Runter vom Gas

Scholz & Friends macht das Leichenhaus zum Beauty-Salon

Die "Runter vom Gas"-Protagonistin bekommt eine umfassende Beauty-Behandlung - doch nicht im Schönheitssalon
Wenn man nicht früh genug losfährt, kann es im Auto auf der Fahrt zu einem Termin schon einmal stressig werden: Rote Ampeln, langsamere Verkehrsteilnehmer, Stau. Doch die Verkehrssicherheitskampagne "Runter vom Gas" mahnt, trotzdem nicht in Hektik zu verfallen, sondern die Ruhe zu bewahren. Denn sonst landet man schnell in einem Beauty-Salon, der in Wirklichkeit keiner ist.
"Endlich Ruhe", freut sich die Frau im neuen "Runter vom Gas"-Spot und entspannt sich nach dem stressigen Tag auf einer Liege zu harmonischer Musik. Sie sei mit dem Auto die ganze Zeit nur hin- und hergehetzt. Doch jetzt massieren behandschuhte Hände Creme in ihr Gesicht ein, tragen Rouge, Augen-Make-up und Nagellack auf. Die Hand fährt ihr nach der Behandlung noch einmal übers Haar - und zieht der Frau dann eine Decke über den Kopf. Denn in Wahrheit ist die Protagonistin gar nicht im Beauty-Salon, sondern liegt in der Leichenhalle. "Stress kann tödlich sein", warnt der bis dahin unsichtbare Absender Runter vom Gas schließlich.


Mit dem Spot wollen die Initiatoren der "Runter vom Gas"-Kampagne, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), zeigen, dass Stress im Verkehr tödlich enden kann. Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstitut Ipsos im Auftrag von Vinci Autoroutes von 2018 sind 35 Prozent der Deutschen schon einmal zu dicht aufgefahren, weil sie ein anderer Fahrer aufgeregt hat.

Doch dieses Verhalten wird zur Todesfalle: 2017 sind mehr als 70.000 Menschen im Straßenverkehr wegen zu geringem Sicherheitsabstand verunglückt. 203 Personen starben dabei. Aufgrund von unangepasster Geschwindigkeit kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2017 sogar 1.077 Verkehrsteilnehmer ums Leben. Damit ist zu hohe Geschwindigkeit die Todesursache jedes dritten Verkehrstoten.


Doch die meisten Deutschen suchen die Schuld nicht bei sich, heißt es auf der Website von "Runter vom Gas". Denn 38 Prozent schätzen andere Verkehrsteilnehmer als aggressiv ein - sich selbst bezeichnen allerdings nur 4 Prozent so. Deswegen will die Kampagne alle Verkehrsteilnehmer dazu ermutigen, beim Fahren die Ruhe zu bewahren, einen Gang runterzuschalten - und sich auch mal Entspannung im Beauty-Salon zu gönnen, bevor es zu spät ist.

Für den Spot zeichnet Scholz & Friends Berlin verantwortlich. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) starteten die preisgekrönte Verkehrssicherheitskampagne "Runter vom Gas" 2008. Scholz & Friends war bereits 2007 bis 2011 für den Auftraggeber tätig, 2016 konnte die Agentur das Mandat zurückgewinnen.

Bei S&F Berlin arbeiteten Geschäftsführer Oliver Handlos (Kreation), Creative Director Michael Winterhagen und Art Director Sheryl Hartmann am Projekt. Die Texte stammen von Jakob Cantz und Anna Nagy. Die Produktion übernahm Bluefilm Production. Regie führte Tommi Berté. Für Schnitt zeichnet NHB Studios verantwortlich. Die Musik kommt von Supreme Music
bre
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