Mit Ex-Castenow-Manager Jochen Huppertz

Havas gründet Spezialunit für Employer Branding

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Jochen Huppertz (l.) leitet die neue Unit Havas People, die CEO Thomas Funk ins Leben gerufen hat
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Jochen Huppertz (l.) leitet die neue Unit Havas People, die CEO Thomas Funk ins Leben gerufen hat
Normalerweise gründen Agenturen neue Units dann, wenn sie einen Auftrag gewonnen haben. Auch Mitarbeiter werden selten im Voraus eingestellt. Havas Germany ist jetzt einen anderen Weg gegangen: Nachdem ein Pitch um einen großen Employer-Branding-Etat verloren wurde, haben sich die Verantwortlichen um CEO Thomas Funk entschlossen, das Thema systematisch aufzubauen und eine eigene Geschäftseinheit dafür ins Leben zu rufen: Havas People.
In die Karten gespielt hat Funk dabei, dass Mitarbeiterbindung und Employer Branding zu den Themen gehören, die bei vielen Unternehmen ziemlich weit oben auf der Agenda stehen. Agenturen wittern hier also Wachstumspotenzial. Hinzu kommt, dass es im eigenen Netzwerk bereits einen Ableger für diesen Bereich gibt. Die entsprechende Unit in Großbritannien besteht seit zehn Jahren und beschäftigt schätzungsweise zwischen 80 und 100 Mitarbeiter.


Um Employer Branding glaubwürdig anbieten zu können, hat sich die deutsche Havas-Gruppe einen Experten für dieses Thema ins Haus geholt. Seit Anfang des Jahres verantwortet Jochen Huppertz die entsprechenden Aktivitäten. Er kommt von der Düsseldorfer Agentur Castenow, die sich in den vergangenen Jahren einen Namen auf diesem Gebiet gemacht hat, unter anderem mit Mitarbeitergewinnungskampagnen für die Bundeswehr. Zu den weiteren Kunden, die von Castenow im Bereich Employer Branding betreut werden, gehören McDonald’s, Rewe, Miele und Die Johanniter.

Huppertz steigt bei Havas als Business Director ein. Er führt ein zunächst dreiköpfiges Team, das bis zum Jahresende auf zehn Mitarbeiter anwachsen soll. Zu den konkreten Geschäftszielen wollen sich die Verantwortlichen nicht äußern, aber wenn alles läuft wie geplant, soll die Einheit in ein bis zwei Jahren in eine eigene GmbH ausgegründet werden. Zum Start sind zwei Kunden aus dem Portfolio von Havas Germany an Bord. Um welche es sich dabei handelt, will die Agentur nicht verraten. Nur so viel: Bei dem einen ist nicht die Marketingabteilung der Auftraggeber, sondern die Personalabteilung.


Für viele Werbeagenturen ist das ein Ansprechpartner, mit dem sie es eher selten zu tun haben und auf den sie sich erst mal einstellen müssen. Neben Spezialanbietern, die teils aus der Technologie-Ecke, teils aus dem Bereich der Stellenvermarktung kommen, gehören in der Agenturbranche neben Castenow Anbieter wie Scholz & Friends Employer Branding und Territory Embrace zu den Wettbewerbern, gegen die sich Havas People mit seinem Angebot für Personalmarketing positionieren muss. Im vorigen Jahr hatten auch Zeit-Verlag und die Agentur Ressourcenmangel eine Spezialagentur für dieses Thema gegründet.
„Employer Branding ist keine Modeerscheinung, sondern eine bleibende, zukunftsrelevante Aufgabe für Unternehmen.“
Jochen Huppertz, Havas People
"Ob ITler, Pflegekräfte, Landärzte, Ingenieure oder Bestatter: In allen Branchen fehlt es an Mitarbeitern. Darum ist Employer Branding keine Modeerscheinung, sondern eine bleibende, zukunftsrelevante Aufgabe für Unternehmen", sagt Unit-Chef Huppertz. Neben passenden Personalmarketingstrategien sowie Kommunikationslösungen für Recruitment und Mitarbeiterbindung will der neue Havas-Manager auch mit Tech-Expertise punkten. Dabei geht es um Themen wie die richtige Aufbereitung von Karriere-Websites und die Entwicklung und Pflege von Bewerbermanagementsystemen.

Um solche Services anbieten zu können, soll das Team von Huppertz eng mit anderen Einheiten der deutschen Havas-Gruppe zusammenarbeiten. "Wir erhoffen uns mit dem neu geschaffenen Angebot wertvolle Synergien zu unserer Schwestergesellschaft Deekeling Arndt/AMO, die unter anderem auf die Felder Change & Leadership sowie auf digitale Transformation spezialisiert ist", sagt CEO Funk.

Zumindest die Kernagentur Havas Düsseldorf kann geschäftliche Impulse gut gebrauchen. Der Rohertrag sank 2018 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) um rund 20 Prozent auf 11,4 Millionen Euro. Beim Vorsteuerergebnis (Ebit) fiel ein Verlust von 2,2 Millionen Euro an. mam
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