Cannes Lions 2019

Deutschland holt zehn Löwen am Eröffnungstag

Das Nike-Motiv mit Colin Kaepernick hat den Outdoor-Grand-Prix bei den Cannes Lions abgeräumt
© Nike
Das Nike-Motiv mit Colin Kaepernick hat den Outdoor-Grand-Prix bei den Cannes Lions abgeräumt
Beim International Festival of Creativity wechselten heute Abend die ersten 188 Löwen den Besitzer. Zehn davon gehen auf das Konto deutscher Teilnehmer. Damit sind die folgenden fünf von insgesamt 27 Kategorien entschieden: Design, Outdoor, Print & Publishing sowie Health & Wellness und Pharma.

Deutschland stark im Design-Bereich 

Die gute Nachricht zuerst: In der Sparte Design zählt Deutschland zu den besten Teilnehmernationen. Hier gab es gleich acht Löwen, davon ein goldener für DDB und die Arbeit "Highlight the Remarkable" im Auftrag von Stabilo. Design-Juror Christian Doering (Kolle Rebbe) lobt vor allem die kreative Bandbreite der deutschen Teilnehmer. Sie hätten die gesamte Klaviatur der Designdisziplinen bespielt: vom klassischen Print-Design über Product Design bis hin zu Interactive Design. Begeistert zeigt sich Doering vor allem von den Arbeiten von Heimat für Bloomy Days und den Bundesverband Deutscher Bestatter, auch wenn diese am Ende "nur" mit Silber belohnt wurden.
Über einen silbernen Löwen können sich außerdem Publicis Pixelpark und Puma für "9,58 Seconds - The World’s Fastest Annual Report" sowie Scholz & Friends und The Female Company für "The Tampon Book: A Book Against Tax Discrimination" freuen. Mit Bronze wurden folgende Design-Einsendungen aus Deutschland bedacht: Mutabor und PAL - U-Werk Karoline für "PAL - Phase Alternating Line", Scholz & Friends und Der Tagesspiegel für "#Queerformat" und Serviceplan und Dot für "Dot Mini. The First Smart Media Device for the Visually Impaired."



Der Design Grand Prix geht an das Google Creative Lab in New York für das Projekt "Creatability", eine AI-basierte Plattform, die behinderten Menschen den Zugang zu Technologien ermöglichen soll, die ihnen eine bessere kreative Ausdrucksweise und Interaktion mit ihrer Umwelt ermöglichen. Insgesamt gab es 47 Design-Löwen (2018: 70 Design-Löwen).

Zwei Löwen in der Kategorie Print & Publishing

In der Kategorie Print & Publishing reichte es nur zwei deutsche Löwen. Silber geht an Scholz & Friends und die Berliner Philharmoniker für die "Rearranged"-Kampagne, die auch schon beim deutschen ADC zu den großen Abräumern zählte. Gleiches lässt sich über den Bronze-Gewinner sagen: Ogilvy und die Deutsche Bahn mit diversen Motiven aus der Kampagne "Spar dir den Flug". Jurorin Mieke Haase (Loved) stellt fest, dass Innovationen im Print & Publishing-Bereich eher rar gesät sind. "Da geht noch einiges", lautet ihr Appell an die Kreativszene. Generell seien die Publishing-Arbeiten deutlich stärker gewesen als die klassische Print-Anzeigen. Deshalb sieht sie im Publishing-Bereich auch das größte kreative Potenzial für die Zukunft.
Mit kreativen Foto-Vergleichen bewerben Ogilvy und die Deutsche Bahn das Sommerticket
Deutsche Bahn
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Auch der Grand-Prix-Gewinner kommt aus diesem Segment: Er geht an Impact BBDO in Dubai und den Kunden An-Nahar für "The Blank Edition", eine komplett ohne Inhalt gedruckte Auflage der bekannten arabischen Tageszeitung An-Nahar, mit der diese ihren Protest gegen die politische Lage im Libanon ausdrücken wollte. Insgesamt gab es dieses Jahr 32 Print & Publishing Löwen. Auch das sind deutlich weniger als im Vorjahr. Damals waren es 49.

Nullrunde für Deutschland in Outdoor, Health & Wellness und Pharma

Ganz schön bitter: Bei den Outdoor Lions ging Deutschland dieses Jahr leer aus. Letztes Jahr gab es hier noch sechs Löwen für Deutschland. Jurorin Alice Bottaro (Antoni) wagt einen Erklärungsversuch: "Unsere Jury war generell sehr streng. Die deutschen Teilnehmer müssen in jedem Fall mutiger werden - vor allem im Ambient und Experiental-Bereich". Ihr Gremium habe sich stets auch die Mediapläne angeschaut, um festzustellen, ob die eingereichten Arbeiten auch wirklich das Potenzial hatten, Eindruck zu hinterlassen und mit den Menschen zu interagieren. "Gute Kreation ist in dieser Kategorie nicht genug", stellt Bottaro fest. Goldideen hätten hier keine Chance gehabt.

Die Outdoor-Jury hätte zwei Grands Prix vergeben können, hat sich letztlich aber für einen entschieden. Der Preis geht an Wieden + Kennedy und Nike für "Dream Crazy / Colin Kaepernick". Es handele sich hier zwar "nur" um ein klassisches Billboard, dieses habe aber weltweit höhere Wellen geschlagen als jede andere Arbeit. Generell sei das Haltungsthema in ihrer Jury sehr dominant gewesen, stellt Bottara fest, wenngleich das Gremium stets darauf geachtet habe, dass die Haltung glaubwürdig ist und zur Marke passt.
Nike und Wieden + Kennedy holen den Grand Prix in der Kategorie Outdoor Lions
© Nike
Nike und Wieden + Kennedy holen den Grand Prix in der Kategorie Outdoor Lions
Haltung, Glaubwürdigkeit und Mehrwert für die Gesellschaft: Darum geht es auch in den Kategorien Pharma sowie Health & Wellness. "Wir sind vielleicht nicht die coolste Branche, aber wir können wirklich Leben retten und verändern", sagt Pharma-Expertin Bianca Eichner (We Communications). Bester Beweis für ihre Aussage: der Grand Prix für "Breath of Life". Es handelt sich dabei um eine chinesische App, mit deren Hilfe das Smartphone  zum Selbstdiagnose-Tool wird und eine chronische COPD-Erkrankung erkennen kann. Absender dieses Projekts sind McCann Health in Shanghai und GSK Glaxo Smith Kline.
Ähnlich lebensverändernd ist das Projekt, das in der Kategorie Health & Wellness mit dem Hauptpreis geehrt wurde. "Thisables" von Ikea ist eine Produktkollektion bzw. -erweiterung, die behinderten Menschen das Leben leichter macht. McCann in Tel Aviv hatte dazu die Idee. Der deutsche Juror Christian Geis (Wefra) lobt vor allem die Tatsache, dass die Arbeit beliebig skalierbar ist und deshalb das Potenzial hat, weltweit ausgerollt zu werden. Auch zeige es, dass Marken wie Ikea im Gesundheitsbereich durchaus auch eine Vorreiterrolle einnehmen und Vorbild sein können, wenn es um ein so wichtiges Thema wie Inklusion geht.


Für die schlechte Performance der deutschen Teilnehmer haben Eichner und Geis zwei mögliche Erklärungen: "Die Gesundheits- und Pharma-Branche steckt in Deutschland in einem sehr engen Restriktionsrahmen. Da sind andere Länder schon weiter", so Geis. Eichner stellt außerdem fest, dass viele der deutschen Einsendungen schlichtweg nicht mutig und außergewöhnlich genug aufbereitet sind und einige der guten Arbeiten hier erst gar nicht im Rennen waren. "Traut euch!", lautet deshalb ihr Appell an die deutschen Pharma- und Health-Experten. bu

Die Preisverleihung in Zahlen

Design: 47 Löwen insgesamt / 8 für Deutschland / 1469 Einsendungen
Print & Publishing: 32 Löwen insgesamt / 2 für Deutschland / 1252 Einsendungen
Outdoor: 65 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 2389 Einsendungen
Health & Wellness: 33 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 1186 Einsendungen
Pharma: 11 Löwen insgesamt / 0 für Deutschland / 363 Einsendungen 

 
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