Lo Breier

So würdigt Kai Diekmann die Ikone der Zeitschriftengestalter

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Lo Breier wurde gestern Abend bei der ADC Night of Honour für sein Lebenswerk geehrt
© Niels Starnick
Lo Breier wurde gestern Abend bei der ADC Night of Honour für sein Lebenswerk geehrt
Standing Ovations hab es gestern Abend für den Designer Lo Breier, der bei der ADC Night of Honour für sein Lebenswerk geehrt wurde. Von sich selbst sagt der Zeitschriftengestalter in einem Vorstellungsvideo des ADC: "Ich bin am kreativsten, wenn es eigentlich schon zu spät ist". Dieser Aussage folgt aber noch ein ganz wichtiger Zusatz: Erstens habe er dann schon alles durchdenken können und zweitens werden die Projekte dadurch aufs Wesentliche reduziert. Die Kunst der Reduktion ist das, was den Gestalter Breier ausmacht. Ein langjähriger Weggefährte von ihm kommentiert seine Arbeitsweise wie folgt: "Hinter einem typischen Lo-Entwurf, mit zwei Pinselstrichen hingeworfen, steckt gern ein komplexes System, das man erst zu schätzen lernt, wenn er lange weitergezogen ist."
Breier gilt in Deutschland als Ikone der Zeitschriftengestaltung. Mit seiner innovativen Handschrift prägte er in den 80er und 90er Jahren die Zeitgeist-Magazine Wiener und Tempo. Der heute 67-Jährige war Mitgründer von Büro X und P. Agentur für Markengestaltung, die er beide irgendwann wieder verließ, wobei er Jahre später wieder zu Büro X zurückkehrte. Zwischen 2007 und 2015 arbeitete er bei Axel Springer als Art Direktor für die Bild am Sonntag. Dazu gibt es eine nette Anekdote: Der Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hat Breier während seiner Ausbildung bei Axel Springer interviewt und schrieb damals über ihn, der sei der "Guru des neuen Layouts". Das ist mehr als 30 Jahre her und hat es bei dem jungen Diekmann offenbar bleibende Spuren hinterlassen, denn gestern hielt er nicht nur die Laudatio auf Breier, er erinnerte sich auch an diese erste Begegnung. Diekmann würdigte Breier in seiner Rede als jemanden, der den deutschen Medienmachern beibrachte, wie man Zeitungen designt: "Die Kunst ist es, Gewohnheiten zu brechen – in der Typografie, der Bildsprache, dem Design und der Struktur – und zeitgleich dem Wunsch des Lesers nach Identifikation gerecht zu werden."


Breier sei stilprägend und zeitlos modern, habe sich nie an Trends verbrannt und ganze Generationen von Grafikdesignern und Layoutern geprägt. Er strahle eine natürliche Autorität aus und kämpfe dafür, das Beste aus Idee und Job herauszuholen. Wie viele andere Weggefährten bestätigt Diekmann ihm eine ungemein ruhige Ausstrahlung. Breier verkörpere den Typus gelassener Art Director, der buddha-gleich, souverän jede noch so große Kreativtitätskrise meistert. Er habe Mut und Humor, sei engagiert und setze sich immer für den Nachwuchs ein. Von letzterem profitieren heute die Studenten der Universität Essen, wo er als Professor für Corporate Design tätig ist.
ADC Night of Honour
Lo Breier war gestern Abend nicht der einzige Preisträger bei der ADC Night of Honour im Frankfurter Palmengarten. Daneben vergab der Art Directors Club für Deutschland dieses Jahr folgende Auszeichnungen: Der Titel "Kunde des Jahres" ging an Gabriele Fischer, Mitgründerin und Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins Brand Eins. Die Fotografen Ute Mahler und Werner Mahler, Co-Gründer der Fotografenagentur Ostkreuz, wurden zu Ehrenmitgliedern gekürt. Der Willy-Fleckhaus-Preis ging an Missy Magazine. Der auf immerse Medien spezialisierte Hamburger Agentur Headraft ist Rookie Agentur des Jahres. 
Breier wurde als Sohn einer Österreicherin und eines Holländers in Wien geboren. Lodewijk heißt er eigentlich. Auch bei seinem eigenen Vornamen hat er sich auf das Wesentliche konzentriert und das komplizierte Drumherum einfach weggelassen. Eben ganz wie später in seinem Beruf, wo er nicht nur im Editorial Bereich Spuren hinterlassen hat, sondern auch als Grafikdesigner für Kunden wie ARD, Deutsche Bahn, Museumsquartier Wien, Porsche, Mercedes-Benz, Helmut Lang und Prada. Besonders stolz ist er allerdings auf drei ganz andere Arbeiten: das Plattencover für das Album "Junge Roemer" von Falco, sein Wirken für das Magazin Tempo und das Ausstellungsplakat für die Documenta 10. bu
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