Ehrgeizige Expansionspläne

Wie die Wiener Dialogschmiede in Deutschland bis zu 300 Mitarbeiter groß werden will

Treiben die DACH-Expansion der Dialogschmiede gemeinsam voran: Oliver Vogel, Jürgen Polterauer und Lars Winterstein (v.l.)
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Treiben die DACH-Expansion der Dialogschmiede gemeinsam voran: Oliver Vogel, Jürgen Polterauer und Lars Winterstein (v.l.)
Die Wiener Dialogschmiede expandiert in die DACH-Region und will vor allem in Deutschland durchstarten. Das klingt zunächst wenig spektakulär, ist die Agentur doch hierzulande kaum bekannt. Ein Blick auf die Erfolgshistorie und die Vitae der handelnden Personen verspricht jedoch eine spannende Konstellation mit Zukunftspotenzial in einem Geschäftsfeld, in das aktuell kräftig investiert wird.

Bei dem Trio, das den deutschen Markt im Bereich Marketing-Automatisation aufmischen will, handelt es sich um gestandene Kommunikationsmanager, die unter anderem bei Wunderman, Ogilvy One, DDB und Serviceplan sowie auf Kundenseite bei Stada und der Telekom in führenden Positionen tätig waren. Die Dialogschmiede ist bereits seit 2018 in Deutschland aktiv, geht aber erst jetzt damit an die Öffentlichkeit. Deshalb war bislang auch nicht bekannt, wer die Niederlassung führt: Lars Winterstein.



Der 47-Jährige war zuletzt Partner bei der Unternehmensberatung Junokai. Weitere Stationen: Bei DDB baute er eine Exklusivagentur für die Deutsche Telekom auf, er leitete die Marketing-Kommunikation bei Stada und war als Geschäftsführer bei Wunderman tätig. Ihm zur Seite steht der Chef der Wiener Dialogschmiede Oliver Vogel, der das Agenturgeschäft in der DACH-Region steuert, zu dem auch ein Büro in der Schweiz gehört. Vogel war früher unter anderem in der Geschäftsführung von Serviceplan Austria und Marketingverantwortlicher der Deutschen Telekom in Österreich.

Ihre Aufgabe ist es, das Portfolio der Dialogschmiede als Transformationspartner in Sachen Marketing-Prozessautomatisierung bekannt zu machen und weitere Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen. CEO Jürgen Polterauer, in der Vergangenheit CEO von Y&R und Wunderman sowie Managing Director von Ogilvy One in Österreich, hat große Pläne: "Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass das Größenverhältnis zwischen deutschen und österreichischen Dialogagenturen 10:1 beträgt. Das heißt: Wir reden perspektivisch von einer Zielgröße von 300 Mitarbeitern in Deutschland." Winterstein will es "etwas konservativer" angehen und spricht von einem Wachstum von mindestens 200 Prozent innerhalb der nächsten zwölf bis fünfzehn Monate. Bei derzeit nur sechs fest angestellten Mitarbeitern und einem Umsatz von rund einer Million Euro, erzielt in weniger als zwölf Monaten, klingt das schon realistischer.


Hierzulande arbeitet die Agentur für Xing, Ernsting’s Family, Karstadt Sports, die Pharmaberatung GHG und Intertoys. Einer der wichtigsten Kunden in Österreich ist Media-Markt. Dabei handelt es sich meist um Retainer-Verträge, also langfristige Kooperationen. Polterauer ist überzeugt davon, dass sein Unternehmen, das in Österreich nur wenige Jahre nach der Gründung 2007 zum Marktführer avancierte, ein Angebot hat, mit dem nur wenige Wettbewerber mithalten können. "Unternehmen wie Accenture drängen ebenfalls in dieses Geschäftsfeld hinein. Von Agenturseite fällt mir hier eigentlich nur Plan.Net ein, die über ein ähnlich komplexes Know-how verfügt wie die Dialogschmiede."

Was sein Team antreibt, sei eine neue Art der Kreation, die stark von Technologie getrieben ist: "Wir definieren Kreation anders. Für uns bedeutet das, den Kunden zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Botschaft zu adressieren und ihn zum Kaufabschluss zu bewegen. Dabei helfen Daten und künstliche Intelligenz." Vogel ergänzt: "Technik muss die Basis für moderne Kommunikation sein. Wenn wir einen Kunden betreuen, wollen wir für ihn in erster Linie mehr Umsatz pro Marketingmaßnahme bewirken und uns auch daran messen lassen."

Wichtige Technologiepartner sind Adobe, Salesforce und IBM. Letztere hat die Wiener Agentur vor vier Jahren zur Global Digital Agency of the Year gekürt. Der Technologiekonzern sei es auch gewesen, der die Dialogschmiede "mit sanftem Druck" dazu gedrängt hat, in der DACH-Region präsenter zu sein.

Winterstein beschreibt das Leistungsportfolio der Gruppe, die sich durch Beteiligungen und Neugründungen im Technologie- und Data-Management-Bereich sukzessive vergrößert hat, wie folgt: "Wir beraten die Kunden hinsichtlich ihrer Transformationsstrategie, definieren und analysieren die Customer Journey für Marketing, Vertrieb und Service, implementieren die Systemlösungen und betreiben die Systeme bei Bedarf auch über die Implementierungsphase hinaus beziehungsweise helfen den Kunden dabei, entsprechendes Know-how in ihrer eigenen Organisation aufzubauen."  Für sein Berliner Team suche er deshalb auch keine Kreativen, sondern erfahrene Transformation Manager. "Und die finden wir eher in der Start-Up-Szene als in Agenturen." bu

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