Cannes-Grand-Prix-Gewinner Matthias Spaetgens

"Ich zweifle nicht an der Qualität der deutschen Werbung"

Chief Creative Officer Matthias Spaetgens kann stolz auf seine Scholz & Friends-Truppe sein
© Scholz & Friends
Chief Creative Officer Matthias Spaetgens kann stolz auf seine Scholz & Friends-Truppe sein
Scholz & Friends hat sich heute bei den Cannes Lions selbst ein Denkmal gesetzt. Für die Agenturgruppe gibt es den ersten deutschen Grand Prix in der Sparte PR. Damit zementiert das Team seine Spitzenposition im Ranking der erfolgreichsten deutschen Cannes-Teilnehmer. Wer hier in den nächsten Tagen noch vorbeikommen will, muss wohl den kreativen Vorschlaghammer herausholen. Deutschland-Kreativchef Matthias Spaetgens spricht im HORIZONT-Interview über den unerwarteten Triumph seiner Agentur.

Wie sehr hat Sie der Grand Prix überrascht? Ich muss gestehen, ich vergesse unsere Arbeiten immer ein Stück weit und freue mich, wenn sie bei Wettbewerben aufpoppen und einen Preis gewinnen. Dass es so einen Paukenschlag gibt, überrascht uns alle. Wir freuen uns über den Grand Prix, würden uns aber noch mehr freuen, wenn die Tampon-Steuer angepasst wird.



Wie wichtig ist dieser Erfolg für Scholz & Friends? Es ist ja nicht so, dass wir vor unserer Award-Pause 2018 nicht erfolgreich waren. Wir gehörten auch 2017 zu den besten deutschen Cannes-Teilnehmern. Komischerweise fliegen wir in der Öffentlichkeit diesbezüglich immer ein wenig unter dem Radar. Deshalb freuen wir uns jetzt umso mehr, dass wir nach der Pause so ein Comeback hinlegen und an das schöne ADC-Ergebnis anknüpfen können.
„Dass es so einen Paukenschlag gibt, überrascht uns alle. Wir freuen uns über den Grand Prix, würden uns aber noch mehr freuen, wenn die Tampon-Steuer angepasst wird.“
Matthias Spaetgens
Sie haben die Award-Pause im vergangenen Jahr nicht zuletzt deshalb eingelegt, um zu überlegen, wie Scholz & Friends künftig mit dem Thema Kreativwettbewerbe umgeht. Haben Sie einen neuen Weg gefunden und lautet der zufällig Vollgas? Unser Weg sieht so aus, dass wir weiterhin von Jahr zu Jahr neu beurteilen werden, wie wir mit dem Thema umgehen. Wir lassen uns da nicht von irgendwelchen Rankings leiten. Abgesehen davon interessiert mich am meisten, dass wir in der Breite gute Qualität liefern. Beim ADC haben wir mit Kampagnen für elf verschiedene Kunden gewonnen, hier in Cannes sind wir mit Arbeiten für fünf Kunden auf dem Siegertreppchen - und das noch dazu in ganz unterschiedlichen Disziplinen.

Den Grand Prix gab es in der Disziplin PR. Welche Beziehung haben Sie zu dieser Kategorie? Eine sehr enge, weil unsere Berliner Agentur seit Jahren eng mit den PR-Kollegen von Scholz & Friends zusammenarbeitet. Die Verknüpfung von Kreation und PR hat bei uns also eine lange Tradition. Ein Projekt wie das Tampon-Buch wäre ohne die Kultur unseres runden Tischs, an dem verschiedene Disziplinen zusammenkommen, gar nicht möglich. Abgesehen von Scholz & Friends haben dieses Jahr nicht viele deutsche Agenturen Grund, über das Ergebnis der Cannes Lions zu jubeln. Die Ausbeute ist eher mau. Woher kommt das? Da kann ich nur für uns sprechen: Wir freuen uns sehr. Insgesamt zweifle ich auch nicht an der Qualität der deutschen Werbung.


Der Grand Prix sowie die Gold-Löwen gehen auf das Konto des Berliner Teams. Wann greift Hamburg mit dem neuen Kreativchef Tobias Ahrens an? Hamburg hat zwei Shortlist-Platzierungen für eine Kampagne für den Tagesspiegel in der Kategorie Radio & Audio. Natürlich hoffe ich, dass da auch noch ein Löwe draus wird. Abgesehen davon sehe ich den Unterschied zwischen Berlin und Hamburg eigentlich auch gar nicht so sehr. Wir arbeiten sehr standort- und disziplinübergreifend zusammen und unterstützen uns gegenseitig.

Cannes Lions - die erfolgreichsten deutschen Teilnehmer - Zwischenbilanz vom 19. Juni*

RangAgentur / EinreicherLöwenPunkte
1Scholz & Friends946
2Ogilvy 414
3Heimat313
4Serviceplan412
5Anorak (mit Antoni)311
6BBDO28
7DDB17
8Publicis Pixelpark15
9Mutabor13
9Iconoclast (mit Antoni)13
Quelle: *Cannes Lions / eigene Berechnung (ohne Shortlist, berechnet nach offizieller Cannes-Punktewertung (Grand Prix / Grand Prix for Good = 10 Punkte, Gold 7, Silber 5, Bronze 3)

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