Open Kitchen

Pahnke startet Beratungsangebot für Start-ups

Pahnke-Chef Lars Lammers holt Start-up-Expertin Insa Horsch an Bord
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Pahnke-Chef Lars Lammers holt Start-up-Expertin Insa Horsch an Bord
Start-ups kümmern sich um vieles: Investorensuche, Produkt und Dienstleistung, technische Lösungen. Marketing und Werbung stehen dagegen nicht selten im Hintergrund. Manchmal wird in der Anfangshektik sogar die Eintragung der eigenen Marke vergessen. Oft fehlt den Gründern die Zeit, um sich um diese Themen zu kümmern, manchmal aber auch schlicht das nötige Know-how.
Abhilfe schaffen wollen jetzt Agenturen, die sich auf die Beratung von Start-ups spezialisiert haben. Eine davon ist das W11 Network in Berlin, selbst erst seit 2017 am Markt. Gründer Tobias Urban versteht sich als "kreativer Beschleuniger" und hat sich auf die Fahnen geschrieben, halbherzige Unternehmensauftritte anderer Start-ups zu verbessern. "Wir übertragen wirtschaftliches Verständnis für das Geschäftsmodell in aussagekräftiges Design", sagt W11-Chef Urban.


Noch einen Schritt weiter geht die Hamburger Werbeagentur Pahnke Markenmacherei. Sie betreibt seit kurzem unter dem Namen "Open Kitchen" ein Fullservice-Angebot für neue Firmen, das sich gleichzeitig auch an etablierte Akteure richtet, die Impulse für ihr Geschäft suchen – zum Beispiel, wenn es um Innovationen und alternative Arbeitsmethoden geht. "Junge Unternehmen haben oft tolle Ideen, wissen aber nicht, diese professionell zu vermarkten", sagt Pahnke-Chef Lars Lammers. Die Zusammenarbeit mit großen Agenturen komme für sie allerdings nur selten infrage.

"Klassische Agenturen werden häufig als schwerfällig und teuer angesehen. Außerdem verstehen sie oft die Herausforderungen nicht, mit denen Gründer konfrontiert sind", erläutert Lammers die Idee hinter der Open Kitchen. Um hier selbst ein glaubwürdiges Angebot unterbreiten zu können, hat sich Pahnke mit zwei Experten für das Thema Unternehmensgründungen zusammengetan: Carl-Clemens Köhler, Gründer des Food-Start-ups Cow Cow, und Beraterin Insa Horsch. Sie war sowohl auf Agentur- (Scholz & Friends) und Unternehmensseite (Schwartau, Carl Kühne) tätig und startete danach ihre eigene Agentur Pink Zebra Marketing, mit der sie bereits auf die Beratung von Start-ups spezialisiert war. "Früher musste ich viele Aufgaben abgeben, jetzt können wir alles aus einer Hand anbieten", sagt Horsch zu ihrem Einstieg bei Pahnke.


Das Open-Kitchen-Team besteht zunächst aus drei Leuten, sie können aber auf sämtliche Ressourcen der Stammagentur mit ihren mehr als 200 Mitarbeitern zugreifen. Gründungskunden sind Cow Cow (Milchprodukte) sowie Luicella’s Ice Cream und die Essiglimonade Moi’s Haymaker. In der Innovations-Säule arbeitet das Team von Horsch mit bestehenden Kunden von Pahnke zusammen – mit wem genau, wollen die Verantwortlichen allerdings nicht sagen. Allen gemein ist, dass sie aus dem FMCG-Bereich kommen, dem Spezialgebiet der Agentur. Größter Auftraggeber ist seit vielen Jahren der Süßwarenhersteller Storck (unter anderem Merci, Knoppers, Nimm2), zudem stehen Unternehmen wie Lorenz, Valensina und Meggle auf der Liste der Auftraggeber. Bei entsprechendem Kundenzuwachs und geschäftlichem Erfolg soll die Unit zu einer eigenen Firma unter dem Dach der Pahnke-Gruppe ausgegründet werden.

Bei dem neuen Angebot werden auch andere Preise und Abrechnungsmodelle zum Tragen kommen als bei der Stammagentur. So ist durchaus vorstellbar, dass Pahnke Anteile des einen oder anderen Start-ups erwirbt beziehungsweise an dessen Umsatz- und Gewinnentwicklung beteiligt wird. Als Einstieg in ein Niedrigpreis-Modell will Agenturchef Lammers den Schritt aber ausdrücklich nicht verstanden wissen. "Wir gehen auch mit ins unternehmerische Risiko, aber das heißt nicht Discount-Preise. Die Open Kitchen ist also sicher keine Hintertür für niedrigere Stundensätze. Das wäre kein unternehmerisches Risiko, sondern Selbstmord", sagt der 39-Jährige. mam
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