Looping Group

Wie Dominik Wichmann den Dienstleister zur Medienmarke ausbaut

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Dominik Wichmann
© Björn-Arne Eisermann / HORIZONT
Dominik Wichmann
Haben Leute aus dem Content-Marketing, die ja ständig publizieren als gäbe es kein Morgen, etwas zu sagen, was irgendeine gesellschaftliche Bedeutung hat? Ex-Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann schon. Mit seiner Looping Group startet er jetzt den Newsletter „Ping!“. Die Premiere ist schon mal vielversprechend.
Die 2017 von Wichmann und engen Weggefährten gestartete Looping Group wird in der Öffentlichkeit bisher vor allem als Agentur für Mercedes-Benz wahrgenommen - und steht inzwischen für Content Marketing in der Premium-Version. Wer auf die gerade neu gestaltete Website geht, sieht aber: Die Looping Group hat in den vergangenen Monaten still und leise weitere Kunden gewonnen. Auf der jetzt erstmals veröffentlichten Liste finden sich unter anderem Allianz, Bulthaup, Beisheim Stiftung, Messe München, die Stadt Köln, Penguin Random House, Stage Entertainment und Under Armour. Nicht zu vergessen: Man konzipiert und schreibt auch Bücher wie die weltweit erschienene Autobiographie von Tina Turner. Kurz und gut: Die Looping Group ist drauf und dran, sich als eine der führenden Content-Agenturen der Republik zu etablieren.


Aufhorchen lässt das Unternehmen aktuell aber vor allem mit dem Start des Newsletters „Ping!“. Und der ist ziemlich anders als das, was man sonst so von Content-Marketing-Agenturen zu lesen bekommt.

Worum geht es genau? Das übergreifende Thema ist die „redaktionelle Gesellschaft“, in der „nahezu jeder Akteur Sender und Empfänger von Botschaften, Wahrheiten und Lügen“ ist.


Der erste Newsletter stammt aus der Feder von Wichmann himself. Es ist ein im Grunde feuilletonistischer Text, wie man sich das von ihm ja auch erwartet. Ein paar Textproben: „Wir sind zunehmend verwoben in ein Gespinst aus Narrativen und werden so gut wie jeden Tag an eine sinngemäße Sentenz von Walter Benjamin erinnert: Wo sich Kommunikation verändert, dort verändert sich die Gesellschaft. Längst bildet die Digitalität nicht mehr nur die Realität ab, nein, längst schafft sie mit jedem Tweet und jedem Posting neue Realitäten, die unseren Alltag dann beeinflussen.“
„Wenn wir alle nur noch senden und nicht mehr zuhören, geht etwas sehr Wichtiges verloren. Die Neugier, die Toleranz, die Liberalität. Letztlich die Freiheit dessen, was Bruce Wasserstein seinerzeit meinte: des Denkens.“
Dominik Wichmann
„Wenn wir alle nur noch senden und nicht mehr zuhören, geht etwas sehr Wichtiges verloren. Die Neugier, die Toleranz, die Liberalität. Letztlich die Freiheit dessen, was Bruce Wasserstein seinerzeit meinte: des Denkens. Dieser Bedrohung müssen wir die Chancen einer Redaktionellen Gesellschaft entgegensetzen. Die Demokratisierung der Diskurse.“

„Wir halten es mit einem Satz, den unser Lieblingslyriker Hans Magnus Enzensberger unlängst in München bei der Feier zu seinem 90. Geburtstag sagte: „Ein neuer Irrtum ist mir lieber als alle Gewissheiten.“

In der Branche ist ja gerade hier und dort und eigentlich überall von „Purpose“ die Rede. Wenn es - neben geschäftlichem Erfolg - einen Purpose für Content-Agenturen gibt, dann genau das: Texte zu publizieren, die etwas bedeuten und nicht nur irgendwelchen Big-Data-Optimierungs-Kriterien folgen. Facebook und Google - beide fast komplett werbefinanziert - haben den öffentlichen Diskurs tiefgreifend verändert. Da ist es keine schlechte Idee, genau das, nämlich das öffentliche Reden in Zeiten der Social Networks, zum Thema eines Agentur-Newsletter zu machen. In der Sache muss man dabei nicht immer einer Meinung mit Wichmann sein. So kann man durchaus den Standpunkt vertreten, die von ihm gefeierte „Demokratisierung der Diskurse“ sei in Wahrheit eine Schimäre. Die „Weisheit der Vielen“, an die Wichmann glaubt, kann auch in die Irre führen. Anders formuliert: Ist die „redaktionelle Gesellschaft“ tatsächlich die Lösung - oder nicht vielmehr in ihrem Kern ein Treiber für Narzissmus und Egoismus? Was an dem Projekt gefällt, ist die Aura der Freiheit, die es verbreitet. Es gebe „keine Vorgaben, was Anzeigenerlöse, Reichweiten oder sonstige Wichtigkeiten betrifft“, schreibt Wichmann. Die Texte seien nicht „längenoptimiert“ und man schreibe auch nur über solche Themen, „die uns selbst tatsächlich interessieren“. Also zum Beispiel nicht über irgendwelche „Marketing-Macher, die außerhalb ihrer Filterblase ohnehin niemand kennt“. Eine kleine Botschaft an die Werbeindustrie oder, wenn man so will, ein Plädoyer für Content Markleting, hat Wichmann dann aber doch in petto: „Sich Aufmerksamkeit mittels klassischer Werbung zu kaufen, wird zunehmend unbezahlbar.“

Mit dem ersten Ping-Newsletter legt Wichmann die Latte ziemlich hoch - man wird sehen, ob er die Flughöhe wird halten könnten. Der nächste Text wird ein Interview mit Reid Hoffman sein. Hoffmann ist Mitgründer von LinkedIn und überhaupt omnipräsent in der Digitalszene: als Investor, Vordenker und Multi-Aufsichtsrat, unter anderem bei Microsoft. Thema der Interviews wird sein: Wie man mit Storytelling die Wirklichkeit beeinflussen kann. js
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