Management Buyout

Deutsche Chefs kaufen Palmer Hargreaves

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Iris Heilmann, Jörn Langensiepen und Susanne Hoffmann (v.l.) übernehmen Palmer Hargreaves
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Iris Heilmann, Jörn Langensiepen und Susanne Hoffmann (v.l.) übernehmen Palmer Hargreaves
Die Agentur Palmer Hargreaves, mit etwas mehr als 11 Millionen Euro Honorarumsatz Nummer 23 im Ranking der Inhaberagenturen, bekommt neue Eigentümer. Ab sofort gehört die 1983 in der Nähe von Birmingham gegründete Firma dem deutschen Management um CEO Jörn Langensiepen sowie den beiden Geschäftsführerinnen Iris Heilmann und Susanne Hoffmann.
Die hiesige Niederlassung in Köln ist mit ihren rund 150 Mitarbeitern schon seit Längerem der mit Abstand größte Standort der Agentur, die außer an ihrem bisherigen Stammsitz in Großbritannien (20 Mitarbeiter) auch noch in Shanghai (10 Mitarbeiter) vertreten ist. Die Filiale in Moskau wurde im vorigen Jahr an die dortige Führung verkauft. Dass Palmer Hargreaves früher oder später in andere Hände wandern würde, war allen Beteiligten klar. Gründer und Haupteigentümer Andrew Clift, der operativ schon länger keine Rolle mehr spielt, hat frühzeitig angekündigt, auch als Gesellschafter auszuscheiden. Parallel dazu hat sich der bisherige britische Co-Investor zurückgezogen.


Damit war der Weg frei für das hiesige Management um CEO Langensiepen, das bereits an der Agentur beteiligt war und diese nun mithilfe des Mittelstandsfinanzierers S-UBG übernimmt. Zu den finanziellen Eckdaten des Deals machen die Beteiligten keine Angaben. An der Positionierung und Ausrichtung soll sich auch in der neuen Eigentümerkonstellation nichts ändern. "Unternehmen brauchen vor allem in unsicheren Zeiten einen Agenturpartner, der sie und ihre Märkte genau kennt", sagt Langensiepen.

In der neuen Konstellation etablieren die Verantwortlichen die Holding PH1, unter deren dach die aktuellen Landesgesellschaften in Deutschland, Großbritannien und China arbeiten. Theoretisch ist vorstellbar, dass es in Zukunft weitere Submarken unter dem Dach der Holding geben wird. Davon ist derzeit allerdings nicht auszugehen. "Wir wollen die Vorteile und die Schlagkraft der Agentur, die derzeit nahtlos alle Disziplinen unter einem Dach vereint, auf keinen Fall auflösen zugunsten eines Konglomerats von Spezialagenturen, die durch divergierende Ziele und komplexe Abstimmnungen gehemmt sind", sagt CEO Langensiepen.


Palmer Hargreaves versteht sich als Agentur für komplexe und erklärungsbedürftige Produkte. Früher lag der Fokus auf dem Automobilmarketing (After Sales), inzwischen macht dieses Geschäft in Deutschland aber nur noch etwa 30 Prozent der Umsätze aus. Heute gehören auch Branchen wie IT/Telekommunikation, Life Science und Energie zum Portfolio. Neu auf der Kundenliste stehen zum Beispiel Unternehmen wie Huawei, Suez und EnBW. In Planung ist ein international ausgerichtetes Angebot für Mobility Services. Wie sich das Geschäft der Agentur weiter entwickeln wird, lässt sich angesichts der Coronakrise nicht genau absehen. Aktuell befinden sich einzelne Bereiche in Kurzarbeit. mam
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