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Volkswagen übernimmt Diconium komplett

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Fahren künftig nur noch VW: Daniel Rebhorn und Andreas Schwend, Gründer und Geschäftsführer von Diconium
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Fahren künftig nur noch VW: Daniel Rebhorn und Andreas Schwend, Gründer und Geschäftsführer von Diconium
Ende 2018 war Volkswagen mit 49 Prozent bei Diconium eingestiegen. Nun schlüpft der Stuttgarter Digitaldienstleister komplett unter das Dach des Automobilkonzerns. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Kartellbehörden wird VW nun auch die verbleibenden Anteile an dem 1995 gegründeten Spezialisten für digitale Geschäftsmodelle übernehmen. Zu den finanziellen Details des Deals äußert sich Volkswagen nicht. "Dazu wurde Stillschweigen vereinbart", sagt ein Sprecher auf Nachfrage. 
Mit dem vollständigen Erwerb von Diconium wollen die Wolfsburger ihre Fähigkeiten in der Entwicklung digitaler Vetriebslösungen stärken und der Agentur eine stärkere Gestaltungsrolle bei der Softwareentwicklung im VW-Konzern ermöglichen. Geplant ist unter anderem der Aufbau einer globalen Online-Vertriebsplattform, über die Kunden aller Konzernmarken künftig digitale Dienste und On-Demand-Funktionen für ihr vollvernetztes Fahrzeug einkaufen und verwalten können. Diconium soll sein Know-how hierzu in die Car-Software-Organisation im Volkswagen Konzern einbringen, die markenübergreifend Fahrzeug-Software, digitale Ökosysteme und kundennahe Funktionen im Handel entwickelt.


Jürgen Stackmann, Volkswagen Markenvorstand für Vertrieb und Marketing, verweist darauf, dass digitales Know-how für die Zukunft des Konzerns entscheidend ist. Als Beispiel nennt er das "We"-Ökosystem, mit dem VW passgenaue digitale Dienste und Mobilitätsangebote für Kunden anbieten. "Wir wollen künftig Fahrzeuge, Kunden und unsere Partner im Handel noch stärker miteinander vernetzen und ein durchgehendes ‚Markenerlebnis Volkswagen‘ schaffen. Zur Realisierung eines Omnichannel-Angebotes für unsere Kunden benötigen wir die E-Commerce-Kompetenz von starken Partnern wie Diconium", erläutert er die strategischen Hintergründe des Deals. 

Hohe Priorität genießt vor allem die Online-Vertriebsplattform, die VW in der Car-Software-Organisation einheitlich für alle Marken entwickelt. "Das ausgewiesene Expertenwissen, die Erfahrung und digitale Kultur unserer Kollegen von Diconium werden uns hier deutlich voranbringen", sagt Christian Senger, Volkswagen Markenvorstand für Digital Car & Services und CEO der Car-Software-Organisation. 


Am „We Campus“ arbeiten Expertenteams funktionsübergreifend an einem Ort zusammen
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Am „We Campus“ arbeiten Expertenteams funktionsübergreifend an einem Ort zusammen
Entstehen soll das Ganze am neuen Volkswagen We Campus in Berlin, wo Teams von Volkswagen und Diconium bereits seit Juli 2019 zusammenarbeiten. Dort will Volkswagen schrittweise rund 900 Fachkräfte für die Entwicklung neuer Mobilitätsservices und digitaler Dienste zusammenführen. 

Diconium-Mitbegründer und Co-Geschäftsführer Andreas Schwend bezeichnet den Deal als "einmalige Chance" für das Unternehmen. "Dieser Schritt sichert für Diconium, seine Mitarbeiter sowie unsere Bestands- und Neukunden eine klare Entwicklungsperspektive. Wir bedanken uns bei Volkswagen für die Möglichkeit, eines der aktuell wohl spannendsten Digitalisierungsvorhaben mitgestalten zu dürfen", sagt Schwend. Die Marke Diconium soll erhalten werden.

Soll VW beraten: Anja Hendel
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Soll VW beraten: Anja Hendel
Unterdessen hat Diconium auch seine Geschäftsführung verstärkt. So wird Anja Hendel das Gründerduo fortan als Managing Director unterstützen. Eine der Hauptaufgaben Hendels wird es sein, die direkte Zusammenarbeit mit dem neuen Eigentümer Volkswagen auszuweiten und diesen zu beraten. Hendel kommt von Porsche, wo sie die Abteilung Innovationsmanagement und digitale Transformation Finanzen leitete und als Director das Porsche Digital Lab in Berlin führte. Zuvor hatte die Wirtschaftsinformatikerin lange Jahre beim Pharmagroßhändler Celesio und beim IT-Beratungsunternehmen Capgemini gewirkt. mas 
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