Radikaler Umbau bei Publicis Germany

Die Marke Publicis Pixelpark verschwindet, Leo Burnett spielt national keine Rolle mehr

Frank-Peter Lortz wird CEO von Publicis Germany
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Frank-Peter Lortz wird CEO von Publicis Germany
Lange wurde daran gearbeitet, jetzt ist es soweit. Die deutsche Publicis-Gruppe bekommt eine neue Struktur, mit zum Teil erheblichen Veränderungen. Die Neuaufstellung folgt der international vorgegebenen Leitidee "Power of One". Sie sieht vor, die einzelnen Disziplinen und Arbeitsbereiche enger zusammenzuführen. Das nun für Deutschland entwickelte Modell, das ab 1. Januar 2020 zum Tragen kommt, bezieht sich aber ausdrücklich nur auf den hiesigen Markt.
Wie seit den Ankündigungen und Personalmaßnahmen im Frühjahr zu erwarten war, werden die früher eigenständig agierenden Sparten Media und Communications unter ein gemeinsames Dach gestellt - unter Leitung von Frank-Peter Lortz, der zum CEO von Publicis Germany aufsteigt. Der 54-jährige Chef der Media-Sparte hatte bereits nach dem Ausscheiden von "Comms"-Chairman Horst Wagner dessen Aufgaben übernommen und wird nun offiziell Anführer der gesamtem deutschen Publicis-Gruppe mit zusammen rund 2300 Mitarbeitern. Er berichtet an Regionalmanager Justin Billingsley.


"In den letzten Jahren haben wir bereits wichtige Schritte unternommen, um unsere Einheiten enger zusammenzubringen. Jetzt machen wir den nächsten Schritt und schaffen in Deutschland eine Struktur, die konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet ist", sagt CEO Lortz - eine bemerkenswerte Aussage, wirft sie doch die Frage auf, auf wessen Bedürfnisse die Struktur der Gruppe eigentlich bislang ausgerichtet war.

Lortz zur Seite stehen Strategiechef Arne Brekenfeld, Europa-Finanzchef Philippe Bordet und der neue Chief Talent Officer Hendrik Zell, der von 1&1 kommt. Im Management Board der deutschen Gruppe sitzen zudem die Verantwortlichen für die einzelnen operativen Agenturmarken (siehe Chart). Ein Kreativchef für die Gruppe wird noch gesucht.
So sieht die neue Aufstellung der deutschen Publicis-Gruppe aus
© Publicis
So sieht die neue Aufstellung der deutschen Publicis-Gruppe aus
Bei den Agenturmarken gibt es die größten Veränderungen. So wird die Marke Publicis Pixelpark abgeschafft. Der Name Publicis wird künftig nur noch für die gesamte Gruppe und in Zusammenhang mit den Exklusiv-Einheiten wie Publicis One Touch (für Nivea) oder Publicis Emil (für Mercedes-Benz) verwendet, er wird also zur reinen Plattform-Marke. Keine Rolle mehr - außer für deren internationale Network-Kunden - spielt im deutschen Markt künftig die Agentur Leo Burnett. Sie wird nicht weiter unterstützt. Zur Kernmarke im Bereich Werbung wird dagegen Saatchi & Saatchi unter der Leitung des aufgewerteten CEO Christian Rätsch. Bei dieser Marke wird das gesamte Kreativgeschäft gebündelt, also auch die entsprechenden Teams und Kunden von Leo Burnett und Publicis Pixelpark. "Im Kreativbereich braucht man keine drei Agenturmarken, eine reicht. Aber die muss dafür richtig gut sein", sagt CEO Lortz im Interview.


Das Digital- und CRM-Geschäft von Publicis Pixelpark wird mit der zuletzt bei der Mediasparte angesiedelten Firma Digitas verschmolzen. Daraus entsteht die Agenturmarke Digitas Pixelpark mit standortübergreifend rund 570 Mitarbeitern. Sie soll sich auf das Thema digitale Marketingtransformation mit den Schwerpunkten E-Commerce, Automation und CRM konzentrieren. Hier übernehmen CEO Ralf Niemann und Strategiechef Jens-Christian Jensen die Leitung. Die Kreation verantwortet dem Vernehmen nach der bisherige CCO von Publicis Pixelpark, Timm Weber.

Unverändert erhalten bleiben die B-to-B-Agentur Saatchi & Saatchi Pro und die Spezialanbieter Meta Design (Branding), MSL (PR), Performics (Performance) sowie die drei Mediaagenturmarken Zenith, Starcom und Spark Foundry. Hier bleibt auch das Management im Wesentlichen unverändert. Allerdings gibt der bisherige Media-Chef Lortz diese Position an Petra Gnauert ab und konzentriert sich in Zukunft komplett auf seine Rolle als CEO der zusammengeführten Gruppe.

Weiter ausgebaut werden soll unter anderem der internationale Produktions- und Adaptionsableger Prodigious mit Götz Teege an der Spitze. Teege war zuletzt General Manager bei Publicis Pixelpark in Hamburg. Die Produktion gehört wie Data und Commerce zu den Bereichen, die gruppenübergreifend angeboten und gestärkt werden sollen. Das ist eine internationale Vorgabe der Holding-Zentrale in Paris.
„Im Kreativbereich braucht man keine drei Agenturmarken, eine reicht. Aber die muss dafür richtig gut sein.“
Frank-Peter Lortz, Publicis
Die Neuaufstellung ist, wie erwähnt, die lokale Umsetzung der international vorgegebenen Leitidee "Power of One". Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Publicis dringend Wachstumsimpulse braucht und sich dabei einiges von der veränderten Struktur verspricht. Vor allem in der Comms-Sparte war nicht mehr viel los, sieht man einmal von der positiven Entwicklung bei Saatchi & Saatchi ab. Sie reicht aber offenbar nicht, um die Probleme bei den Schwestermarken aufzufangen. So wurden bei Publicis Pixelpark zuletzt die Niederlassungen in Bielefeld und Erlangen geschlossen. Leo Burnett leidet schon länger unter den massiven Budgetkürzungen des einstigen Großkunden Philip Morris. In der Bilanz des börsennotierten Mutterkonzerns für das 3. Quartal 2019 findet sich für den deutschen Markt ein Umsatzminus von mehr als 5 Prozent. mam

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