Seehofer-Kampagne

Adbuster entfremden die umstrittenen Rückkehrer-Plakate des BMI

Die Adbuster-Gruppe Dies Irea hat die Plakate des Heimatministeriums auf ihre Weise neu interpretiert
© Facebook
Die Adbuster-Gruppe Dies Irea hat die Plakate des Heimatministeriums auf ihre Weise neu interpretiert
Wenn Plakate in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem öffentlichen Raum verschwinden und kurze Zeit später wieder in einer entfremdeten Version auftauchen, dann waren vermutlich Adbuster unterwegs. Künstler dieses Genres bewegen sich auf dem schmalen Grad zwischen illegalem Handeln und akzeptiertem Aktivismus. Viele von ihnen werden für ihre Kritik an Gesellschaft, Politik und Konsum weltweit gefeiert - so auch das Künstlerkollektiv Dies Irae, das sich als Gruppe für kreativen Protest versteht.

Dies Irae ist am Wochenende in Dresden aktiv geworden und hat sich die Rückkehr-Kampagne des Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat (BMI) vorgenommen. HORIZONT hatte über die umstrittenen Plakate berichtet, die Flüchtlinge mit einer Sonderprämie dazu bringen sollen, freiwillig das Land zu verlassen. "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt" lautet die marktschreierische Headline, die nicht nur viele Berliner auf die Palme bringt, sondern nun auch die Adbuster auf den Plan gerufen hat.

„Die CSU fischt hier nicht nur am rechten Rand. Sie ist der rechte Rand.“
Dies Irae
Dies Irae ist der lateinische Begriff für "Tage des Zorns" - und es ist offenkundig, dass die Künstler zornig sind auf die Politik von Bundesinnenminister Horst Seehofer und dessen Heimatministerium. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite schreibt das Kollektiv: "Die neue Kampagne ,Freiwillige Rückkehr’ des Bundesministeriums für Heimat muss ein Schlag ins Gesicht für alle Menschen sein, die ihre Flucht mit dem Wunsch verbinden, hier Schutz vor Krieg zu finden. Und nichts Geringeres als ihr Menschenrecht in einer humanen Gesellschaft verwirklichen möchten. Die CSU (Christlich-Soziale Union) fischt hier nicht nur am rechten Rand. Sie ist der Rechte Rand."


In ihrer Variante der BMI-Plakate, die aktuell zu Tausenden in zahlreichen deutschen Städten zu sehen sind sind, hat Dies Irae aus dem BMI das "Bunte Ministerium der Heimat für alle Menschen" gemacht und fordert alle "unmoralischen Politiker" zum freiwilligen Rücktritt auf. Dazu locken die Künstler mit Reisegutscheinen "in sonnige Länder wie Syrien, Afghanistan oder Iran." Laut Dies Irae handelt es sich bislang lediglich um ein einzelnes Plakat in Dresden, das von der Gruppe ausgetauscht wurde. Aber es ist nicht auszuschließen, dass die Aktion Nachahmer findet. In Berlin haben Streetart-Künstler bereits damit begonnen, die Plakate zu entfremden und damit ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Auch die entsprechende Petition gegen die Kampagne auf Change.Org findet stündlich mehr Unterstützer.

Die BMI-Kampagne ist übrigens nicht die einzige Kampagne, die in jüngster Zeit von Dies Irea aufgespießt wurde. Ebenfalls verfremdet: die Media-Markt-Kampagne "Männertage". Hier richtet sich die Kritik eindeutig an die frauenfeindlichen Aussagen des Auftritts, mit dem sich unlängst bekanntlich auch der Werberat beschäftigt hat. bu


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