Cannes Lions

DDB gewinnt ersten deutschen Titanium-Löwen / Antoni holt Film-Silber

Mit der "Uncensored Playlist" holt DDB Germany den ersten deutschen Titanium-Löwen in Cannes überhaupt
© DDB
Mit der "Uncensored Playlist" holt DDB Germany den ersten deutschen Titanium-Löwen in Cannes überhaupt
Versöhnlicher Abschluss einer durchwachsenen Cannes-Woche: Am letzten Abend gibt es immerhin noch einen Titanium-Löwen für Deutschland - der erste überhaupt in der 2003 eingeführten "Über"-Kategorie, die besonders wegweisenden Kommunikationsideen vorbehalten ist. Der Preis geht an DDB Group Germany für "The Uncensored Playlist" im Auftrag von Reporter Ohne Grenzen.

In der traditionellen Königsklasse Film ist die Ausbeute für Deutschland mehr als kümmerlich: Lediglich Antoni und Anorak tragen zur Ehrenrettung der deutschen Werbefilmer bei. Das Duo gewinnt Silber für den Mercedes-Benz-Spot "Bertha Benz".



Insgesamt hat Deutschland damit 32 Löwen gewonnen. Das ist weniger als die Hälfte als im vergangenen Jahr. Damals glänzten die hiesigen Werber noch mit 66 Löwen. Mehr noch: Es ist sogar das schlechteste Ergebnis der letzten 15 Jahre!

Starker Filmjahrgang, schwaches Deutschland

Zurück zu den heute verliehenen Kategorien Film, Glass, Sustainable Development Goals und Titanium: In der Sparte Film, mit der das Festival vor 66 Jahren angefangen hat, wurden dieses Jahr 78 Löwen vergeben. Damit ist Film eine der wenigen Kategorien, wo es mehr Edelmetall gibt als 2018. Allerdings muss dazu angemerkt werden, dass es in dieser Kategorie auch mehr Einsendungen gab als im Vorjahr.


Der Grand Prix geht an die bereits in der Sparte Film Craft mit dem Hauptpreis bedachte New-York-Times-Kampagne "The truth is worth it" von Droga5. Jurypräsidentin Margaret Johnson (Goodby Silverstein & Partners) lobte die Authentizität und Glaubwürdigkeit der Kampagne, die den Mut, die Beharrlichkeit und Entschlossenheit der investigativen NYT-Journalisten anhand mehrerer Filme dokumentiert.



Der deutsche Juror Jens Pfau (Jung von Matt) stellt fest, dass das Niveau in seiner Kategorie generell sehr hoch war. "Es war ein unglaublich starkes Jahr mit vielen großen Filmen", so Pfau. Deutschland würde allerdings im internationalen Vergleich ein wenig schwächeln. Auf Trends angesprochen, verweist er auf die Themen Haltung und gesellschaftliche Relevanz. Viele große Marken würden mit ihren Kampagnen die Aufmerksamkeit auf derlei Themen lenken. Das sei möglicherweise auch ein Grund, weshalb viele Filme sehr ernst und emotional seien. "Es fehlt eine gewisse Leichtigkeit. Wirklich viele superlustige Sachen haben wir dieses Jahr nicht gesehen."

Auffällig sei auch gewesen, dass vor allem die Automarken in der Kreation erstaunlich schwach sind. "Hier müssen wir alle mehr Gas geben." Aus dem Bereich Handel hätte es dagegen viele großartige Filme gegeben.

Die "Game-Changer"- und Doing-Good-Kategorien

Neben Film standen heute die Sparten Glass, Sustainable Development Goals und Titanium auf dem Programm. Streng genommen wird in diesen drei Kategorien noch einmal genau das prämiert, was schon in vielen anderen Wettbewerbssparten groß gefeiert wurde. So ist der große Gewinner der Titanium Lions der gleiche wie in den Kategorien Direct und Mobile: "The Whopper Detour" für Burger King von FCB in New York.


Die Titanium-Kategorie wurde einst von Dan Wieden ins Leben gerufen, um Ideen zu feiern, die in keine andere Schubladen passen. Mit der sukzessiven Anpassung der Kategorien gibt es mittlerweile allerdings für fast jede Idee mindestens eine andere passende Schublade. Jurypräsident David Lubars (BBDO) glaubt dennoch, dass die Titanium Lions weiterhin ihre Berechtigung haben, weil hier Ideen gewürdigt werden, die eine ganz neue Benchmark in der kommerziellen Kommunikation setzen und bisherige Grenzen einreissen.

Um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Allgemeinen und den Kampf um Gleichberechtigung der Geschlechter im Besonderen geht es bei den SDG und Glass Lions. Wer die Berichterstattung der vergangenen Tage verfolgt hat, wird feststellen, dass es dazu eigentlich auch keine eigenen Kategorien bräuchte, weil diese Themen überall beim Festival und dem Kreativwettbewerb allgegenwärtig sind. Immerhin erfüllen diese beiden Kategorien einen guten Zwecke: Die Erlöse aus den Einsendungen werden nämlich gespendet. Im Fall der Glass Lions gehen die Einnahmen an die Unstereotype Alliance, bei den SDG Lions an den jeweiligen Grand Prix Gewinner.


Die großen Gewinner kommen hier aus Polen beziehungsweise Australien. Bei den Glass Lions geht der Grand Prix an "The last ever issue" von VML Y&R in Warschau für Gazeta.pl, Mastercard und BNP Paribas. Die drei Auftraggeber haben gemeinsam das polnische Pornomagazin Twöj Weekend aufgekauft, nur um es kurz danach endgültig zu beerdigen. Zuvor gab es jedoch noch eine allerletzte Ausgabe, in der sich alles um starke Frauen, den Kampf gegen weibliche Objektifizierung und die Gleichberechtigung der Geschlechter dreht. Daraus ist eine dauerhafte Online-Plattform entstanden.


Bei den SDG Lions steht "The Lions Share" für Mars Australia von Clemenger BBDO und Finch, beide Melbourne, ganz oben auf dem Siegertreppchen. Diese Initiative sieht vor, dass die Werbeindustrie beim Verwenden von Tierfotos einen bestimmten Betrag zum Schutz von Wildtieren, Lebensräumen und Biodiversität spendet. Zahlreiche Unternehmen haben sich dieser Initiative, die von den Vereinten Nationen unterstützt wird, bereits angeschlossen. bu

Die Preisverleihung in Zahlen

Glass: 8 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 193 Einsendungen
Film: 78 Löwen insgesamt / 1 für Deutschland / 2793 Einsendungen
Sustainable Development Goals: 22 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 834 Einsendungen
Titanium: 6 Löwen insgesamt / 1 für Deutschland / 171 Einsendungen

 
stats