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Mindshare-Chefin Katja Brandt gibt sich erstaunlich optimistisch
Mindshare
Corona-Studie

Normalisierung der Werbemärkte könnte schneller eintreten - glaubt zumindest Mindshare

Mindshare-Chefin Katja Brandt gibt sich erstaunlich optimistisch
Wirklich überraschend ist die Empfehlung von einer Mediaagentur nicht: Das Mindshare-Network aus der Group M von WPP rät seinen Kunden, trotz des Corona-bedingten Konjunktureinbruchs ihre Werbeinvestitionen weiter aufrechtzuerhalten. "Marken, die in diesen Tagen proaktiv handeln und die es schaffen, ihre Kommunikation und Mediastrategie klug umzustellen, werden am Ende besser dastehen", glaubt Katja Brandt, CEO von Mindshare für den deutschsprachigen Raum.
von Mehrdad Amirkhizi Donnerstag, 30. April 2020
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Die Empfehlung wird mit einer aktuellen Untersuchung unterfüttert. Basis ist eine Studie zu den Konsumabsichten der Verbraucher und den daraus hergeleiteten Konsequenzen für Marken. Im Kern lautet die Botschaft von Mindshare an die Werbungtreibenden: Die deutschen Konsumenten sind langsam, aber sicher bereit für den nächsten Schritt auf dem Weg in die vielzitierte "neue Normalität".


Zu den auch für die Studien-Autoren überraschenden Ergebnissen gehört, dass die Deutschen ihre persönliche wirtschaftliche Lage deutlich besser einschätzen, als man erwarten könnte. So rechnen immerhin 72 Prozent der Befragten damit, dass ihre finanzielle Situation in den kommenden drei Monaten stabil bleibt oder sich sogar verbessert. Gleichzeitig sagen nur 17 Prozent, dass ihre finanzielle Situation überhaupt durch die Coronakrise beeinflusst wird. Das ist im europäischen Vergleich der niedrigste Wert. In Spanien und Italien sieht rund ein Drittel einen solchen Einfluss, in Frankreich jeder Fünfte.

Die Deutschen glauben nicht, dass sich ihre finanzielle Situation wesentlich verschlechtert
© Mindshare
Die Deutschen glauben nicht, dass sich ihre finanzielle Situation wesentlich verschlechtert
Auch auf geplante größere Anschaffungen will die Mehrheit der Deutschen noch nicht verzichten oder diese verschieben, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. Zudem ermittelt Mindshare in Übereinstimmung mit ähnlichen Untersuchungen anderer Anbieter eine verstärkte Mediennutzung. Laut der Agentur profitieren vor allem Streaming, TV und Radio. Speziell Nachrichten werden stärker genutzt. Und: Von Marken erwarten die Verbraucher in der aktuellen Situation unterhaltsamen und unbeschwerten Content.


„Die Erfahrungen der Finanzkrise von 2008 zeigen uns, dass Werbungtreibende gut beraten wären, sich schon jetzt auf eine baldige Normalisierung des Markts vorzubereiten. Diese Normalisierung könnte wesentlich schneller eintreten, als viele derzeit denken.“
Katja Brandt, Mindshare
Was heißt das Ganze jetzt für die Werbungtreibenden und ihre Marketingaktivitäten? Dazu zieht Mindshare einen Vergleich zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Damals hätten sich die Werbemärkte schneller erholt als die Gesamtwirtschaft und in der Folge hätte es einen harten Wettbewerb um die besten Werbeplätze gegeben. Durch die gestiegenen Zuschauerzahlen sei aktuell vor allem TV-Werbung ein gutes Investment für Marken, analysiert Mindshare. "Die Erfahrungen der Finanzkrise von 2008 zeigen uns, dass Werbungtreibende gut beraten wären, sich schon jetzt auf eine baldige Normalisierung des Markts vorzubereiten. Diese Normalisierung könnte wesentlich schneller eintreten, als viele derzeit denken", sagt CEO Brandt.

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Bei dieser Aussage dürfte es sich jedoch auch um ein gutes Stück Zweckoptimismus zur Förderung des eigenen Geschäfts handeln. Denn die Zeichen aus der Gesamtwirtschaft deuten nicht auf eine rasche Erholung hin. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in den Unternehmen abfragt, fiel zuletzt auf ein historisches Tief. Die Manager blicken so pessimistisch wie noch nie in die Zukunft. "Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal", fasste vor kurzem Ifo-Chef Clemens Fuest die Situation zusammen. mam
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