Innovationstag

"Jürgen Schmidhuber: "KI kann Männer ersetzen"

Alle Macht der KI: Professor Jürgen Schmidhuber auf dem Innovationstag
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Alle Macht der KI: Professor Jürgen Schmidhuber auf dem Innovationstag
Er gilt als der Vater der künstlichen Intelligenz. Auf dem Innovationstag sprach Professor Jürgen Schmidhuber (TU München) darüber, warum Frauen im Zeitalter von KI bessere Chancen haben und dass das Leben als Ameise gar nicht so schlecht ist.
Ja, für die Männer sieht die Zukunft in der Tat nicht so rosig aus. Viele Männer verfügten über eine Inselbegabung samt zugehörigem Tunnelblick. „Sie können eine Sache wirklich gut, sind aber nicht allzu breit aufgestellt. Das macht sie anfällig für Automatisierung“, sagt Schmidhuber und nennt historische Beispiele: Viele Männer waren stärker als ihre Frauen, doch Maschinen sind schon seit Jahrhunderten noch stärker als Männer. Vor 25 Jahren war der beste Schachspieler der Welt noch ein Mann, keine Frau. Seit 20 Jahren ist das aber ein Rechner, kein Mann. Männer wären daher oft leichter zu ersetzen als die oft ziemlich universellen weiblichen Problemlöser. Auch hier nennt Schmidhuber ein Beispiel: „Bindet sich ein Mann die Schuhbänder und stellen Sie ihm eine Frage, dann muss er seine Tätigkeit unterbrechen. Eine Frau beantwortet gleichzeitig die Frage, und hat noch dazu die Kinder im Blick."


Im Moment, so Schmidhubers Fazit, sei KI noch lange nicht so intelligent wie kluge Frauen. Doch das sei nur eine Frage der Zeit. Schmidhuber arbeitet an KIs, die viele Fähigkeiten zugleich haben sollen: die erste Allzweck-KI, die lernt, immer noch besser zu lernen. Der Schlüssel hierfür: Die Long Short Term Memory (LSTM) und das Deep Learning, eine Erfindung der TU München, obwohl sich Google, Facebook, Amazon und Co heute genau diese Technologie zunutze machen. Dabei werden Informationen in künstlichen neuronalen Netzen verarbeitet, die – ähnlich wie im Gehirn – in verschiedenen Hierarchiestufen angeordnet sind und so ein "tief gehendes Lernen" ermöglichen. Der Programmierer muss nicht mehr alles vorgeben, die Maschine erstellt aus riesigen Datensätzen selbstständig Konzepte und Modelle über die Welt und lernt ununterbrochen dazu, „ähnlich wie es Kinder tun“, so Schmidhuber.

Die Wiege hierfür stehe in Deutschland. Das Land sei am besten gerüstet, hier Vorreiter zu werden, glaubt  Schmidhuber, der damit seinem Vorredner Sigmar Gabriel, dem Bundesaußenminister A.D. widerspricht. Er selbst träumt seit seinem 15. Lebensjahr davon, eine sich selbst verbessernde Künstliche Intelligenz (KI) bauen, die klüger ist als er selbst, um dann in Rente zu gehen. Die mächtigen rückgekoppelten neuronalen Netze seiner Forschungsgruppen an der TU München und am Schweizer KI Labor IDSIA waren die ersten, die internationale Wettbewerbe gewannen. Sie revolutionierten Handschrifterkennung, Spracherkennung, maschinelle Übersetzung, automatische Bildbeschreibung, und viele andere wichtige Felder, und sind nun Milliarden von Nutzern zugänglich durch Google, Microsoft, IBM, Baidu, und zahlreiche weitere Firmen.


„Daran sieht man, wie rasant KI sich entwickelt“, erklärt Schmidhuber. „Mit ihrem Smartphone können Menschen heute Menge Dinge tun, die noch vor zehn Jahren Science Fiction waren. Es sei also abzusehen, dass künstliche Systeme immer mehr lernen werden. Das Berufsleben werde dadurch revolutioniert: „Ein Arzt kann beispielsweise lernen, mit den neuen KI-Werkzeugen umzugehen, und dann mehr Menschen pro Tag gut behandeln als früher.“ Doch klar, wenn Autos autonom fahren, brauche es keine Taxifahrer mehr.“

Dass KI irgendwann klüger als der Mensch ist, ist für Schmidhuber keine Frage. Als Bedrohung aber sieht er das nicht. „Dir Menschen werden nicht untergehen wegen KI. Sie werden nur nicht mehr so wichtig sein.“ Schmidhuber verweist auf die Ameisen. „Sie sind wegen der höheren Intelligenz, dem Menschen, auch nicht verschwunden, ganz im Gegenteil es gibt viel mehr Ameisen als Menschen." Und beide Arten, sieht man von gelegentlichen Übergriffen des Menschen ab, leben ja ganz gut miteinander." vg
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