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Martin Sorrell auf der Dmexco
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Martin Sorrell kündigt baldigen Start von S4 Capital in Deutschland an

Martin Sorrell auf der Dmexco
Viel bekannte Kritik an seinem früheren Arbeitgeber WPP, viel bekannte Analyse der Veränderungen im Werbe- und Agenturgeschäft, viel Werbung für die eigene Firma S4 Capital - aber auch eine News: Martin Sorrell hat bei seinem Dmexco-Auftritt den baldigen Start seiner Agenturgruppe in Deutschland angekündigt.
von Mehrdad Amirkhizi Donnerstag, 12. September 2019
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Details nannte der 74-Jährige im Gespräch mit dem früheren "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann nicht. Aber Sorrell hatte schon vor gut einem Jahr angekündigt, dass er mit seinem neuen Angebot, zu dem unter anderem die Digital-Produktionsfirma Mediamonks gehört, unbedingt auch im deutschen Markt Fuß fassen will: "Wir wollen Mediamonks in Deutschland aufbauen. Und wir wollen ein Angebot für digitale Mediaplanung und -einkauf entwickeln. Idealerweise werden wir beides zusammenbringen", sagte Sorrell im November in einem HORIZONT-Interview.


Martin Sorrell im Talk mit Kai Dieckmann
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Martin Sorrell im Talk mit Kai Dieckmann
Jetzt hat der frühere WPP-Chef offenbar eine Lösung gefunden. Wie diese aussieht, ist noch nicht bekannt. Der bisherige Aufbau von S4 Capital erfolgte allerdings über Zukäufe. Insofern ist davon auszugehen, dass dieser Weg auch in Deutschland die wahrscheinlichste Option ist.

An etablierten Werbeholdings wie seinem früheren Arbeitgeber WPP kritisierte Sorrell einmal mehr deren Schwerfälligkeit beim erforderlichen Wandel. Das liege auch an den Strukturen. Für den Manager gehören Inhaberschaft und Kontrolle in eine Hand - so wie es bei S4 Capital der Fall ist. Mit diesem Modell sei es wesentlich besser möglich, langfristige Ziele zu verfolgen. Als Beispiel nannte er unter anderem das Medienimperium von Rupert Murdoch und Facebook, das unter Kontrolle von Mark Zuckerberg steht.


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Nicht verkneifen konnte sich Sorrell den Hinweis, dass WPP bei seinem Ausstieg mit einer Marktkapitalisierung von 16 Milliarden Pfund die größte Werbeholding der Welt war - und dies mit einer Marktkapitalisierung von knapp über 12 Milliarden Pfund heute nicht mehr sei. Auf die Frage, warum er bei all der Kritik nicht seine Aktien an WPP verkaufe, sagte er, er sei nun mal ein Sammler. Außerdem glaube er durchaus, dass es Bereiche bei WPP gäbe, die gut seien: Essence, Xaxis, Teile von Wunderman und Teile von Ogilvy.

Während Sorrells Vorredner Roger McNamee scharfe Kritik an den großen Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley übte und vor Monopolisierung warnte, die in wenigen Jahren auch die Werbedienstleister überflüssig mache, sieht Sorrell die Rolle von Google, Facebook, Amazon und Co gelassener. "Ich glaube nicht, dass sie Agenturen ersetzen wollen. Sie wollen nicht ins Lager der Dienstleister wechseln", so der S4-Capital-Chef. Früher hatte Sorrell für das Verhältnis von Agenturen zu den Gafa-Konzernen den Begriff "Frenemies" benutzt - heute seien sie wesentlich freundlichere "Frenemies" als früher, findet der Werbemanager. mam
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