Rassistische Werbung von VW

Das sagt die verantwortliche Agentur Voltage

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Voltage-Chef Toby Pschorr bittet im Namen der Agentur um Entschuldigung
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Voltage-Chef Toby Pschorr bittet im Namen der Agentur um Entschuldigung
Als hätte Volkswagen nicht schon genug Probleme: die unendliche Geschichte um den Diesel-Betrugsskandal und seine Folgen, Software-Probleme beim Elektro-Hoffnungsträger ID.3, Schwierigkeiten mit dem Notrufsystem beim neuen Golf 8. Und jetzt das: Das Unternehmen steht im Zentrum einer Rassismus-Diskussion.
Auslöser ist ein Instagram-Werbefilm, bei dem ein dunkelhäutiger Mann von einer weißen Hand in eine Bar namens "Petit Colon" (Kleiner Siedler) geschnipst wird. Als wäre das nicht schlimm genug, werden die einzelnen Buchstaben des Schriftzugs "Der neue Golf" auch noch so eingeblendet, dass für einen kurzen Moment das Wort "Neger" sichtbar wird.


VW hat bereits in Person von Marketing- und Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann um Entschuldigung gebeten und betont, dass Hass, Rassismus und Diskriminierung keinen Platz im Unternehmen hätten. Stackmann persönlich will für "volle Transparenz und Konsequenzen" sorgen, teilte er via Twitter mit. Inzwischen hat sich auch die verantwortliche Agentur Voltage aus der DDB-Gruppe zu Wort gemeldet.

Agenturchef Toby Pschorr erklärt via Instagram-Post: "Das von uns produzierte VW-Instagram-Video entspricht in keiner Weise dem ethischen und moralischen Anspruch unserer Agentur und hat bei vielen Menschen zu Recht Empörung und Unverständnis ausgelöst. Wir wiederholen an dieser Stelle unsere Bitte um Entschuldigung, dass so etwas in unserem Verantwortungsbereich geschehen konnte. Die Voltage/DDB spricht sich klar gegen Rassismus und Intoleranz aus, und wir nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Das Ergebnis der Aufklärungsmaßnahmen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen – für den vorliegenden Fall und für die Zukunft – teilen wir nach Abschluss mit." Bis zur vollständigen Aufklärung will sich die Agentur nicht weiter zu der Angelegenheit äußern.


Für alle Beteiligten ist die Sache in höchstem Maße peinlich. Volkswagen hatte erst im vorigen Jahr mit großer PR-Begleitung ein neues Agenturmodell etabliert. Seitdem kümmert sich in Europa Voltage um die Werbung der Automarke. Die Exklusiv-Agentur ist aus dem langjährigen Stammbetreuer DDB hervorgegangen und gehört nach wie vor zum Netzerk der Omnicom-Tochter. Neben Voltage arbeiten noch zahlreiche andere Agenturen für den Autobauer. Zur Launch-Kampagne für den ID.3 wurden im vorigen Jahr insgesamt 17 Dienstleister in einem sogenannten Powerhouse zusammengezogen.

Das neue Modell wurde von VW-CMO Jochen Sengpiehl forciert. Es soll ermöglichen, eine Vielzahl einzelner Assets für die verschiedenen (vor allem digitalen) Werbekanäle zu produzieren und auszuspielen. Wie es dazu kommen konnte, dass der rassistische Instagram-Spot entstehen und dann auch noch ausgestrahlt werden konnte, muss die interne Überprüfung ergeben. Dabei dürfte es auch um die Frage gehen, inwieweit neue Formen und Prozesse der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agenturen, in denen viel automatisiert und standardisiert ablaufen soll, solche "Pannen" befördern können. Wenn der Spot wirklich abgenommen und freigegeben wurde, liegen die Konsequenzen auf der Hand - in der Agentur, aber auch beim Auftraggeber. mam
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