Kein Nachfolger für Poppema

Grey will es ohne CEO versuchen

Dickjan Poppema scheidet als CEO von Grey aus. Einen direkten Nachfolger wird es nicht geben, dafür ein Führungstrio
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Dickjan Poppema scheidet als CEO von Grey aus. Einen direkten Nachfolger wird es nicht geben, dafür ein Führungstrio
Die Suche nach einem Nachfolger für CEO Dickjan Poppema lief gut ein Jahr. Aber offenbar hat sich niemand gefunden, der das Angebot annehmen wollte, die Networkagentur Grey in Deutschland zu führen. Jetzt greift die WPP-Tochter auf eine interne Lösung zurück - verzichtet dabei aber auf die Berufung eines neuen CEO. Stattdessen soll ein Führungstrio die Geschicke der Agentur lenken.
Künftig gibt es ein Managementboard mit dem neuen COO Daniel Bieber, Kreativchef Fabian Kirner und Strategiechef Kim Florio. Das bestätigt eine Agentursprecherin. Zuerst hatte W&V über die personellen Veränderungen berichtet. Alle drei arbeiten seit mehreren Jahren für Grey, Bieber wurde jedoch erst Ende September (damals noch unter seinem Geburtsnamen Sebastian) zum COO der Düsseldorfer Agentur berufen. Kirner und Florio sind schon länger in ihren aktuellen Funktionen. Bieber soll in der künftigen Führung als General Manager eine Art Primus inter pares sein. Finanzchef Dirk Lapaz gehört übrigens nicht zum Dreigestirn an der Spitze.


Wann genau der bisherige CEO Poppema sein Amt abgibt, ist noch nicht bekannt (siehe Update). Fest steht wohl nur, dass er noch bis Ende Juni 2019 als Non-Executive Chairman an Bord bleibt. Poppema hatte frühzeitig angekündigt, dass er aussteigen und nach Frankreich ziehen will. Andere Manager wie Michael Rewald (CMO), Patricia Zimmermann (CFO) haben die Agentur bereits verlassen, Digitalchef André Schieck wird folgen. Zuletzt ging auch André Paetzel, der die Consulting-Unit Grey Adventures mitaufgebaut hat, von Bord.

2018 war kein gutes Jahr für Grey. In der Bilanz fehlen mehrere große Etats, unter anderem C&A und Warsteiner. Allein das Europa-Mandat von C&A macht rund 4 Millionen Euro Income aus. 2017 erzielte die Agentur einen Honorarumsatz von 33,5 Millionen Euro. Dieses Jahr dürften es deutlich weniger sein. Details sind noch nicht bekannt. In den vergangenen Jahren hatte Grey immer Anfang Dezember seine Geschäftszahlen veröffentlicht - trotz Sarbanes-Oxley Act und entsprechender "Verbote" der Muttergesellschaft. Dass sich Grey auch dieses Jahr in die Bücher gucken lassen wird, ist unwahrscheinlich.


Unklar ist auch, wie es international mit dem Network weitergehen wird. In Europa gab es Ende September einen Wechsel auf dem CEO-Posten, der zu diesem Zeitpunkt wohl auch für die eigenen Leute überraschend kam. Der bisherige Südamerika-Chef Eduardo Maruri löste Europa-Statthalter Alain Groenendaal ab. Aktuell gibt es Spekulationen über die künftige Aufstellung des weltweiten Networks. So kursieren Gerüchte, dass Grey mit der Digitalagentur AKQA zusammengelegt werden könnte - nach dem Muster von Y&R (mit VML fusioniert) und JWT (Merger mit Wunderman). Die unklare Situation bei Grey und der Muttergesellschaft WPP hat womöglich dazu beigetragen, dass kein externer CEO gefunden wurde und man jetzt eine interne Teamlösung präsentiert. mam

Update: Inzwischen hat die Agentur erklärt, dass Dickjan Poppema ab sofort nicht mehr als CEO amtiert. Als Non-Executive Chairman bleibt er wie berichtet bis Ende Juni 2019 an Bord.
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