Ideenklau bei Menstruationstassen-Kampagne?

Das sagt Scholz & Friends zur Entstehung von "One Girl, One Cup"

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Hat Scholz & Friends die Idee zur mutigen Kampagne geklaut? Die Agentur dementiert vehement
© The Female Company
Hat Scholz & Friends die Idee zur mutigen Kampagne geklaut? Die Agentur dementiert vehement
Mit "The Tampon Book" für The Female Company lieferte Scholz & Friends eine der meistprämierten deutschen Kreativarbeiten des vergangenen und dieses Jahres ab. Aktuell sorgt das Duo mit einer neuen Kampagne für Aufsehen: einem FSK-18-Tutorial-Video auf Pornhub, in dem eine Aktivistin erklärt, wie man eine Menstrutationstasse richtig benutzt. Doch schon nach wenigen Tagen wird der genauso clevere wie ungewöhnliche Auftritt zum Bumerang. Der Grund: Eine junge Kreative wirft Scholz & Friends auf Instagram Ideenklau vor. Die Agentur dementiert vehement - und erklärt sich ausführlich.
"One Girl One Cup" heißt die Kampagne (siehe Teaser-Video unten), die das Stuttgarter Tampon-Start-up in dieser Woche gestartet hat. Im Mittelpunkt steht ein Erklärvideo in drei Teilen, in dem die Aktivistin Lina Bembe die richtige Anwendung einer Menstruationstasse erläutert und vorführt. Warum Kunde und Agentur den expliziten Clip auf der Porno-Webseite Pornhub schalten, liegt auf der Hand: In anderen Digitalmedien und den sozialen Netzwerken würde das Video wegen der nicht jugendfreien Darstellung postwendend gesperrt werden.
So weit, so kreativ. Das Problem nur: Seit Donnerstagabend steht Scholz & Friends im Verdacht, die Idee geklaut zu haben. Wie es dazu kommen konnte: Pavlina Vlachopoulou, eine junge Kreative, hat auf ihrem Instagram-Kanal einen mehrteiligen Post veröffentlicht, in dem sie erklärt, die Idee zu "One Girl One Cup" stamme von ihr. Anhand eines E-Mail-Verkehrs mit der HR-Abteilung der Agentur und Ausschnitten einer Kampagnen-Präsentation erklärt sie, sie habe im Zuge ihrer Bewerbung bei Scholz & Friends Berlin eine Kampagnen-Idee für die Menstruationstasse von The Female Company entwickeln sollen. Tatsächlich zeigt sich an den veröffentlichten Bildern: Die Idee von Vlachopoulou stimmt beinahe eins zu eins mit der in dieser Woche gestarteten Kampagne überein. Zur Geschichte gehört aber eben auch: Obwohl den Agenturverantwortlichen die Arbeit von Vlachopoulou gefallen hat, wurde sie nie eingestellt. Schmückt sich Scholz & Friends, aktuell eine der erfolgreichsten deutschen Kreativagenturen, also mit den fremden Federn einer jungen Kreativen? Die Agentur dementiert vehement und ausführlich. "Die Plagiatsvorwürfe gegen die aktuelle Kampagne von The Female Company haben uns alle überrascht und wir haben sie möglichst schnell geprüft. Nachdem wir mit allen Beteiligten gesprochen haben, können wir festhalten: Es wurde keine Idee geklaut", so eine Sprecherin von Scholz & Friends in einem Statement, das HORIZONT Online vorliegt. Auch der Vorwurf, Scholz & Friends hätte die Idee einer Bewerberin unzulässig verwendet, treffe nicht zu.


Des Weiteren erklärt die Sprecherin, wie es zu dem "mehr als unglücklichen Zufall" kommen konnte: "Im Rahmen einer Testaufgabe haben im Januar zwei Kreative im Bewerbungsprozess für Scholz & Friends auf demselben Briefing gearbeitet. Aufgabe des Briefings war es, eine "provokante PR und Media-Idee" für die Bewerbung von Menstruationstassen zu entwickeln. Beide kamen auf Grundlage des Briefings zu einer beinahe identischen Idee.  Die erste Bewerberin mit der Idee "One Girl, One Cup" wurde von Scholz & Friends eingestellt und hat die Kampagne für The Female Company realisiert. Martina arbeitet heute als Junior Copywriter bei uns. Der zweiten, ebenfalls sehr guten Bewerberin Pavlina mit der ähnlichen Idee "All Girls, One Cup" konnte leider kein Angebot für eine Anstellung gemacht werden."
„Es handelt sich hier um den Fall einer kreativen Doppelschöpfung auf Basis eines identischen Briefings. Es war von keiner Seite böse Absicht im Spiel, sondern der Zufall.“
Statement von Scholz & Friends
Zum zeitlichen Ablauf teilt Scholz & Friends mit , dass die Testaufgabe der mittlerweile eingestellten Bewerberin am 22. Januar 2020 bei der Agentur eintraf, jenes von Vlachopoulou genau eine Woche später, am 29. Januar. "
Es handelt sich hier also um den Fall einer kreativen Doppelschöpfung auf Basis eines identischen Briefings. Es war von keiner Seite böse Absicht im Spiel, sondern der Zufall", heißt es im Statement der Agentur weiter.

Trotz oder gerade wegen des extrem unglücklichen Zufalls gesteht Scholz & Friends aber auch einen Fehler ein: "
Wir bedauern sehr, dass durch diesen Zufall bei Pavlina ein falscher Eindruck entstehen konnte. Auch, weil wir dieses Missverständnis hätten verhindern können, wenn wir Pavlina vor Veröffentlichung noch einmal über die Doppelschöpfung informiert hätten." Zudem bietet die Agentur Vlachopoulou an, sie künftig in den Credits der Kampagne aufzunehmen. Gleichzeitig wünschen sich die Verantwortlichen von Scholz & Friends ein klärendes Gespräch mit der Jungkreativen. Auf eine Anfrage von HORIZONT Online hat Vlachopoulou bislang nicht reagiert. tt
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