Personeller Umbau bei C3

Franzis Heusel kommt von BBDO Berlin / Drei Führungskräfte gehen

Die neue Führungsmannschaft von C3
© C3
Die neue Führungsmannschaft von C3
C3 verordnet sich eine neue Führungsstruktur - und die enthält ein paar faustdicke Überraschungen. Große Aufsteigerin ist die New Yorker Kreative Christine Beardsell, neuer starker Mann am Standort Berlin wird Franzis Heusel, der von BBDO Berlin kommt. Gleichzeitig nehmen drei Führungskräfte ihren Hut: Gregor Vogelsang, Blundstone Osterberger und Burkhard Tewinkel.
Adel Gelbert, seit gut einem Jahr an der Spitze von C3, treibt den Umbau der Agentur weiter voran. Vergangene Woche präsentierte er ein umfassendes Strategiekonzept für die Burda-Tochter, jetzt verkündet er eine neue Führungsstruktur. Dem neuen Management Board gehören neben Karsten Krämer (COO) und Christian Breid (Chief Digital Officer) auch zwei Neue an: Christine Beardsell (Chief Content Officer) und Natalie Jupe (CFO). Zur neuen Führungsstruktur im Detail:

Christine Beardsell:

Seit dem Rückzug von Lukas Kircher aus dem operativen Geschäft, litt C3 unter einer großen Schwäche: Der Agentur fehlte das kreative Aushängeschild. Diese Lücke soll nun Christine Beardsell schließen - sie ist so etwas wie Gelberts Joker in dem neuen Personal-Tableau.


Beardsell gilt als eine der Vorzeigefrauen für ein neues Verständnis von Kreativität und einer "Content First"-Strategie. Bei der Agentur Fold 7 war sie unter anderem für die erfolgreiche Kampagne "The Danish Way" für Carlsberg zuständig. Weitere Stationen ihres Karrierewegs: Newcast UK, VCCP Content und Digital NYC.

Seit Juni gehört die gebürtige New Yorkerin zur Führungscrew von Seven C3 in London. Nun erfolgt ihr Aufstieg in die oberste Führungsriege der Gruppe. Beardsell bleibt in London, wird aber häufig in Deutschland unterwegs sein. Ihre Aufgabe: Sie soll das kreative Profil von C3 schärfen und das Zusammenspiel von Kreation und Content intensivieren.

Karsten Krämer:

Karsten Krämer ist seit 2013 in der Agentur und als COO jetzt so etwas wie der zweite Mann hinter Adel Gelbert. Was für ihn spricht: Er kennt die alte Corporate-Publishing-Welt aus dem Effeff und hat am Standort München bewiesen, die Transformation hin zu Content Marketing schnell und effizient hinzubekommen. Krämer gilt zudem als "Kundenversteher" - und ist somit gewissermaßen der natürliche Nachfolger von Rainer Burkhardt, der zusammen mit Lukas Kircher den Content-Marketing-Boom in Deutschland angestoßen hatte. Krämer verantwortet als COO die Standorte München, Stuttgart und London sowie die Bereiche Performance und Media.

Christian Breid:

Christian Breid kam 2016 von Hoffmann & Campe als Geschäftsführer zu C3 - und bekommt jetzt als gruppenweiter Chief Development Officer deutlich mehr Verantwortung. Gelbert hält große Stücke auf den 39-Jährigen, der vor allem am Standort Hamburg seine Führungsfähigkeiten unter Beweis gestellt hat. Zu seinen Aufgaben gehören nun neben Hamburg auch der Standort Berlin sowie die Bereiche Tech Consulting, Development und Data Analytics.

Natalie Jupe:

Natalie Jupe verantwortet seit 2017 die Finanzen bei C3 und bekommt als CFO nun höhere Weihen. Außerdem ist sie künftig zuständig für die Joint Ventures Innogy und B.Famous (Burda).


Neben der Installation eines neuen Management Boards ist zweifellos die Verpflichtung von Franzis Heusel von besonderer Bedeutung. Der war unter anderem bei Jung von Matt und zuletzt Geschäftsführer von Omnicom BBDO Proximity. Zusammen mit Christian Breid wird er ab Januar 2019 den Standort Berlin leiten.

Berlin ist eine der schwierigsten Baustellen von Adel Gelbert. Nach dem Rückzug von Lukas Kircher und Rainer Burkhardt sackte dort die Stimmung bedrohlich in den Keller. Was Berlin dringend braucht, ist eine starke Führungspersönlichkeit, die in der Mannschaft eine neue Aufbruchstimmung erzeugt. Gelbert ist überzeugt, mit Heusel den richtigen Mann für diese Mission gefunden zu haben. Darüber hinaus soll der Ex-BBDO-Mann im Bereich Campaigning Akzente setzen. Auch der Standort Zürich bekommt einen neuen Geschäftsführer. Der neue Mann an der Spitze ist der Schweizer Lukas Baumgartner, der über reichlich Agenturerfahrung verfügt und bei Euro RSCG (heute Publicis), TBWA und Young & Rubicam in Lohn und Brot stand.

Beardsell, Heusel, Baumgartner - der Wille, mit neuen Kräften in der Kreation einen echten Schritt nach vorne zu machen, ist unverkennbar. Eigentlich war Blundstone Osterberger für diese Aufgabe ausersehen. Der kam Ende 2016 von der digitalen Designagentur Code and Theory zu C3 und gilt zurecht als digitaler Vordenker. Doch für die nötige Außenwirkung konnte der introvertierte Österreicher nie sorgen. Insofern erscheint sein Abgang nur folgerichtig.

Ein großer Einschnitt für die Agentur ist der Ausstieg von Gregor Vogelsang. Nach dem Zusammenschluss 2015 von Kircher Burkhardt und Burda Creative Group zu C3 war Vogelsang zusammen mit Kircher und Burkhardt der Architekt für eine Agentur neuen Zuschnitts. Vogelsang ist zweifellos einer der brillantesten Köpfe der Content-Marketing-Zunft, gilt aber nicht unbedingt als geborener Agenturchef. Dass für ihn kein Platz mehr ist neben Gelbert, der die Rolle des Chefstrategen übernommen hat, ist nicht wirklich überraschend. An den großen Verdiensten von Vogelsang am Aufstieg von C3 ändert das freilich nichts.
„Das Marketing befindet sich weltweit in einem fundamentalen Transformationsprozess, der von Unternehmen und Agenturen ein völlig neues Arbeiten erfordert. Mit unserer neuen Aufstellung sowie unserem Zusammenarbeits-Modell wollen wir diesen Wandel an vorderster Front mitgestalten.“
Adel Gelbert
Neben Osterberger und Vogelsang gibt es einen dritten prominenten Abgang: Burkhard Tewinkel. Tewinkel kam 2009 zu Kircher Burkhardt und spielte auch bei C3 eine ganz zentrale Rolle. Besonders gut harmoniert hat er mit Gelbert wohl nie. Nach knapp zehn Jahren beginnt für Tewinkel nun ein neues Kapitel - wo genau, wird man sehen.

Mit seinen Personalentscheidungen rüttelt Gelbert das Unternehmen tüchtig durcheinander - und drückt der Agentur endgültig seinen Stempel auf. Strategisch macht das schon alles Sinn. Im Kern der Neuausrichtung von C3 steht ein neues Delivery Modell, der sogenannte "Client Pod". Der soll es ermöglichen, Teamstrukturen deutlich passgenauer und agiler um die Kundenbedürfnisse herum zu formen. Gelbert: "Das Marketing befindet sich weltweit in einem fundamentalen Transformationsprozess, der von Unternehmen und Agenturen ein völlig neues Arbeiten erfordert. Mit unserer neuen Aufstellung sowie unserem Zusammenarbeits-Modell wollen wir diesen Wandel an vorderster Front mitgestalten." Die 12 Standorte "bleiben in ihrer lokalen und inhaltlichen Eigenständigkeit bestehen, werden jedoch stärker untereinander vernetzt und erhalten Zugriff auf zentrale Kompetenzcluster, die jeweils gruppenübergreifend geführt werden." js
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