HORIZONT fragt

Susanne Busshart, Geschäftsführerin Rosa & Leo

Susanne Busshart führt Rosa & Leo
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Susanne Busshart führt Rosa & Leo
Kann man jungen Menschen guten Gewissens raten, in die Kommunikationsbranche zu gehen? Wie bleiben Sie kreativ? Wie würden Sie Ihrer Mutter Ihren Job beschreiben? Bei "HORIZONT fragt" geht es um Themen, die in klassischen Interviews oft zu kurz kommen. In dieser Folge antwortet Susanne Busshart, Geschäftsführerin bei der kürzlich gegründeten FAZ-Digitalagentur Rosa & Leo. 
Wie würden Sie Ihrer Mutter Ihren Job beschreiben? Ich habe einen ganz wunderbaren Job, bei dem ich den ganzen Tag mit Menschen zu tun habe, die meine Unterstützung benötigen. Ich helfe Firmen dabei, Digitalisierung besser zu verstehen, neue Wege zu finden und sie für sich zu nutzen. Ich unterstütze dabei vor allem die Menschen in Unternehmen, sorge dafür, dass sie inspirierende Räume haben und für sich die Motivation gewinnen, mit ihrer Arbeit einen guten Beitrag zu leisten. Das ist jeden Tag neu, jeden Tag spannend und erfordert ganz viel Kreativität und Empathie.


Welchen Stellenwert haben Werbung und Marketing im digitalen Zeitalter? Ich glaube nicht, dass der Stellenwert sich verändert hat. Ich finde es spannend zu sehen, wie sich Werbung und Marketing selbst verändern, mit immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen zurechtkommen müssen, aber auch ganz neue Formen und Kanäle hervorbringen.

Kann man jungen Menschen noch guten Gewissens raten, in die Kommunikationsbranche zu gehen? Aber sicher, es gab doch nie eine spannendere Zeit, oder? Es gibt heute so viele Wege, sich zu verwirklichen. Ich glaube, wenn man etwas gerne tut, wird man es gut machen, sich immer weiter entwickeln, erfolgreich und glücklich sein.


„Leider glauben viele Menschen immer noch, dass digitale Transformation nur das Digitalisieren von Prozessen bedeutet. “
Susanne Busshart
Was war für Sie die außergewöhnlichste Kommunikationsmaßnahme/Kampagne in diesem Jahr? Die LinkedIn-Kampagne „The Interview“ fand ich richtig schön – mit Gänsehautgefühl. Das ist für mich immer der Indikator, dass sie ankommt.

Was war für Sie die enttäuschendste Kommunikationsmaßnahme/Kampagne in diesem Jahr? Ich möchte da niemanden schlecht machen. Mir fällt nur ein, dass über die Metro-Kampagne #TakeTheExit sehr negativ berichtet wurde.

Was ist die größte Herausforderung bei der viel diskutierten „digitalen Transformation“? Leider glauben viele Menschen immer noch, dass digitale Transformation nur das Digitalisieren von Prozessen bedeutet. Meiner Meinung nach vergisst man meistens den Menschen, der doch im Zentrum stehen sollte. Für mich kann Digitalisierung ohne das richtige Mindset nicht funktionieren. Daher sollte man daran zuerst arbeiten.

Fallen Ihnen Benchmarks aus Deutschland ein, wenn es um digitale Transformation geht? Ich finde, es werden überall kleine Aktivitäten initiiert, aber die großen Schritte fehlen. Ich bin der Meinung, dass das daran liegt, dass wir uns nur um technische Innovation und viel zu wenig um Kultur kümmern. Bosch entwickelt sich zum Beispiel vom Zulieferer zum IT-Konzern und viele Automobilkonzerne experimentieren fleißig mit Zukunftstechnologien. Aber was man zu digitaler Transformation liest, vereint noch viel zu selten Mensch und Digitalisierung.

Verliert das Label „Made in Germany“ (Perfektion, Präzision, Fleiß, Zuverlässigkeit) gegenüber den Grundwerten der Internet-Ökonomie (Schnelligkeit, Experimentierfreude, Gründermentalität, Vision) an Zugkraft? Es wäre wirklich schön, wenn wir diese Verbindung herstellen könnten. Made in Germany, mit allen damit verbundenen positiven Assoziationen, sollten wir zusammenbringen mit Unternehmergeist, mit guten Ideen und der entsprechenden Geschwindigkeit. Hier können wir vor allem Leute mit Mut motivieren und endlich damit anfangen, das halb volle Glas zu sehen anstatt das halb leere.

Wie informieren Sie sich über Politik, Wirtschaft und Marketing? Online, Podcasts, Hörbücher, F.A.Z.

Welches Buch/Film/Musik haben Sie zuletzt gelesen/gesehen/gehört? Ich lese immer mehrere Bücher parallel: zu New Work und Digitalisierung, sowohl in gedruckter Form als auch als Hörbuch. Was mich aber in letzter Zeit am meisten beeindruckt hat, ist „Hit Refresh“ von Microsoft-CEO Satya Nadella.

Wie bleiben Sie kreativ? Die Frage stellt sich mir gar nicht, da ich allein aufgrund meines Berufs jeden Tag neue Methoden ausprobieren, kreative Ideen entwickeln und auch mal Fehler machen darf. Ich habe eher zu viele Ideen und dafür zu wenige Stunden am Tag.
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