Cannes Lions 2019

Großer Abend für Nike - und neun Löwen für Deutschland

Nike und Wieden + Kennedy haben mit "Dream Crazy" bereits zwei Grands Prix gewonnen
© Nike / Youtube
Nike und Wieden + Kennedy haben mit "Dream Crazy" bereits zwei Grands Prix gewonnen
Heute fiel in Cannes die Entscheidung für die Festival-Tracks Entertainment und Craft. Insgesamt räumten die deutschen Teilnehmer noch einmal neun Löwen ab. Dazu später mehr. Zunächst gebührt einer Marke Ehre, die bei den Lions gerade einen echten Durchmarsch hinlegt: Nike.




Eine allzu große Überraschung ist es nicht, dass der Sportartikelhersteller und seine US-Agentur Wieden + Kennedy dieses Jahr triumphieren. Der Mut, Colin Kaepernick als Testimonial einzusetzen, wurde nicht nur mit steigenden Absatzzahlen belohnt, sondern spätestens jetzt auch mit Respekt und Anerkennung der weltweiten Kreativ-Community. Nach dem gestrigen Grand Prix bei den Outdoor Lions ist die Kampagne "Dream Crazy" heute noch einmal mit dem Grand Prix in der brandneuen Kategorie Entertainment Lions for Sport geehrt worden. Für ein anderes Nike-Projekt gab’s obendrein noch einen Grand Prix in der Kategorie Industry Craft. Hier geht der Hauptpreis an "Just do it HQ at the church", das Nike gemeinsam mit Momentum Worldwide in New York realisiert hat.

Bei allen drei Kategorien des Entertainment Tracks - Entertainment Lions, Entertainment Lions for Music und Entertainment Lions for Sport - gingen die deutschen Teilnehmer leer aus. Musik-Juror Simon Heeger (2wei Music) musste schon beim deutschen ADC die Erfahrung machen, dass aktuell im Musikbereich wenig bahnbrechende Videos dabei sind. In Cannes konnten nicht nur in seiner, sondern in sämtlichen Entertainment-Kategorien, vor allem künstlerisch anmutende Projekte überzeugen, die obendrein noch eine wichtige Botschaft vermitteln.



Im Fall von Nike sind es Mut, Haltung und die Tatsache, dass die Marke zu ihren Überzeugungen steht. Die Grands Prix in der Sparte Musik thematisieren Rassismus und Waffengewalt auf zwei sehr unterschiedliche Art und Weise. Die großen Gewinnerarbeiten sind hier zum einen das Musikvideo "This is America" des Künstlers Childish Gambino von Doomsday Entertainment in Los Angeles. Einen zweiten Grand Prix gab es in der Musiksparte für das Bluesman-Projekt des brasilianischen Künstlers Baco Exu Do Blues von AKQA in Sao Paulo. Bei den Entertainment Lions geht der Grand Prix an die Dokumentation "5B" für Johnson & Johnson von UM Studios in New York.


Im Entertainment-Track konnten vor allem emotionale Arbeiten mit berührendem Storytelling überzeugen, die obendrein ein wichtiges gesellschaftliches Thema adressiert haben. Darum geht’s bei den Craft-Kategorien eigentlich in erster Linie nicht. Dennoch überzeugten auch hier vor allem solche Beiträge. "Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir Ideen und Handwerk getrennt voneinander betrachten sollen. Letztlich kannst du aber auch die beste Craft-Exekution nicht losgelöst vom Kontext sehen", stellt Industry-Craft-Juror Ralf Heuel (Grabarz & Partner) fest.

Sein Gremium hat zwei Löwen für Deutschland vergeben: Je einmal Gold und Silber für die "Rearranged"-Kampagne von Scholz & Friends für die Berliner Philharmoniker. Das sei angesichts der strengen Jury ein durchaus respektables Ergebnis, sagt Heuel. Der Grand Prix ging hier an das eingangs erwähnte Nike-Projekt - eine zur Sporthalle umfunktionierte Kirche, die für sozial benachteiligten Kids zur Anlaufstelle in der Freizeit geworden ist.
Scholz & Friends gewinnt bei den Industry Craft Lions Gold mit der Kampagne für die Berliner Philharmoniker
© Cannes Lions
Scholz & Friends gewinnt bei den Industry Craft Lions Gold mit der Kampagne für die Berliner Philharmoniker


In der Sparte Film Craft ist die Ausbeute für Deutschland recht erfreulich: Sechs Löwen, darunter einmal Silber für Anorak Film und Antoni und den Mercedes-Spot "Bertha Benz". Dafür gabs außerdem zweimal Bronze. Ein weiterer Mercedes-Film, den Antoni allerdings zusammen mit Iconoclast realisiert hat, ist ebenfalls mit Bronze prämiert worden. Es handelt sich hier um den GLE-Film "In the Long Run". Ebenfalls Bronze holen Heimat und Hornbach für "Morning" (Produktion: Anorak) sowie Serviceplan und BMW für "The 8 - City of no cars."


Film-Craft-Jurorin Christiane Dressler stellt fest, dass das Niveau in ihrer Kategorie außerordentlich hoch gewesen ist. Wäre es nach ihr gegangen, hätte es sogar noch mehr als die insgesamt 78 Löwen gegeben. Dass bei ihr ebenfalls Kampagnen mit einer gesellschaftsrelevanten Botschaft bevorzugt worden, liege daran, dass es sich hierbei inzwischen meist um richtig große Auftritte prominenter Marken handelt. Das gilt beispielsweise auch für den Grand Prix in dieser Kategorie: The New York Times und ihre Agentur Droga5 überzeugen mit den diversen Filmen der Kampagne "The Truth is Worth it". Produziert wurden die Filme von Final Cut, Furlined und Significant Others.


Bei den Digital Craft Lions geht der Hauptpreis überraschenderweise nach Dänemark. Gewinner ist das Bekleidungsunternehmen Carlings mit dem digitalen Kleiderprojekt "Address the Future", das in Zusammenarbeit mit Virtue in Kopenhagen realisiert wurde. Aus Deutschland hat es hier nur eine Arbeit auf die Gewinnerliste geschafft: Serviceplan und Dot Corporation gewinnen Bronze für "Dot Translation Engine - The First AI Braille Translation Software." bu

Die Preisverleihung in Zahlen:

Entertainment: 27 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 830 Einsendungen
Entertainment for Music: 14 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 391 Einsendungen
Entertainment for Sport: 29 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 702 Einsendungen
Industry Craft: 41 Löwen insgesamt / 2 für Deutschland / 1697 Einsendungen
Film Craft: 78 Löwen insgesamt / 6 für Deutschland / 1924 Einsendungen
Digital Craft: 23 Löwen insgesamt / 1 für Deutschland / 797 Einsendungen

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