Cannes Lions 2019

Wo bleibt eigentlich Greta Thunberg?

Am Wochenende postete Greta Thunberg dieses Foto von sich und Barack Obama, der gerade in Südfrankreich Urlaub macht. Ein Zeichen? Beide würden sich jedenfalls gut als Gäste der Lions machen
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Am Wochenende postete Greta Thunberg dieses Foto von sich und Barack Obama, der gerade in Südfrankreich Urlaub macht. Ein Zeichen? Beide würden sich jedenfalls gut als Gäste der Lions machen
Wer dieser Tage mit dem Flugzeug die Reise zum International Festival of Creativity in Cannes beginnt, sollte wenigstens ein klitzekleines schlechtes Gewissen haben. Schließlich dreht sich bei den Lions dieses Jahr ganz viel rund um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Neben entsprechenden Programmpunkten im offiziellen Programm laden SAP und Deloitte vor Ort erstmals gemeinsam in das House of Goals ein. Und dafür wurde im Vorfeld deutlich mehr die PR-Trommel gerührt als für jede andere Veranstaltung rund um das Werbefestival.

Was genau hat es damit auf sich? Das House of Goals soll die zentrale Anlaufstelle für alle Themen rund um die 17 globalen Ziele der Vereinten Nationen sein. Es wurde erstmals im Rahmen des Weltwirtschaftsgipfels in Davos errichtet, um Diskussionen anzuregen, die den Grundstein zur Realisierung dieser so genannten Sustainable Development Goals legen. Das Haus selbst wird von den Machern als nachhaltige Enklave bezeichnet, das aus natürlichen, ethisch einwandfreien und biologisch abbaubaren Materialien gebaut ist.



Bei Events wie der „Party for Good“ werden hier die Gewinner der SDG Lions gefeiert. Branchenpromis geben sich bei Brunch- und Lunchtalks sowie Dinner-Events die Klinke in die Hand. US-Schauspielerin Robin Wright zählt ebenso zu den Gästen wie der R’n’B-Musiker John Legend. Fehlt eigentlich nur Greta Thunberg. In Davos hielt die junge Umweltaktivistin Anfang des Jahres bekanntlich eine ihrer beeindruckenden Reden. Aber was ist mit den Cannes Lions? Hier könnte sie wichtige Entscheider aus unterschiedlichen Branchen auf direktem Wege adressieren und inspirieren.

Am Wochenende postete die 16-Jährige ein Bild von sich und Barack Obama. Der macht gerade Urlaub in Südfrankreich. Wurde das Foto etwa bereits vor Ort aufgenommen? Thunberg und Obama als Überraschungsgäste in Cannes? Besonders abwegig ist dieses Szenario eigentlich nicht. Schließlich waren auch schon Ex-US-Präsident Bill Clinton und sein früherer Vize Al Gore zu Gast. Letzterer sogar zweimal: 2007 appellierte Gore an die versammelte Kreativ-Elite, sie sollten ihre Ideen dazu nutzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. 2015 wurde er für sein Umwelt-Engagement mit dem Lion Heart Award geehrt. Thunberg wäre geradezu prädestiniert, in seine Fußstapfen zu treten. Eine Sprecherin des Festivals wiegelt ab: „Das wäre zwar wirklich fantastisch, aber sie gehört genauso wenig zu unserem Line-Up wie Barrack Obama“. Nun ja, abwarten. Von den prominenten Gästen im House of Goals stehen die meisten auch nicht auf der offiziellen Sprecherliste.


Apropos Umweltschutz: In den vergangenen Jahren fiel immer wieder auf, wie viel Plastikmüll während der Festivalwoche im Mittelmeer und an den Stränden drumherum versenkt beziehungsweise verschwendet wird. Die alljährliche Cannes-Vermüllung steht im krassen Gegensatz zu den SDG Lions und den unzähligen Auszeichnungen, die Jahr für Jahr für Nachhaltigkeitskampagnen verliehen werden. Dieses Jahr gibt es immerhin die ersten zarten Versuche, diesem schwierigen Thema Herr zu werden. Mit Unterstützung von Deloitte erhält jeder Besucher eine Glasflasche von Closca. Plastik-Flaschen sind aus dem Palais verbannt worden. Mithilfe der Closca App können Wasser-Nachfüllstationen ermittelt werden. Auch die Absage der Opening Gala hilft dabei, jede Menge Müll zu vermeiden. Fraglich ist, ob das wirklich der Grund dafür ist, dass dieses Event nicht mehr stattfindet. Es könnte auch einfach daran liegen, dass sich die Festivalorganisation die immensen Kosten für die Mammut-Party sparen will.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob es wirklich Gründe gibt, die Cannes Lions für ihre Bestrebungen für ein nachhaltigeres Festival zu loben. Der Blick auf die Entwicklung der im Vorjahr eingeführten Wettbewerbssparte SDG Lions ist nicht gerade ermutigend: Die Einsendungen in diesem Bereich sind um fast 25 Prozent zurückgegangen. Immerhin konkurrieren noch 834 Projekte und Kampagnen um die Löwen für eine bessere Welt. Mal abwarten, was die nächsten Tage diesbezüglich noch bringen werden. Und vielleicht kommt Greta ja doch noch als Überraschungsgast. bu

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