Equal Play

Jung von Matt/Sports startet Initiative für mehr Gleichberechtigung in der Sportbranche

Equal Play soll für mehr Gleichberechtigung im Sportmanagement sorgen
© Jung von Matt/Sports
Equal Play soll für mehr Gleichberechtigung im Sportmanagement sorgen
Die Führungsriegen in der deutschen Sportbranche sind nach wie vor männlich dominiert. Warum ist das so? Dieser Frage widmen sich Jung von Matt/Sports und Odgers Berndtson nun in einer Studie, die auch den Auftakt zu einer neuen Initiative der Hamburger Sportmarketing-Agentur bildet: Equal Play.
Mit der Initiative will Jung von Matt/Sports eigenen Angaben zufolge eine Plattform etablieren, "die Frauen im Sportgeschäft das Netzwerken ermöglicht, Aufmerksamkeit für ihre Themen schafft und fortan aktuelle Entwicklungen beleuchtet." Dass es dafür reichlich Bedarf zu geben scheint, soll die Studie "Equal Play - Frauenkarrieren in der Sportbranche" belegen.


Anlass war die Feststellung, dass im deutschen Sport die hauptberuflichen Führungspositionen mit Entscheidungsbefugnis nur zu 20,2 Prozent von Frauen besetzt werden, obwohl laut Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB), der mit Veronika Rücker übrigens von einer Frau geleitet wird, mehr als die Hälfte des beruflichen Personals weiblich sind. "Es scheint einen deutlichen Bruch auf dem Karriereweg von Frauen zu geben, wenn es darum geht, den Sprung in die Führungsriege zu schaffen", teilen Jung von Matt/Sports und Odgers Berndtson mit.

In der Studie haben die Agentur und die Personalberatung deswegen durch Experteninterviews und in einer Online-Umfrage Karrierewege von Frauen analysiert, die derzeit in verschiedenen Führungspositionen in Vereinen oder Verbänden tätig sind. Das Ziel: Herauszufinden, wie der Karriereweg der Teilnehmerinnen aussah und auf welche Herausforderungen Frauen stoßen, wenn sie im Sport Karriere machen wollen. Die Erkenntnisse aus der Studie haben die Autoren in sechs Thesen überführt:

1. Frauen bieten einen bedeutenden Mehrwert für die Sportbranche

Studien haben gezeigt, dass Unternehmen, deren Managementebene einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent hat, auch einen höheren Reingewinn erzielen. Auch positive Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und Transformationserfolge gelten als nachgewiesen. Bleibt es bei dem geringen Frauenanteil in den Chefetagen der deutschen Sportbranche, verschenke diese viel Potenzial, so das Urteil der Studienautoren.

2. Frauen sind in Führungspositionen in der Sportbranche drastisch unterrepräsentiert

Wie oben bereits aufgezeigt, wird die Branche derzeit von männlichen Entscheidern geprägt. Um diese Situation zu verbessern, braucht es Entscheidungsträger, die aus Überzeugung Veränderung initiieren.

3. Frauen wird der Zugang zu Führungspositionen in der Sportbranche erschwert

In der Studie gaben nur 13 Prozent der Befragten an, dass es kommunizierte Pläne in ihrem Unternehmen gibt, das bestehende Ungleichgewicht in den Führungsetagen abzustellen. Vorbild könnte der DOSB sein, der sich selbst eine 30-Prozent-Quotenregelung für Frauen in Gremien und Führungspositionen gegeben hat.
„Der Sport lebt grundsätzlich von Vielfalt und Buntheit. Leider zeigt sich das noch nicht in den Führungsetagen der Branche.“
Katja Kraus, Jung von Matt/Sports

4. Fehlende Kompetenzvermutung schließt Frauen für Führungspositionen im Ressort Sport oftmals von vornherein aus

In der Studie werde deutlich, "dass insbesondere in sportnahen Bereichen eine erhebliche Skepsis gegenüber Frauen in Entscheidungspositionen besteht, die häufig mit mangelnder fachlicher Autorität von Frauen begründet wird", teilen die Autoren mit. Deswegen gelte es, "tradierte Glaubenssätze infrage zu stellen und sich mit gesellschaftlichen Veränderungen offen auseinanderzusetzen".

5. Männerdominanz erschwert Zugang zu etablierten Netzwerken

Der Begriff "Männerclub" trifft auf die Führungsebenen im Sport offenbar tatsächlich zu. Weibliche Führungskräfte bräuchten daher mehr Möglichkeiten zur Vernetzung untereinander. Und Unternehmen müssten professionellere Recruitingprozesse etablieren sowie in die Langzeitplanung mit weiblichen (Nachwuchs-)Führungskräften gehen, um etwa die Rückkehr nach einer Elternzeit zu regeln.

6. Die vorherrschenden Arbeitsbedingungen erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Was New Work und strategische HR-Arbeit angehe, erweise sich die Sportbranche den Autoren zufolge als extrem rückschrittlich. Dabei könnte gerade der Sport mit seinen hohen Anforderungen an Menschen mit Familie - Wochenendarbeit, unregelmäßige Arbeitszeiten und internationale Verpflichtungen - solche Modelle gut gebrauchen. Dies würde jedoch, so heben es die Studienautoren hervor, allen Geschlechtern zugute kommen. "Der Sport lebt grundsätzlich von Vielfalt und Buntheit. Leider zeigt sich das noch nicht in den Führungsetagen der Branche. Es gibt zu wenige Frauen an der Spitze von Verbänden und Vereinen, dabei ist der ökonomische und kulturelle Gewinn durch Diversität längst nachgewiesen", sagt Katja Kraus. Die Gründungsgeschäftsführerin von Jung von Matt/Sports kann selbst ein Lied davon singen: Sie gehört zu den wenigen weiblichen Top-Kräften der Branche, war unter anderem zweite Vorsitzende des Hamburger SV und sitzt im Aufsichtsrat von Adidas. "Für die Sportbranche braucht es Verantwortungsträger und Vorbilder, die einen Wandel anstoßen. Unsere Initiative Equal Play soll ihren Beitrag dazu leisten", so Kraus.


"Wir müssen die Attraktivität von Spitzenjobs im Sport-Business für Frauen steigern", ergänzt Ewald Manz, Partner bei Odgers Berndtson: "Aus der Studie geht hervor, dass Frauen nicht nur bereichernd für die Branche sind, sondern auch Führungsverantwortung übernehmen möchten. Da es nach wie vor leider noch Hindernisse gibt, wird es daher wichtig sein, dass die Arbeitgeber sich diesem Thema weiter annehmen und die Voraussetzungen schaffen, um diverse Persönlichkeiten zu gewinnen, die in ihrer Gesamtheit einen Mehrwert für den Unternehmenserfolg leisten." ire
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