Das Handwerk

Wie Heimat einen Bestatter zum Influencer machen will

Eric Wrede ist einer von fünf Protagonisten der neuen Handwerk-Kampagne, die sich schwerpunktmäßig auf Instagram abspielt
© Heimat Berlin
Eric Wrede ist einer von fünf Protagonisten der neuen Handwerk-Kampagne, die sich schwerpunktmäßig auf Instagram abspielt
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks schlägt in Sachen Kommunikation ein neues Kapitel auf. Altbewährt ist hingegen die Agentur, die ihm dabei zu Seite steht: Stammbetreuer Heimat hat die Kampagne entwickelt, die in den kommenden Monaten unter anderem in den sozialen Medien für Gesprächsstoff sorgen soll. Im Fokus des Auftritts stehen fünf leidenschaftliche Handwerker, die ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Metier haben.
Einer davon ist Bestatter Eric Wrede. Der frühere Musikmanager hat sich mit seinem Podcast "The End" und dem gleichnamigen Buch bereits einen Namen gemacht. Darin dreht sich alles um den letzten Weg und wie Hinterbliebene mit dem Tod eines geliebten Menschen klarkommen können. Heimat will dafür sorgen, dass künftig noch mehr Menschen von Wrede erfahren.


Gleiches gilt für die vier weiteren Protagonisten: Tischlermeisterin Johanna Röh, Kosmetik-Azubi Antonia Ramb, 3D-Modellbauer Gunnar Bloss und Mechatroniker Jimmy Pelka. Sie alle werden ab Mitte Februar ganzjährig auf Instagram Einblick in ihr Leben geben, das dort umfassend fotografisch und filmisch dokumentiert wird. Daneben wurde jedem Protagonisten ein eigener Film gewidmet, der jeweils von einem anderen Regisseur realisiert wurde. Werbefilmer Johan Kramer hat beispielsweise ein dokumentarisches Porträt von Wrede erstellt. Darin verrät der Bestatter, weshalb sein Handwerk vor allem mit Psychologie zu tun hat und weshalb er es als Lebensziel betrachtet, das Verhältnis der Gesellschaft zum Tod zu verändern. Die weiteren Regisseure sind Sam de Jong, Emmanuel Adjej und Noël Loozen. Produziert wurden die Filme von Halal in Berlin. Die Musik hat Supreme Music beigesteuert.
Matthias Storath, Chief Creative Officer von Heimat, erklärt dazu: "Die neue Kampagne ist nicht nur ein Porträt des Handwerks, sondern ein psychologischer Spiegel unserer Zeit. Ein Kaleidoskop von philosophischen Gedanken zum Thema Tod oder einem neuen Verhältnis zu Schönheitsidealen, bis hin zu technologischen Visionen."
Die Videos sollen sowohl online als auch im TV eingesetzt werden. Neben den Clips zu den einzelnen Protagonisten wird es eine Version mit allen Fünfen geben, die als 120-Sekünder auf DMAX und Sixx geschaltet wird. "Der Kern der Kampagne ist mobile. Sie wird aber ihren Weg auch in die klassischen Medien finden", so Storath. Überdies hat sie das Potenzial, auch bei der Publikumspresse Gehör zu finden, denn die Agentur hat einige öffentlichkeitswirksame Überraschungen angekündigt. Bereits realisiert wurde eine ungewöhnlich bunte Sarg-Kollektion zusammen mit den Künstlern Tape That, Damien Poulain und Lezbros.
Ohne Zweifel: Der Auftritt fällt auf. Er könnte aber durchaus polarisieren, weil die gezeigten Handwerker allesamt eher ungewöhnliche Vertreter ihres Metiers sind. Wie nahe sind diese hippen, urbanen Protagonisten tatsächlich an der alltäglichen Realität der Berufe, für die sie stehen? Authentisch oder artifiziell? Diese Frage wird sich sicherlich der eine oder andere stellen. Auf der anderen Seite wollte der Zentralverband des Deutschen Handwerks genau das: die Innovationskraft des Handwerks zeigen. Die angehenden Influencer wurden gezielt danach ausgewählt, welche gesellschaftliche Bedeutung sie aufgrund ihrer besonderen Leidenschaft für den Beruf haben: Wrede kämpft für eine positive Haltung zum Tod, Ramb für ein neues Verhältnis zur Schönheit, Röh für Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Bloss und Pelka stehen für die technologische Innovationskraft des deutschen Handwerks. Alle Fünf verkörpern den Wandel und stellen die tradierte Wahrnehmung der Branche infrage, was durch das zentrale Kampagnenmotto "Ist das noch Handwerk?" zusätzlich unterstrichen wird. bu

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