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Die ADC Rookie Agentur zählt zu den ersten Adressen in Sachen VR, AR und Mixed Reality

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Julian Weiss (l.) und Fabian Fricke haben Headraft vor vier Jahren gegründet
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Julian Weiss (l.) und Fabian Fricke haben Headraft vor vier Jahren gegründet
Sie bezeichnen sich selbst als "eine Stufe mehr Zukunft als eine reguläre Digitalagentur" und fahren mit dieser Positionierung bisher ziemlich gut. Headraft wird diese Woche vom Art Directors Club zur Rookie Agentur gekürt und sie hat sich diesen Preis nicht nur deshalb verdient, weil sie jung ist und beim letzten ADC-Wettbewerb mehrere Nägel gewonnen hat, sondern vor allem, weil sie sehr erfolgreich in einer Nische unterwegs ist: immersive Medien.
Drei bronzene ADC-Nägel gab es allein für die Realisierung der Augmented-Reality-App zu dem Song "Tunnel" für die Die Fantastischen Vier. Dazu kommen vier weitere Bronze-Nägel für die Lufthansa-AR-Kampagne "Walk-in Ads" von Kolle Rebbe, bei der Headraft als Produktionspartner aufgeführt ist. In dieser Konstellation verstehen sich die Gründer Julian Weiss und Fabian Fricke keineswegs als reiner Dienstleister für die technische Umsetzung. "Das wäre uns viel zu wenig", betont Weiss. "Dafür sind uns die Narration und User Experience viel zu wichtig. Wir fügen der realen Welt eine virtuelle räumliche Ebene hinzu, anstatt quadratische Formate zu füllen. Erfolgreiche Kommunikation im immersiven Bereich ist natürlich komplex und braucht spezialisierte Beratung, Design und technologische Fachkenntnis – und ziemlich genau das machen wir. Direkt mit dem Kunden oder in Zusammenarbeit mit anderen Agenturen."

Mit Kolle Rebbe verbindet Headraft noch einiges mehr als die "Walk-in Ads" und weitere gemeinsame Projekte für Lufthansa und Kaldewei. Das Team ist auch räumlich ganz in der Nähe angesiedelt: Die acht fest angestellten Mitarbeiter residieren im Wasserschloss von Kolle Rebbe in der Hamburger Dienerreihe. Fabian Frese, Kreativgeschäftsführer von Kolle Rebbe, hat schon früh das Potenzial der ambitionierten Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg erkannt. Bei einem VR-Showcase, den Headraft mit der Produktionsfirma Element E veranstaltet hat, kam er mit den Gründern ins Gespräch und bot ihnen kurz danach die gerade frei gewordenen Räume im Wasserschloss an.

"Das Tolle an Jules und Fabian ist ihre kindliche Begeisterung und ihr Wille, alles, was sie machen, wirklich außergewöhnlich zu machen. Deshalb ärgere ich mich auch maßlos über den Ehrentitel vom ADC, weil jetzt plötzlich alle Headraft auf dem Schirm haben", erzählt Frese nicht ohne ein Augenzwinkern. Fakt ist nämlich: Schon vor dem ADC-Ehrentitel sind auch andere Agenturen auf die 2016 gegründete Agentur aufmerksam geworden. Mit Überground, DDB und Jung von Matt kooperiert Headraft ebenso wie mit Facebook und Snapchat. "Neben den großen Agenturen besonders in Hamburg machen wir auch viel mit kleineren Agenturen und Studios in ganz Deutschland", erläutert Weiss. "Und gerne streuen wir dabei auch Social beziehungsweise Pro-Bono Cases ein. Als Partner von Snap und Facebook sehen wir hier natürlich auch viel Traffic. Richtig Laune machen auch Projekte für außergewöhnliche PoS- und Messe-Erfahrungen, wo wir unsere immersiven AR-Muskeln spielen lassen können."

ADC Night of Honour
Headraft ist als ADC Rookie Agentur nicht die einzige Preisträgerin bei der ADC Night of Honour in Frankfurt. Daneben vergibt der Art Directors Club für Deutschland dieses Jahr folgende Auszeichnungen: Der Titel "Kunde des Jahres" geht an Gabriele Fischer, Mitgründerin und Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins Brand Eins. Die Fotografen Ute Mahler und Werner Mahler, Co-Gründer der Fotografenagentur Ostkreuz, werden zu Ehrenmitgliedern gekürt. Der Willy-Fleckhaus-Preis geht an Missy Magazine. Der Grafikdesigner Lo Breier, der als Ikone der Zeitschriftengestalter gilt, erhält den Preis für sein Lebenswerk. Mehr über ihn und die anderen Preisträger lesen Sie ab morgen bei HORIZONT Online.
Dazu einige Beispiele: Zusammen mit Überground hat Headraft eine Snapchat-Linse für Viva Con Agua entwickelt, die darauf hinweist, dass sauberes Trinkwasser nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist. Im PoS-Bereich arbeitet das Team mit dem Flughafenhändler Gebr. Heinemann zusammen und entwickelt hier schnell einsatzfähige AR-Aktionen für die Verkaufsfläche. Brandaktuell kooperiert das Team mit German Wahnsinn. Hier entsteht für die SXSW, die am 13. März in Austin startet, ein AR-Hörbuch für "Reckless" von Cornelia Funke. "Das Ganze basiert auf Bose AR-Sonnenbrillen. Ein spannendes binaurales und zur Abwechslung wenig visuell geprägtes AR Projekt", sagt Weiss. Daneben werde Headraft ein großes Neu- beziehungsweise Umbauprojekt in der Hansestadt mitgestalten. Worum es genau geht, will er noch nicht verraten. Nur so viel: "Das wird spannend, denn es erlaubt uns, die Technologie auf mehreren Ebenen breit einzusetzen. Hier können wir hervorragend dazu beitragen, Menschen mit neuesten Technologien umfassend und individuell zu informieren – sehr wahrscheinlich besser als bei manch anderem Bauprojekt in der Bundesrepublik."

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Weiss und Fricke haben nie in klassischen Werbe- oder Digitalagenturen gearbeitet. Schon kurz nach der Schule beziehungsweise während des Studiums haben sie als selbstständige VFX-Artists gejobbt und "3D-Modelle für einen Hungerlohn" produziert. Diese mageren Anfangsjahre haben die beiden nicht davon abgehalten, sich in das Abenteuer Unternehmertum zu stürzen. Der richtig große Durchbruch kam schließlich vor zwei Jahren mit der eingangs erwähnten Fanta-4-App, mit deren Hilfe das Musikvideo zu "Tunnel" für die Zuschauer zu einem immersiven AR-Erlebnis wird. "Vor einigen Jahren war es noch eine recht mutige wirtschaftliche Entscheidung, voll auf Immersion zu setzen", erinnert sich Weiss. "Wir haben früh einen Trend erkannt und darauf gesetzt. Mittlerweile hat sich Immersion in allen Facetten bereits einen Platz im Medienmix erkämpft und durchgesetzt. Wir bedienen quasi eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung – und in diesem Bereich sind wir scheinbar ziemlich gut und darauf sind wir auch stolz." bu
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