Nachhaltigkeit

SPD-Agentur Richel, Stauss verzichtet künftig auf innerdeutsche Flüge

Die Agenturchefs Frank Stauss und Mathias Richel
© Richel, Stauss / Paul Seitz
Die Agenturchefs Frank Stauss und Mathias Richel
"Lasst uns am Boden bleiben!": Die Berliner Agentur Richel, Stauss wird zu Kundenterminen innerhalb Deutschlands künftig nicht mehr mit dem Flugzeug anreisen. In einem Statement erklären die Verantwortlichen, was sie damit bezwecken. 
Eigenen Angaben zufolge kommen die Geschäftsführer der im vergangenen Jahr gegründeten Agentur, Frank Stauss und Mathias Richel, auf "50 bis 80 innerdeutsche Flüge pro Geschäftsführer pro Jahr, also 100 bis 160 Starts und Landungen, und bewegen uns je nach Airline im Platin-, Gold- oder Frequent-Status." Für "Agenturmenschen" sei dies normal: "Wir steigen in ein Flugzeug wie in die Straßenbahn. Oder, ehrlich gesagt, wesentlich häufiger als in die Straßenbahn." Dabei habe man auch schonmal Termine am Jahresende so gelegt, "dass man noch die vier Flugsegmente bekommt, die man für die nächste Vielflieger-Status-Stufe braucht."


Damit soll nun Schluss sein: "Es macht keinen Sinn und vor allem macht es unser Klima kaputt", heißt es in der Mitteilung der Agenturchefs. In Zukunft wolle man lieber stärker auf digitale Meetingtools wie Videokonferenzen setzen oder die Bahn nehmen - und wenn es Umsteigen erfordert. Den Kunden habe man das so mitgeteilt und darum gebeten, dies bei der Meetingplanung künftig zu berücksichtigen. Tatsächlich schneidet der ICE in Sachen CO2-Emissionen wesentlich besser ab als das Flugzeug.

Einen Komplett-Verzicht auf das Fliegen planen die SPD-Werber allerdings nicht: "Wir wissen, dass es konsequentere Menschen als uns gibt und ziehen den Hut davor. Aber wir sind keine Heiligen und wollen auch in Zukunft in den Urlaub fliegen oder einen Konferenztermin in Madrid nicht mit dem Zug absolvieren." Man werde künftig nur auf die Kurzstrecke verzichten.
„Wir werden selbst vor Umsteigeverbindungen nicht mehr zurückschrecken, obwohl Die Bahn viel zur Förderung des innerdeutschen Flugverkehrs beigetragen hat.“
Frank Stauss & Mathias Richel
Damit befindet sich Richel, Stauss auch auf der Linie der SPD, für die die Agentur die Kampagne zur Europawahl am 26. Mai entwickelt hat. In ihrem Wahlprogramm kündigen die Sozialdemokraten an, an einer Verkehrswende arbeiten zu wollen. So wolle man "langfristige Konzepte zur Dekarbonisierung von Flugverkehr und Schifffahrt entwickeln." Das Fliegen wird also nicht komplett verteufelt, soll aber umweltveträglicher gemacht werden.


Von ihrem Schritt erhoffen sich Richel und Stauss Signalwirkung nicht nur für die eigene Branche, sondern auch darüber hinaus: "Wir sprechen nur für uns und unser Team, würden uns aber freuen, wenn noch mehr Kolleginnen und Kollegen, Kunden, Politiker, Manager, Journalisten sich abstimmen, um künftige Kurzstreckenflüge auf ein Minimum zu beschränken oder ganz sein zu lassen." Immerhin gebe es Schlimmeres als einen ICE: "Ryanair, zum Beispiel." ire
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