London International Awards

Auftritt von gefeuertem Ex-Droga5-Kreativchef bringt Veranstalter in Erklärungsnöte

Ted Royer hatte im Rahmen der London International Awards in Las Vegas einen Auftritt, der kontrovers diskutiert wird
© Droga5
Ted Royer hatte im Rahmen der London International Awards in Las Vegas einen Auftritt, der kontrovers diskutiert wird
Ärger für die Veranstalter der London International Awards: Bei ihrem Nachwuchsevent Creative Liaisons, das bis gestern parallel zu den Jurysitzungen des renommierten Kreativwettbewerbs in Las Vegas stattgefunden hat, tauchte ein Überraschungsgast auf, über dessen Erscheinen nicht alle Teilnehmer glücklich waren: Ted Royer, ehemaliger weltweiter Kreativchef der heutigen Accenture-Tochter Droga5.

Der einst hoch angesehene und vielfach dekorierte Top-Kreative war vor anderthalb Jahren nach damals nicht näher definierten Anschuldigungen wegen Fehlverhaltens gefeuert worden. Öffentlich hat er sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Bis jetzt. LIA-Chefin Barbara Levy bot Royer eine Bühne, um zu den Anschuldigungen des anonymen Instagram-Accounts Diet Madison Avenue Stellung zu nehmen, die damals zu seiner Entlassung geführt hatten.



Wie aus den Reihen der Teilnehmer zu hören ist, trat ein sichtlich bewegter Royer vor das Publikum und bedankte sich zunächst für die Chance, seine Version der Geschehnisse darzulegen. Laut AdAge wies er einige der gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen klar zurück. Dazu gehört etwa die Aussage, dass mächtige Werbemanager sich mithilfe von Geheimhaltungsvereinbarungen von etwaigen Belästigungsvorwürfen freigekauft hätten. Auch die Geschichte wonach er eine Mitarbeiterin auf dem Gang der Agentur sexuell belästigt habe, sei nicht wahr. Gleichzeitig räumte Royer ein: "Ich war leichtfertig, machte Witze, war flirtfreudig und ermutigte meine Mitarbeiter dazu, Alkohol zu trinken und Drogen zu nehmen." Er habe sich egoistisch und unreif verhalten. Dafür wolle er sich bei allen entschuldigen, die er mit seinem Verhalten verletzt hat; bei seiner Frau, die stärker sei als er je für möglich gehalten hat, bei seinem früheren Arbeitgeber, den er womöglich in eine schwierige Situation gebracht hat und bei der Branche, die er über alles liebt.
„Ich war leichtfertig, machte Witze, war flirtfreudig und ermutigte meine Mitarbeiter dazu, Alkohol zu trinken und Drogen zu nehmen.“
Ted Royer
Royers Vortrag dauerte mehr als eine Stunde und stieß nicht überall auf Verständnis. Einige der jungen Creative-Liaisons-Teilnehmerinnen seien im Anschluss regelrecht verstört gewesen, berichten Anwesende. Für die LIA-Organisation, die wie viele andere internationale Award Shows mit rückläufigen Einsendungen zu kämpfen hat, könnte das Thema noch ein bitteres Nachspiel haben. Wie Business Insider berichtet, hat die IPG-Tochter FCB ihre Zusammenarbeit mit den London International Awards bereits mit sofortiger Wirkung beendet. Royers Vortrag habe einige Agenturmitarbeiter "zutiefst beunruhigt" und die Reaktion der LIA-Verantwortlichen auf den Vorfall sei "sehr enttäuschend und unbefriedigend" gewesen, wird ein FCB-Mitarbeiter zitiert. Zudem soll eine hochrangige BBDO-Mitarbeiterin die Jurysitzung vorzeitig verlassen haben, weil ihre Agentur Royers Auftritt ebenfalls missbilligt hat.

Kolle-Rebbe-Kreativchef Fabian Frese war als Mitglied der Jury "The New and Social Influencers" vor Ort. Er bestätigt, dass Royers Auftritt durchaus befremdlich gewesen sei und einige der Anwesenden danach sichtlich aufgewühlt waren. Ungeachtet der Frage, ob und was Royer sich zu Schulden hat kommen lassen, sei es bedauerlich gewesen, dass sein Auftritt über die nächsten Tage das alles beherrschende Thema gewesen sei. Und nicht die tollen kreativen Arbeiten, um die es eigentlich gehen sollte. LIA-Chefin Levy begründete Royers Auftritt laut AdAge mit den folgenden Worten: "Wir leben in einem Land, in dem Verfahren und Gesetze eingehalten werden, die einem Angeklagten das Recht einräumen, sich seinem Ankläger zu stellen. Ich bin nicht der Meinung, dass eine anonyme Social-Media-Plattform, auf die der Beschuldigte nicht reagieren kann, Anklage erheben und jemanden verurteilen darf." bu


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