Corporate Identity

Mit radikal neuem Look knüpft der deutsche Art Directors Club an alte Zeiten an

Der bekannte pinkfarbene Stern (links) hat als Markensymbol des Art Directors Club für Deutschland ausgedient - der Kreativclub setzt künftig wieder auf sein ursprüngliches Logo und die Farben schwarz-weiß
© ADC
Der bekannte pinkfarbene Stern (links) hat als Markensymbol des Art Directors Club für Deutschland ausgedient - der Kreativclub setzt künftig wieder auf sein ursprüngliches Logo und die Farben schwarz-weiß
Der pinkfarbene Stern hat ausgedient: Der Art Directors Club für Deutschland hat sich einen neuen Look verpasst und verzichtet nach 29 Jahren auf den ikonografischen Stern und die Farbe Magenta. Damit will der Kreativclub zugleich eine neue Ära einläuten: Die Motivation für den neuen Auftritt ist inhaltlich geprägt. Deshalb reden wir auch nicht von einem neuen Corporate Design, sondern von einer neuen Corporate Identity", sagt ADC-Vorstandsmitglied Heinrich Paravicini. "Wir wollen damit widerspiegeln, wie sehr sich die Identität des Clubs in den vergangenen Jahren verändert hat", sagt der Mitinhaber der Hamburger Agentur Mutabor, der im ADC für den Fachbereich Design verantwortlich ist.

Laut Paravicini sei es zwar durchaus richtig, dass man den pinkfarbenen Stern sofort mit dem ADC assoziieren konnte. Aber das war zugleich auch zunehmend ein Problem. "Der Stern steht für einen ADC, den wir künftig nicht mehr repräsentieren wollen. Er steht zu sehr für den Werberclub und für viele Vorurteile."



Paravicini ist Teil der Arbeitsgruppe, die den neuen Markenauftritt erarbeitet hat. Neben ihm gehören folgende Designer zum Team: Christian Doering (Korefe), Johannes Erler (Erler Skibbe Tönsmann), Birte Ludwig (Bureau Ludwig), Burkhard Müller (Mutabor), Katrin Oeding (Studio Oeding), Jan Spading (ZMYK) und Anja Steinig (Studio F). Ihr Briefing lautete wie folgt: Sie sollten anhand einer neuen visuellen Identität verdeutlichen, dass der ADC nicht länger der laute Werberclub der 80er und 90er Jahre ist, sondern eine heterogene Gemeinschaft von Kreativen aus unterschiedlichen Bereichen der Kommunikation.
Ein Designerteam rund um die ADC-Vorstände Anja Steinig (Studig F) und Heinrich Paravicini (Mutabor, beide vorne im Bild) hat die neue CI des ADC erarbeitet: Katrin Oeding (Studio Oeding), Burkhard Müller (Mutabor), Jan Spading (ZMYK), Johannes Erler (ErlerSkibbeTönsmann), Birte Ludwig (Bureau Ludwig) und Christian Doering (KoReFe, hintere Reihe v.l.n.r.)
© ADC
Ein Designerteam rund um die ADC-Vorstände Anja Steinig (Studig F) und Heinrich Paravicini (Mutabor, beide vorne im Bild) hat die neue CI des ADC erarbeitet: Katrin Oeding (Studio Oeding), Burkhard Müller (Mutabor), Jan Spading (ZMYK), Johannes Erler (ErlerSkibbeTönsmann), Birte Ludwig (Bureau Ludwig) und Christian Doering (KoReFe, hintere Reihe v.l.n.r.)
Ausgerechnet der oberste Werber im Club hat den Boden für diese Veränderung bereitet: ADC-Präsident Stephan Vogel. Der EMEA-Kreativchef von Ogilvy stellt fest: "In den 80er und 90er Jahren haben sich die Werber sehr breit gemacht im Club. Ihr extrovertiertes, mitunter etwas lautes Auftreten hat sich dann auch in dem sternförmigen Logo und der schreiende Farbe ausgedrückt. Inzwischen ist die Mitgliederstruktur wieder ausbalanciert – Werber, Designer, Digitalprofis und Kreative aus dem Editorial-Bereich bilden einen guten Mix. Dem wollen wir mit der neuen Corporate Identity Rechnung tragen. Wir wollen klarmachen, dass der ADC eben nicht nur für exzellente Markenkommunikation steht, sondern für exzellente kreative Kommunikation im Allgemeinen." Künftig wolle der ADC "weniger Bild-Zeitung, dafür mehr Zeit-Magazin sein", bringt es Paravicini plakativ auf den Punkt.
Zusammen mit der neuen CI hat der ADC ein Markenmanifest mit sieben "Glaubenssätzen" veröffentlicht
© ADC
Zusammen mit der neuen CI hat der ADC ein Markenmanifest mit sieben "Glaubenssätzen" veröffentlicht
Das gesamte Erscheinungsbild solle eine größere Ernsthaftigkeit widerspiegeln und zugleich für ästhetische Exzellenz stehen, ergänzt Steinig. Es gehe nicht darum, den Club neu zu erfinden, sondern deutlicher herauszustellen, was sich dahinter verbirgt. Das Leitmotto der neuen CI lautet deshalb "Vorwärts zu den Wurzeln". Steinig erklärt: "Wir haben alles Überflüssige weggelassen und uns daran orientiert, wie der Club bei seiner Gründung 1964 ausgehen hat. Dabei wurde uns schnell klar, dass wir den Stern und die Farbe Magenta nicht mehr brauchen. Beides existierte es damals nämlich auch noch nicht."

Stattdessen gab es ein Logo, das Vilim Vasata, Initiator, Mitgründer und erster Präsident des deutschen ADC höchstpersönlich gestaltet hatte. Genau dieses Logo wurde nun wiederbelebt, indem das Original marginal bearbeitet wurde. Ähnlich sieht es bei den im neuen Design verwendeten Schriften aus. Auch sie sind eine Referenz an vergangene Zeiten. In den 60er Jahren arbeitete der Club mit einer klassischen Futura. Bei der aktuellen Version handelt es sich um eine modernere Variante namens Centra No. 2, die vor allem im digitalen Bereich besser einsetzbar ist als die Futura. Für die Überschriften habe man sich bewusst für die Serifenschrift Le Jeune entschieden, "um dem Erscheinungsbild eine gewisse editoriale Ernsthaftigkeit zu geben", erklärt Erler.
In den kommenden Wochen werden auch die Website und die ADC App auf das neue Design umgestellt
© ADC
In den kommenden Wochen werden auch die Website und die ADC App auf das neue Design umgestellt
Der neue Look ist das eine. Parallel dazu erklärt sich der ADC ab sofort in einem Manifest. Darin wird mit vielen Vorurteilen aufgeräumt und gleichzeitig beschrieben, was es mit dem Kreativclub auf sich hat. Vieles davon dürfte ADC-Mitgliedern und langjährigen Kennern der Organisation bereits bekannt sein. Neu ist, die akzentuierte Zusammenfassung in klaren, einfachen Worten. Damit wolle man verbindlich und transparent definieren, was der Art Directors Club für Deutschland eigentlich ist, sagt Paravicini. Das Markenmanifest findet sich künftig auch auf der Website, die ebenso wie die ADC App, in Kürze im neuen Design relauncht wird.


Das Manifest beinhaltet "sieben Glaubenssätze", die stark an die bisherigen Kriterien des ADC-Wettbewerbs angelehnt sind: Idee, Verständlichkeit, Überzeugungskraft, Machart und Freude. Zwei Punkte sind neu hinzugekommen, die künftig auch beim Wettbewerb stärker denn je berücksichtigt werden sollen: "Exzellente kreative Kommunikation ist dienlich und sie ist weder rassistisch noch diskriminierend." Damit will der Art Directors Club für Deutschland explizit seine Haltung unterstreichen und betonen, dass es bei seinem 54 Jahre alten Kreativwettbewerb keineswegs um L’art pour L’art geht, sondern um den positiven Einfluss von exzellenter kreativer Kommunikation auf die Gesellschaft. bu

 
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