fleishman Hillard eine moralische Grenze überschritten haben, darüber dürften sich die Geister scheiden. Bayer hat mit der Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Agentur in den Bereichen Communications und Public Affairs bereits deutlich gemacht, was man von dem Vorgehen der Omnicom-Tochter hält. Äußern will man sich bei dem Konzern auf Anfrage nicht. Bayer hat eine Microsite eingerichtet, auf der die wichtigsten Fragen zu der Affäre beantwortet werden.


Nach wie vor unklar ist, ob das Stakeholder Mapping gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen hat. Dazu müssen auch alle Märkte untersucht werden, in denen diese Praxis im Einsatz war. Neben Frankreich, wo der Skandal seinen Anfang nahm, waren dies auch Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen, Spanien und das Vereinigte Königreich.
„Wenn wir feststellen, dass sich ein Kunde unethisch verhält, beenden wir die Zusammenarbeit.“
John Saunders
Dass der Deutsche Rat für Public Relations eine Untersuchung gestartet hat, zeigt die Relevanz des Falls für die PR-Branche. Gleichwohl gibt es Stimmen, die Bayer eine Vorverurteilung von Fleishman Hillard vorwerfen. Überhaupt gebe es an der Krisen-Kommunikation des Konzerns einiges auszusetzen, sagt Frank Roselieb
Geschäftsführender Direktor des Kieler Instituts Krisennavigator. So betreibe Bayer "halbherziges Krisenmanagement vor fundierter Krisendiagnose", sagt der Krisen-PR-Experte. "Während die beauftragte Anwaltskanzlei den Fall noch untersucht, hat Bayer in vorauseilendem Gehorsam schon einmal die Zusammenarbeit mit der Agentur beendet. Hier hätte ein vorübergehendes Moratorium, also ein Aussetzen der Zusammenarbeit, völlig gereicht. Sonst nimmt Bayer den echten Aufklärungswillen niemand ab", so Roseliebs Urteil. Dennoch sieht Roselieb durchaus Chancen für Bayer, mit einem blauen Auge aus der Affäre zu kommen. So sei mit dem Public-Affairs-Chef Matthias Berninger "ein neuer, grüner Kopf der Krisenbewältigung installiert". An ihm liege es nun, "durch neue Verhaltenskodizies das Vertrauen der Anspruchsgruppen zurückzugewinnen". Zudem zeige ein Blick in die Vergangenheit, dass Bayer bereits ganz andere, wesentlich schlimmere Skandale überstanden hat - Stichwort Lipobay. "Die Chancen stehen daher gut, dass auch dieser Krisenfall mit der Marke Monsanto untergeht und die Marke Bayer nicht nachhaltig beschädigt", so Roselieb. ire
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