Rekord-Übernahme

Publicis kauft Epsilon - und schrumpft im 1. Quartal

Publicis-Chef Arthur Sadoun gibt fast 4 Milliarden Euro für Epsilon aus
© Arthur Delloye
Publicis-Chef Arthur Sadoun gibt fast 4 Milliarden Euro für Epsilon aus
Anfang April waren erste Gerüchte durchgesickert, jetzt kommt die offizielle Bestätigung: Die französische Werbeholding Publicis macht den teuersten Deal ihrer Unternehmensgeschichte und kauft für insgesamt 4,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 3,9 Milliarden Euro) den CRM-Spezialisten Epsilon. Verkäufer ist das US-Unternehmen Alliance Data, mit dem Publicis in Zukunft eng kooperieren will. Unterdessen hat die von CEO Arthur Sadoun geführte Gruppe auch die Zahlen für das 1. Quartal vorgelegt. Sie fallen nicht sonderlich gut aus, vor allem in Deutschland.
Publicis meldet für den Zeitraum Januar bis März 2019 einen Umsatzrückgang (organisch) von 1,6 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro. Schon Anfang des Jahres hatte Sadoun angekündigt, dass das 1. Quartal holprig verlaufen werde und dies mit weiteren Einsparungen der großen FMCG-Kunden begründet. Besserung stellt der Konzernchef für das 2. Halbjahr in Aussicht. Außerdem hebt er hervor, dass die Gruppe mit ihren selbternannten "Game Changers", also der Verbindung von Data, Kreation und Business-Transformation, um 27 Prozent zulegen konnte.


Am Ausblick für das Gesamtjahr hält Publicis fest. Das Unternehmen hatte Anfang des Jahres zwar keine konkrete Wachstumszahl genannt, aber die Erwartung formuliert, dass man 2019 besser abschneiden werde als 2018. Voriges Jahr hatte der Konzern beim Umsatz quasi stagniert. Auf regionaler Ebene kann Publicis im 1. Quartal in Europa zwar leicht zulegen, in den USA geht das Geschäft aber noch einmal um mehr als 4 Prozent zurück - und zwar auch, wenn man den abgestoßenen Bereich Publicis Health Solutions herausrechnet. Im deutschen Markt verliert die Gruppe, die zuletzt die engere Zusammenführung der Media- und Communications-Säulen unter der Leitung von CEO Frank-Peter Lortz verkündet hatte, deutlich und büßt rund 10 Prozent der Umsätze ein.

Einen Schub für das internationale Geschäft, vor allem in den USA, erhofft sich Publicis durch die Übernahme von Epsilon. Der CRM-Spezialist betreibt die Plattform Conversant und ist nach Angaben des neuen Eigentümers Marktführer bei CRM- und Loyalty-Programmen in den USA. Das Unternehmen erzielte zuletzt einen Umsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar. "Diese Akquisition wird die Umsetzung unserer Strategie beschleunigen, der bevorzugte Transformationspartner für unsere Kunden zu werden", heißt es in einer offiziellen Mitteilung zur Übernahme. Der Deal soll im 3. Quartal abgeschlossen werden.
„Für mich riecht die schnelle Ankündigung ein bisschen nach Verzweiflung, um die Quartalszahlen zu verbergen. Das Problem beim Umsatzwachstum wird durch die Übernahme von Epsilon jedenfalls nicht gelöst.“
Martin Sorrell
In der Branche gibt es dagegen hier und da durchaus Zweifel, ob Publicis in der Lage sein wird, das neue Geschäft zu integrieren. So verlor die Aktie nach Bekanntwerden der ersten Gerüchte zunächst weiter an Wert. Jetzt reagieren die Kapitalmärkte aber durchaus positiv. Nach Bekanntgabe der Übernahme und der Vorlage der Quartalszahlen zog die Aktie um knapp 3,5 Prozent an. Martin Sorrell, Ex-WPP-Chef und heute CEO der von ihm gegründeten Gruppe S4 Capital, sieht den Deal allerdings wenig optimistisch. "Für mich riecht die schnelle Ankündigung ein bisschen nach Verzweiflung, um die Quartalszahlen zu verbergen. Das Problem beim Umsatzwachstum wird durch die Übernahme von Epsilon jedenfalls nicht gelöst", sagt Sorrell. Er und Publicis sind sich seit vielen Jahren in gegenseitiger Abneigung verbunden.
„Momentan kaufen Systemintegratoren kreative Unternehmen, um ihre eigene Agenda voranzubringen. Wir setzen uns für unsere Branche, für unsere Mitarbeiter und für Kreativität ein.“
Arthur Sadoun
Die französische Gruppe ist dagegen überzeugt, mit dem Schritt genau das Richtige zu tun - und sich nicht zuletzt gegen neue Wettbewerber wie Accenture und Co zu wappnen, die immer mehr ins Geschäft mit digitalem Marketing einsteigen. "Momentan kaufen Systemintegratoren kreative Unternehmen, um ihre eigene Agenda voranzubringen. Wir setzen uns für unsere Branche, für unsere Mitarbeiter und für Kreativität ein", sagt Konzernchef Sadoun in einem Video an die Mitarbeiter. mam

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