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Wie Serviceplan die Ängste von Mittelmeerflüchtenden greifbar macht

Serviceplan, Achtung und Sea-Watch sensibilisieren mit der Doku für die zahlreichen Todesfälle im Mittelmeer
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Serviceplan, Achtung und Sea-Watch sensibilisieren mit der Doku für die zahlreichen Todesfälle im Mittelmeer
Im vergangenen Jahr kamen mindestens 2277 Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben. Einer Yougov-Umfrage zufolge ist 85 Prozent der Deutschen dieses Ausmaß nicht einmal bewusst. Um fast vier Jahre nach dem Beginn der Flüchtlingskrise in Europa das Thema wieder auf die Agenda zu bringen, hat die Hilfsorganisation Sea-Watch zusammen mit Serviceplan, Achtung und dem preisgekrönten Dokumentarfilmer Skye Fitzgerald jetzt eine Kurzdoku gedreht, die auf einem spannenden Experiment beruht.
"Lifeboat" heißt der neunminütige Film, der auf der Kampagnenwebseite zu sehen ist und der auf Basis der Erfahrungsberichte von fünf Geflüchteten entwickelt wurde. Der Film rückt insgesamt 40 deutsche Probanden in den Mittelpunkt, die ingesamt fünf Stunden einem Schlauchboot auf einer maritimen Trainingsanlage ausharren mussten. Dabei wurden die Stärke des Seegangs, Lichtverhältnisse und Geräuschkulisse stetig verändert und so eine möglichst realitätsnahe Simulation einer Mittelmeerflucht geschaffen.


Das Ergebnis: Die meisten Teilnehmer des Experiments wurden seekrank und klagten über Schwindel und Übelkeit, einige mussten sich übergeben. Sieben Probanden brachen die Simulation vorzeitig ab, indem sie aus dem Boot sprangen - eine Entscheidung, die auf offener See den sicheren Tod bedeuten würde. Nach fünf Stunden waren sich alle Teilnehmer einig, dass nur extreme Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit Menschen dazu bewegen können, sich diesen Umständen und Gefahren auf offener See auszuliefern.
"Als wir 2015 mit der zivilen Seenotrettung gestartet sind, war die Stimmung in Deutschland eine andere. Ein paar Jahre später sind die Hilfsbereitschaft und der Wille zur Unterstützung verblasst. Das Mittelmeer bleibt aber auch 2019 die tödlichste Grenze der Welt", erklärt Michael Schwickart von Sea-Watch die Motivation der Kampagne. Für die Hilfsorganisation war es deshalb jetzt an der Zeit, diese Gefahren für alle Menschen greifbar zu machen: "Natürlich lassen sich die Erfahrungen Flüchtender nicht realitätsgetreu simulieren, dennoch schafft das Experiment eine Annäherung. 'LIFEBOAT - Das Experiment' lässt die Notwendigkeit von Seenotrettung am eigenen Leib erfahren und animiert somit Teilnehmer und Zuschauer zum Umdenken", so Schwickart weiter.

Der Oscar-nominierte Regisseur Skye Fitzgerald hat nicht nur das Experiment mit Unterstützung von Markenfilm filmisch festgehalten, sondern auch die Probanden sowie die tatsächlich Geflüchteten interviewt. "Dieses Experiment wird Teil des Dialogs sein, der Veränderung bringt. Wir beginnen darüber nachzudenken, wie wir mit dieser Krise sinnvoller und bedeutender umgehen können", so Fitzgerald. "Wenn wir mit diesem Experiment auch nur eine Meinung eines Menschen zur Flüchtlingskrise ändern, war es ein völliger und absoluter Erfolg".


Der 60-sekündige Trailer zur Doku wird in Cinemaxx-Kinos zu sehen sein. Über PR-, Social-Media-Maßnahmen und mithilfe von Influencern wird die Kampagne unter dem Hashtag #lifeboatexperiment zudem national und international verbeitet. Für die Mediaplanung ist Mediaplus zuständig. tt
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