Digital-Schwergewicht mit 500 Mitarbeitern

Cellular-Holding kauft CMS-Experten FFW

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Cellular-Chef Panos Meyer erweitert mit FFW das Angebot seiner Agentur
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Cellular-Chef Panos Meyer erweitert mit FFW das Angebot seiner Agentur
In der Digitalagenturbranche gibt es die nächste größere Übernahme. Diesmal sind nicht Accenture oder eine der bekannten Agenturgruppen beteiligt, sondern zwei bislang eher stille Akteure. Gleichwohl hat die Akquisition mit einem Volumen von 34 Millionen Euro durchaus Gewicht. Die Hamburger Agentur Cellular kauft für diese Summe über die Holding Celine Sieben Digital die in Dänemark beheimatete Firma FFW. Sie ist in mehr als 20 Märkten vertreten, darunter auch Deutschland.
Durch den Deal entsteht laut eigenen Angaben ein Verbund mit einem Gesamtumsatz von etwa 45 Millionen Euro und mehr als 500 Mitarbeitern. Das Besondere dabei: Knapp 400 davon arbeiten bei FFW – der kleinere Partner übernimmt also den größeren, und das komplett. Die finanziellen Möglichkeiten dafür hat Cellular durch seinen Hauptgesellschafter, den Private Equity Fonds Findos in München. Er wird von deutschen Familiengesellschaften getragen und konzentriert sich auf Investments bei mittelgroßen Unternehmen mit einem Umsatz von 25 bis 200 Millionen Euro.
„Neben organischem Wachstum hatten wir immer auch Akquisitionen auf dem Schirm.“
Panos Meyer, Cellular
Bereits beim Einstieg von Findos bei Cellular im Jahr 2017 hatte der Finanzinvestor angekündigt, das weitere Wachstum und die globale Expansion der Digitalagentur zu unterstützen. "Neben dem Ausbau des organischen Wachstums hatten wir dabei immer auch Akquisitionen auf dem Schirm", sagt Panos Meyer, der seit Sommer 2018 an der Spitze von Cellular steht. Er wechselte zuvor von Twitter zu der 1999 gegründeten und auf Mobile-Lösungen spezialisierten Digitalagentur. Er und sein Team waren schon länger auf der Suche nach einer Verstärkung und hatten sich unter anderem auch die Firma UDG angeguckt, die dann letztlich an die PIA-Gruppe verkauft wurde.

Die jetzt übernommene FFW passt laut Meyer aber ohnehin besser, weil sie das Angebot von Cellular noch genauer in der gewünschten Weise ergänzt. "Als die weltweit größte zertifizierte Drupal-Agentur setzen die Kollegen international skalierbare Web- und Content-Management-Lösungen um, die wir selbst bislang nicht anbieten konnten", sagt der 46-Jährige. Geholfen haben dürfte bei der Akquisition aber auch, dass die bisherige Muttergesellschaft von FFW, die börsennotierte schwedische Icta-Gruppe, aus finanziellen Gründen einen Abnehmer für die Agentur gesucht hat.
FFW-Chef Michael Drejer bleibt auch in der neuen Konstellation an Bord
© FFW
FFW-Chef Michael Drejer bleibt auch in der neuen Konstellation an Bord
Durch den Zusammenschluss gewinnt Cellular nicht zuletzt an Größe und internationaler Reichweite, was inzwischen eine wichtige Voraussetzung ist, um bei komplexen Digitalprojekten zum Zug zu kommen. "Wir sind im vorigen Jahr bei einem großen Telekommunikationsunternehmen aus dem Pitch geflogen, weil wir denen schlicht zu klein waren", sagt Cellular-Chef Meyer. Seine Hoffnungen ruhen in der neuen Konstellation also auch darauf, in Zukunft größere, länderübergreifende Rollouts selbst umsetzen zu können.

In Deutschland betreibt FFW in Berlin ein Büro mit rund 20 Mitarbeitern. Die größte Einzelniederlassung ist die Filiale in den USA mit etwa 75 Mitarbeitern. Auf der Auftraggeberliste stehen Unternehmen wie Pinterest und Randstad. Cellular wiederum ist außer am Stammsitz in Hamburg auch in Wien vertreten. Zu den Kunden gehören das ZDF, Budni, TUI Cruises und TV Spielfilm.

Organisatorisch wird sich durch die Übernahme zunächst nicht viel verändern – außer, dass FFW einen neuen Eigentümer bekommt und von der Börse geht. Ansonsten bleiben die Strukturen erhalten. Konkret: Das Führungsteam von FFW um CEO Michael Drejer bleibt an Bord, auch der Markenname wird weitergeführt. Ob das dauerhaft so bleibt, muss man abwarten. "Wir haben noch nicht genau definiert, wie das künftige Modell aussehen wird. Wir wollen uns jetzt erst mal in Ruhe kennenlernen und gemeinsam mit den Mitarbeitern die zukünftige Struktur erarbeiten", sagt Meyer. Klar scheint aber, dass es früher oder später einen Zusammenschluss geben wird. mam
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