Future Females

Wie weibliche Top-Kreative die ADC-Initiative als Karrierebooster genutzt haben

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Interessierte Kreative können sich noch bis zum 20. Juni für das Future Females Programm des ADC bewerben
© ADC / Artwork: Esra Gülmen
Interessierte Kreative können sich noch bis zum 20. Juni für das Future Females Programm des ADC bewerben
Diese Woche geht das Empowerment-Programm ADC Future Females in die zweite Runde. Aber was genau bringt diese Initiative des Art Directors Club eigentlich? Alessia Coschignano von Serviceplan, Annika Manick von Jung von Matt/Sports und Isabell Niederwestberg von Heimat waren letztes Jahr mit dabei. Sie berichten, welche Auswirkungen der Workshop auf ihre Karriere hatte und was sie den diesjährigen Kandidatinnen mit auf den Weg geben wollen. Vorab sei verraten: Für alle drei Kreative ging es auf der Karriereleiter nach oben. Eine von ihnen hat sogar im Juni einen Grand Prix bei den Cannes Lions gewonnen.

ADC-Präsidentin Dörte Spengler-Ahrens und Snap-Managerin Hannah Johnson sind beim ADC für die Future Females verantwortlich. Ihr Ziel: Sie wollen kreative High Potentials darin bestärken, den nächsten Schritt ihrer Karriere zu machen. "Mit Future Females hat der ADC 2021 ein neues und in der Kreativbranche längst überfälliges Format geboren", sagt Spengler-Ahrens. Es handele sich um ein Format, "das in seiner Intensität aber auch Praktikabilität einen echten Mehrwert für unsere Teilnehmerinnen schafft – mit handfesten Tipps und echter Lebenshilfe, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse und die Realität da draußen."


Besonders wichtig sei es dem ADC, einen geschützen Raum zu schaffen, für den intensiven, schonungslosen, persönlichen Austausch. "Und es geht um noch mehr", ergänzt die ADC-Präsidentin. "Female Empowerment durch Female Power. Der erste Jahrgang der Future Females gibt uns recht: Es funktioniert! Wir als ADC haben also das klare Ziel, weiter zu machen, möglichst viele Frauen zu fördern und sind neugierig, wer dieses Mal dabei ist."

26 Kandidatinnen haben sich dieses Jahr für das Programm qualifiziert. Über sie wird HORIZONT in den kommenden Wochen noch ausführlicher berichten. Über die Teilnehmerinnen aus dem vergangenen Jahr sagt Johnson: "Es ist unglaublich, nach einem Jahr zu sehen, wo die Teilnehmerinnen des ersten Jahrgangs stehen, wie ihre Karrieren sich entwickeln. Es gab Beförderungen, beeindruckende neue Jobs, Umzüge ins Ausland und in die Hotspots der Kreativität und unzählige Auszeichnungen für einige der bahnbrechendsten Arbeiten in Deutschland."

Von den Teilnehmerinnen des vergangenen Jahres gab es insgesamt viel Lob fürs Programm, aber auch durchaus einen Kritikpunkt: Es war zu abrupt vorbei. Eine Fortführung in Form eines regelmäßigen nachträglichen Austauschs oder zumindest ein einmaliges "Klassentreffen" wäre wünschenswert gewesen. In Sachen Networking ist also durchaus noch Luft nach oben. Was Alessia Coschignano, Annika Manick und Isabell Niederwestberg darüber hinaus gesagt haben, lesen Sie hier:

Alessia Coschignano, Creative Director Serviceplan Group

Alessia Coschignano, Serviceplan
© Alessia Coschignano
Alessia Coschignano, Serviceplan
Haben dich die Future Females darin bestärkt, deine beruflichen Ziele zu verwirklichen? Absolut. Ich denke auch ein Jahr später in meinem Alltag noch oft an die Worte der hochqualifizierten Speakerinnen und wertvollen Tipps, die ich beim Future Females Seminar mitgenommen habe. Aber das Programm hat mich vor allem auch persönlich gestärkt: Der Austausch von Erfahrungen und Sichtweisen der anderen Teilnehmerinnen, die an ähnlichen Punkten ihrer Karriere stehen, haben mich nachhaltig inspiriert und auch Stück selbstbewusster gemacht.

Was hat sich seitdem beruflich bei dir getan? Mein letztes Jahr war absolut verrückt! Relativ schnell nach meiner Teilnahme beim Future Females Programm wurde ich im November 2021 im ADC aufgenommen und zeitgleich ist unsere Weihnachtskampagne für Penny live gegangen. Dann kam alles Schlag auf Schlag: Eine unglaubliche Resonanz auf unseren Film "Der Wunsch", die Beförderung zur Kreativdirektorin und dann der Start der Award Saison. Ich durfte zum ersten Mal nach New York zur One-Show-Preisverleihung und die Krönung kam dann im Juni: ein Grand Prix in Cannes. Es war eine sehr intensive Zeit mit vielen Momenten, die ich wohl nie vergessen werde.

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Was würdest du den diesjährigen Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben? Während des Seminars lernt man viele tolle Kreative kennen und tauscht sich intensiv aus. Aber ich würde allen Teilnehmerinnen empfehlen, auch darüber hinaus in Kontakt zu bleiben. Future Females schafft ein tolles Netzwerk an kreativen und inspirierenden Frauen, was wir, glaube ich, gut gebrauchen können.

Annika Manick, Senior Creative Social & Influencer Jung von Matt/Sports

Annika Manick, Jung von Matt/Sports
© Annika Manick
Annika Manick, Jung von Matt/Sports
Haben dich die Future Females darin bestärkt, deine beruflichen Ziele zu verwirklichen? Definitiv. Vorher war ich sehr unsicher, habe mich auch gefragt, ob ich in diesen “elitären” Kreis überhaupt reingehöre und bin sehr unter dem Radar geflogen („Imposter“ lässt grüßen). Das ADC Future Female Programm hat mich sehr bestärkt darin, dass wir eigentlich alle einen Platz an der Tafel haben und wir am Ende des Tages nur an uns selber glauben müssen. Auch die Erkenntnis, dass ich gut bin. Sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Ich muss mich also nicht verstecken. Vielmehr sollten die Girls rausgehen, an sich selber glauben und sich den Teil vom Kuchen holen, der ihnen zusteht. Das kann ein Titel sein, ein  Projekt, oder auch eben mehr Gehalt. YOU DESERVE THIS GIRL!

Was hat sich seitdem beruflich bei dir getan? Beruflich hat es mich eigentlich darin bestärkt, dass ich weiß, was ich erreichen möchte und dass ich es auch kann. Es hat mir einen kleinen Werkzeugkasten an Softskills zur Seite gestellt, die ich vielleicht kannte, aber mich nie getraut habe zu verwenden. Zudem habe ich auch meinen Senior in der Zwischenzeit erhalten, bin sichtbarer geworden in der ADC- und Marketing-Bubble, gebe Seminare und Talks, bin seit vergangenen Dezember Teil des ADC. Ich habe mich auch bei Jung von Matt für das Female Mentoring Programm eingeschrieben und wurde angenommen und habe auch intern nun eine Mentorin, die mich und meinen beruflichen Weg  bei JvM weiter begleitet und mich an Ihren Erfahrungen, Hürden und Learnings teilhaben lässt. Und last but not least bin ich hoffentlich für die BIPoCs* in der Marketingwelt ein Vorbild und eine Motivation. Next Goal: Definitiv (Creative) Director. (*BIPoC = Black, Indigenous and People of Color)

Was hat dir die Veranstaltung persönlich gebracht? Ich habe wundervolle, inspirierende Ladies kennengelernt, die alle eine ähnliche Vision und Ziele in Ihrem Leben haben. Mit den einen habe ich mehr zu tun, mit den anderen weniger. Aber die Tatsache, in einem Raum zu sein, voneinander zu lernen, das hat mir sehr viel gebracht. Eines meiner absoluten Lieblingszitate kommt von Tim Sanders und lautet schlicht und ergreifend: Your Network is your networth. Es geht nicht darum, sich random mit jedem zu connecten, sondern mit Leuten, mit denen man einen Vibe hat oder eine ähnliche Basis, mit Leuten, welche die gleichen Erfahrungen gesammelt haben und diese mit uns teilen können. Und uns Ratschläge mit auf den Weg geben können, oder einfach Ally-ship darstellen. Und genau das ist als Erstes passiert.

Was würdest du den diesjährigen Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben wollen? Wichtig ist, dass das Meiste schon in Ihnen schlummert und sie zu den Top-High-Potentials der Szene gehören. Das sollte Ihnen schon bewusst sein. Die Panels und Workshops sind super, scheut Euch nicht, Eure Fragen zu stellen und voneinander zu lernen. Connectet Euch!

Ob ADC Future Females, Ad Girls Club oder die Projekte von GWA, Marketingverband & Co: Gerade in den vergangenen zwei Jahren sind einige Initiativen zum Thema Frauenförderung entstanden. Wie wichtig sind solche Projekte weiterhin? Die Projekte werden nicht an Relevanz verlieren, sondern weiterhin mehr und mehr an Relevanz gewinnen. Sie sind wichtig, um safer Spaces zu bilden, wo man sich untereinander austauschen, motivieren und weiterentwickeln kann. Es ist so unglaublich wichtig zu wissen, dass man nicht alleine ist und noch wichtiger ist es, einen zentralen Punkt haben, um sich zu treffen und eben einfach nur zu wissen, dass man diese schönen und unschönen Erfahrungen nicht alleine macht, sondern dass es viel mehr da draußen gibt und dass man eben voneinander lernen kann.

In welche Themen müsste noch viel mehr Energie gesteckt werden? Alle Dimensionen, die unter Diversität und Inklusion fallen verdienen diese Energie, egal ob: LGBQT+, BIPoCs, Alter, aber auch Behinderung & Co. Wir können nur eine inklusive Gesellschaft sein, wenn wir bereit sind Safer Spaces zu bauen und in den Räumen zuzuhören und zu lernen. Ein schönes Zitat dazu lautet: "Diversity is being invited to the party; inclusion is being asked to dance."

Isabell Niederwestberg, Creative Director Heimat Werbeagentur

Isabell Niederwestberg, Heimat
© Isabell Niederwestberg
Isabell Niederwestberg, Heimat
Du warst eine der ersten Teilnehmerinnen der ADC Future Females. Was hat dir diese Veranstaltung persönlich und beruflich gebracht? Persönlich hat es mir einen großen Boost verschafft. Ich habe Inspiration, Selbstbewusstsein und neue Verbindungen aus Hamburg mit nach Berlin genommen. Beruflich hat es mir vor allem Ruhe und Sicherheit gegeben. Erfolgreiche Frauen kennenzulernen und zu erfahren, wie sie den Weg gegangen sind, den man selbst noch vor sich hat, hilft einfach.

Hat dich das Programm darin bestärkt, deine beruflichen Ziele zu verwirklichen? Nicht direkt bestärkt, der Wille war davor genau so groß wie danach. Aber es hat mir Wege aufgezeigt und sehr gute Tools an die Hand gegeben, wie ich schwierige Situationen erkenne, mit ihnen umgehe oder sie löse.

„Wirklich da sind wir erst, wenn die Hälfte der Gesellschaft nicht mehr die Minderheit in Führungspositionen ist.“
Isabell Niederwestberg, Heimat
Was hat sich seitdem beruflich bei dir getan? Ich wurde einen Monat nach dem Event zum Creative Director befördert. Das hab ich vor allem meiner Leistung zu verdanken. Aber das Event hat bestimmt nicht geschadet.

Was würdest du den diesjährigen Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben? Das ist die Chance, großen Köpfen der Branche Fragen zu stellen. Nutzt sie. Bringt so viele Fragen, wie ihr könnt.

Ob ADC Future Females, Ad Girls Club oder die Projekte von GWA, Marketingverband & Co: Gerade in den vergangenen zwei Jahren sind einige Initiativen zum Thema Frauenförderung entstanden. Wie wichtig sind solche Projekte weiterhin? Sehr wichtig. Wir sind schon auf einem guten Weg durch die Initiativen und Programme wie ADC Future Females. Und natürlich auch "Verbündete" für Männer in allen Positionen, die die Probleme sehen und auf Seite der Frauen stehen. Aber wirklich "da" sind wir erst, wenn die Hälfte der Gesellschaft nicht mehr die Minderheit in Führungspositionen ist. Und dafür sind Programme, Initiativen und noch mehr Verbündete aktuell weiterhin essenziell.

In welche Themen müsste noch viel mehr Energie gesteckt werden? Es gibt drei Themen, die für mich auf der Agenda stehen: Zum einen ist das die Buddy-Kultur, wenn es zu Beförderungen oder Einstellungen kommt. Denn die ist auch ein Grund, warum weniger Frauen nach oben kommen. Zum anderen der Gender Pay Gap. Da ist die Medienbranche laut Statistiken noch Vorreiter. Und drittens sollten wir daran arbeiten, dass Frauen nicht immer automatisch bei "weiblichen" Kunden landen, weil das "ihr Thema" ist. bu

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