Special

WPP-Chef Mark Read tritt hart auf die Kostenbremse
WPP
Radikaler Sparkurs in der Corona-Krise

WPP streicht alle Ausgaben für Award Shows

WPP-Chef Mark Read tritt hart auf die Kostenbremse
Die Corona-Krise ist endgültig bei den internationalen Werbeholdings angekommen. Die britische WPP-Gruppe kündigt einen radikalen Sparkurs an. Das Aktienrückkaufprogramm ist eingefroren, die Dividende für die Aktionäre gestrichen. Allein durch diese beiden Maßnahmen erhofft sich der von CEO Mark Read geführte Konzern Einsparungen in Höhe von 1,1 Milliarden Pfund. Zusätzliche 700 bis 800 Millionen Pfund sollen durch weitere Maßnahmen eingespart werden.
von Mehrdad Amirkhizi Dienstag, 31. März 2020
Alle Artikel dieses Specials
X
Dazu gehören ein Einstellungsstopp, die Überprüfung der Ausgaben für Freelancer, Gehaltsverzicht (20 Prozent) beim Top-Management sowie die Streichung von Reisekosten und Ausgaben für Award Shows. Das heißt: Die Agenturen der WPP-Gruppe (unter anderem Ogilvy, Grey, Wunderman Thompson sowie in Deutschland Scholz & Friends und Thjnk) werden in diesem Jahr nicht mehr an Kreativwettbewerben teilnehmen - so diese denn überhaupt stattfinden sollten.


Die Veranstalter der Cannes Lions haben das weltweit größte Kreativfestival auf Ende Oktober verschoben. Andere Ausrichter wie zum Beispiel der deutsche ADC haben ihre Award Show abgesagt, wollen den Wettbewerb aber trotzdem via Online-Jurierung durchführen. Inwieweit das wirtschaftlich tragfähig ist, wenn keine Agenturen aus der WPP-Gruppe mehr teilnehmen, muss sich zeigen. Zumal davon auszugehen ist, dass andere große Werbeholdings diesem Beispiel folgen werden.

Wirtschaftlich bekommt WPP die Auswirkungen der Corona-Krise bereits deutlich zu spüren. Konkrete Zahlen dazu nennt das Unternehmen zwar noch nicht, teilt aber mit, dass sich das Geschäft im März deutlich abgeschwächt hat. Die ohnehin schon bescheidene Prognose für 2020 (kein Wachstum) wird zurückgezogen. Dabei hat sich die Gruppe in den beiden ersten Monaten laut WPP eigentlich recht stabil entwickelt. Der bereinigte Netto-Umsatz erhöhte sich um 0,4 Prozent - allerdings ohne Berücksichtigung der Zahlen aus China. Dort ging der Umsatz im Januar und Februar um 16 Prozent zurück. Insgesamt steht für die beiden ersten Monate des Jahres ein Umsatzrückgang von 0,6 Prozent in der Bilanz.


Etwas gebremst werden konnte die Talfahrt in den USA. Dort ging der Umsatz im Januar und Februar "nur" noch um 0,9 Prozent zurück, nach einem Minus von über 4 Prozent im 2. Halbjahr 2019. Da sich die Corona-Situation in den Vereinigten Staaten in den letzten Tagen aber deutlich verschärft hat, ist hier ebenfalls mit einem massiven Rückgang zu rechnen. In China hat sich die Situation dagegen wieder etwas stabilisiert. Nachdem zwischenzeitlich fast alle dortigen Mitarbeiter von WPP "remote" gearbeitet haben, sind inzwischen wieder mehr als die Hälfte in die Büros zurückgekehrt.

Auf internationaler Ebene arbeiten aktuell fast 95 Prozent der 107.000 Angestellten im Home Office. "Ich bin sehr stolz auf die Reaktion unserer Mitarbeiter, die aufeinander achten und die Extra-Meile für Kunden gehen und gleichzeitig die Kreativität, Zusammenarbeit und Belastbarkeit demonstrieren, die für den dauerhaften Erfolg von WPP entscheidend sind", lässt sich WPP-Chef Read in einer offiziellen Mitteilung zitieren.

Das von ihm geführte Unternehmen hat, wie fast alle Firmen, zuletzt deutlich an Wert verloren. Der Aktienkurs fiel zwischenzeitlich unter 500 Pence. Ende 2019 lag er noch knapp doppelt so hoch. Nach der Vorlage des heutigen "Trading Updates" zogen die Papiere allerdings um rund 7 Prozent an. Zuletzt hatten große Investmenbanken das Kursziel für WPP deutlich gesenkt, Barclays auf 760 Pence, JP Morgan auf 630 Pence. mam
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats