Listen mit Monsanto-Kritikern

Bayer setzt Zusammenarbeit mit Fleishmann-Hillard aus

Die Bayer-Zentrale in Leverkusen
© Bayer
Die Bayer-Zentrale in Leverkusen
Der Bayer-Konzern hat eingeräumt, dass das Tochterunternehmen Monsanto vor einigen Jahren Listen mit den Namen von Kritikern geführt hat. Dabei sollen französischen Medienberichten zufolge auch die PR-Agentur Fleishman Hillard sowie Publicis eine Rolle gespielt haben. Bayer hat sich in einer Mitteilung entschuldigt und Aufklärung angekündigt.
Am vergangenen Donnerstag hatten die französischen Zeitungen Le Monde und France 2 berichtet, Monsanto habe im Jahr 2016 in Frankreich eine Liste mit 200 Namen von politischen Führern, Beamten, Journalisten, Führern von Berufsverbänden und öffentlichen Organisationen sowie Wissenschaftlern geführt. Und nicht nur das: Das Dokument beinhaltete dem Bericht zufolge auch die Meinungen der Personen zu Glyphosat, Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen.


Vermutlich passierte das, um die öffentliche Debatte über diese Themen besser im eigenen Sinne steuern zu können. "Das Strafgesetzbuch verbietet die Einrichtung einer persönlichen Datenbank, 'die die politischen und philosophischen Meinungen einer Person ohne deren Zustimmung preisgibt'", schreiben Le Monde und France 2. Die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Akte sei daher "eindeutig problematisch".

Die Akte stamme aus einem Leck der PR-Agentur Fleishman Hillard, heißt es in dem Bericht weiter. Die Omnicom-Agentur ist sowohl für Monsanto als auch für Bayer tätig. Neben Fleishman Hillard soll auch Publicis an der Erstellung der geheimen Listen beteiligt gewesen sein. Man sei im Auftrag von Fleishman Hillard tätig geworden, sagte der Chef der französischen Agentur Publicis Consultants Clément Léonarduzzi dem Handelsblatt. Fast alle Personen, die mit dem Projekt befasst waren, seien Léonarduzzi zufolge mittlerweile ausgeschieden. Fleishman Hillard erklärte laut Süddeutscher Zeitung, keine Kenntnis von rechtswidrigen Handlungen zu haben. Auch bei Bayer will man noch nicht von illegalen Vorgängen sprechen. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung heißt es: "Nach einer ersten Analyse verstehen wir, dass ein solches Projekt Bedenken und Kritik ausgelöst hat. Dies ist nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde. Wir bitten daher um Entschuldigung." Gleichzeitig erklärt das Unternehmen, dass es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass die Erstellung solcher Listen  gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen hat.


Dennoch wird Bayer eine externe Anwaltskanzlei damit beauftragen, "das von Monsanto verantwortete Projekt zu untersuchen und die erhobenen Vorwürfe zu bewerten." Die Kanzlei werde auch "allen in den Listen aufgeführten Personen Auskunft darüber geben, welche Informationen von ihnen gespeichert wurden. Selbstverständlich wird Bayer die Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft vollumfänglich unterstützen."

Bayer kündigte zudem an, "die Zusammenarbeit mit den betreffenden externen Dienstleistern vorerst auf Eis zu legen." Dies betrifft Fleishman Hillard, das mit seinen Netzwerk-Agenturen in mehreren europäischen Ländern für Monsanto tätig war - auch in Deutschland. Man habe in der Zusammenarbeit nun erst einmal "den Pausenknopf gedrückt, um keinen Anschein von Kontinuität zu erwecken", erklärt Matthias Berninger, Leiter des Bereichs Public Affairs und Nachhaltigkeit bei Bayer, auf Nachfrage. 
Er könne zudem nicht ausschließen, dass solche Listen auch in anderen Ländern existierten. Das könnte bedeuten, dass auch die Namen deutscher Monsanto-Kritiker gesammelt wurden.
„Dies ist nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde. Wir bitten daher um Entschuldigung.“
Bayer-Statement
Monsanto, das seit 2018 zum Bayer-Konzern gehört, sieht sich seit fast zwei Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, Wissenschaftler bezahlt zu haben, damit diese positiv über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat berichten. Dieses wurde zum damaligen Zeitpunkt von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

In den USA sieht sich Bayer zudem wegen Monsanto mit zahlreichen Prozessen konfrontiert. An Krebs leidende Menschen behaupten, ihre Krankheit gehe auf die Nutzung des von Monsanto hergestellten Glyphosats zurück.
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