Die Klappe

RCKT, Czar Film und 27 Kilometer gewinnen Gold

In Abwesenheit von Jung von Matt räumt Czar Film bei der Klappe Gold für "Like A Bosch" ab
© Bosch
In Abwesenheit von Jung von Matt räumt Czar Film bei der Klappe Gold für "Like A Bosch" ab
Berlin hat wieder einen Kreativwettbewerb: Am Dienstagabend wurden in der Hauptstadt die Gewinner der Klappe gekürt. Bei der 39. Auflage des Bewegtbildwettbewerbs lief dieses Jahr einiges anders. Sowohl der Wettbewerb als auch die Award Show bekamen von der Agentur Antoni eine radikale Verjüngungskur verordnet. Die großen Gewinner sind RCKT, Czar Film und 27 Kilometer.
Die Veränderungen führten nicht nur zu einer fetten Party mit rund 900 Gästen im angesagten Berliner Club Anomalie, sondern auch dazu, dass deutlich weniger Preise vergeben wurden als in den vergangenen Jahren. Dazu später mehr. Gold ist bei der Klappe endlich wieder etwas wert, zumal sich die Juroren bei der Diskussion um Edelmetall nichts geschenkt hatten. Am Ende konnten sie sich auf drei wirklich überraschende Hauptgewinner einigen: Der fast dreiminütige Imagefilm "Fine Bone China" im Auftrag des Porzellanherstellers Dibbern überzeugte das Gremium aufgrund seiner ästhetischen Machart und der großen Liebe zum Detail (siehe oben). Konzept und Produktion stammen hier aus einer Hand. Absender ist die Produktionsfirma 27 Kilometer. Die zweite große Überraschung: Erstmals steht eine Instagram-Bewegtbildstory ganz oben auf dem Siegertreppchen. Bei der ADAC-Kampagne "Don’t travel with mom" lobte die Jury den gelungenen Umgang mit dem Medium und das feine Gespür für die Zielgruppe. Das Konzept stammt von RCKT, bei der Umsetzung war Czar Film mit an Bord. Das dritte Gold geht an den Film einer Agentur, die dieses Jahr eigentlich gar nicht an Kreativwettbewerben teilnimmt: Jung von Matt. Zwar taucht sie nicht auf den offiziellen Credits auf, aber es ist auch kein Geheimnis, dass die Kampagne "Like a Bosch" für Robert Bosch ein Werk von JvM/Next Alster ist. Für die Produktion ist erneut Czar Film verantwortlich, die in diesem Fall auch der Einsender ist.
Nicht nur JvM hat sich durch die Hintertür, also über ihren Produktionspartner, Zutritt zu dem Kreativwettbewerb verschafft. Auch Antoni Garage hatte mehrere Eisen im Feuer und steht mit den Daimler-Spots "In the Long Run" (Silber und Bronze), "Never stop improving" (Bronze) und "Stronger than time" (Bronze) gleich viermal auf dem Siegertreppchen. Eingesendet wurden die Beiträge ebenfalls von den Produktionspartnern, in diesem Fall Iconoclast beziehungsweise Sehsucht.

Die Gold- und Silber-Gewinner der Klappe 2019

Agentur Kunde ArbeitProduktion
Gold
27 Kilometer EntertainmentDibbern Dibbern Fine Bone China27 Kilometer Entertainment
RCKTADACDon’t Travel With MomCzar
Robert BoschLike A BoschCzar
Silber
Scholz & FriendsToom BaumarktTestAnorak Film (2x Silber)
HeimatZentralverband des Deutschen HandwerksIst das noch Handwerk?Halal Berlin
Robert BoschLike A BoschCzar
BBDO Berlin Stiftung Menschen für Menschen Hilfe für HilfeLovestone Film
Kolle RebbePeta Deutschland Eye to EyeMarkenfilm
DDB Group GermanyTelekom DeutschlandEinfach eins für alles „Das nächste Ding“Soup Film
DaimlerIn the Long RunIconoclast Germany
Quelle: Deutscher Marketingverband



Auch hier ist der Deutsche Marketing Verband als Veranstalter dem Wunsch der Beteiligten nachgekommen und hat in den Credits auf die Agenturnennung verzichtet. Warum das so wichtig ist? Die Award-Pausierer wollen vermeiden, dass sie im Kreativranking irgendwo auf den hinteren Rängen auftauchen, weil ihre Arbeiten auf Betreiben der Kunden beziehungsweise Produktionsfirmen bei vereinzelten Award Shows ins Rennen geschickt werden und gewinnen. Genau das ist auch beim ADC-Wettbewerb und den D&AD Global Awards passiert. Auch da konnten Jung von Matt und Antoni nicht vermeiden, dass mehrere ihrer Arbeiten prämiert wurden.

Zurück zur Klappe: Hier wechselten neben den drei Goldmedaillen acht silberne und 21 bronzene Trophäen den Besitzer. Letztes Jahr gab es mit viermal Gold, 19-mal Silber und 37-mal Bronze fast doppelt so viel Edelmetall. Der Rückgang hat mit der eingangs erwähnten Reform des Wettbewerbs zu tun. So kann ein Film in den Hauptkategorien nur noch maximal dreimal eingereicht werden. Erstmals waren außerdem Serien von bis zu fünf Filmen zugelassen, die in der Vergangenheit einzeln eingesendet werden mussten.
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Die Stimmen zum diesjährigen ADC Wettbewerb fallen gemischt aus. Während ADC-Präsident Heinrich Paravicini von einem "exzellenten Jahrgang in der Breite spricht", bei dem lediglich ganz oben die Spitzen fehlten, monierten einige Jurymitglieder die Qualität in ihren jeweiligen Kategorien. Auch wurden in mehreren Kategorien Arbeiten vermisst, die erst gar nicht zum Wettbewerb eingereicht worden waren.

Hinzu kommt, dass durch die Award-Pause von JvM, Antoni und Thjnk einige Beiträge fehlten, denn es ist eher eine Ausnahme als die Regel, dass die Produktionspartner oder gar der Kunde darauf drängen, die Kosten für die Einsendung selbst zu übernehmen, um sich dem Wettbewerb zu stellen. Zum Vergleich: Dieses Jahr waren es 298 Einsendungen mit 183 verschiedenen Filmen, 2018 gingen 410 Einreichungen mit 246 verschiedenen Filmen ins Rennen. Einen klaren Sieger unter den Agenturen bzw. Teilnehmern gibt es dieses Jahr nicht: DDB, Heimat und Iconoclast liegen mit je vier Klappen allesamt ähnlich gut im Rennen. Bei den Produktionsfirmen hat Czar Film mit sechs Klappen, darunter zwei goldenen, die Nase vorn. bu
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