BVDW Kreativranking

Das sind die besten Agenturen im Bereich digitale Kreation

Max Lederer, Kreativgeschäftsführer und Partner von Jung von Matt, betont, dass seine in den letzten Jahren viel Arbeit und Energie in integrierte Kampagnen und digitale Plattformen gesteckt hat
© Jung von Matt
Max Lederer, Kreativgeschäftsführer und Partner von Jung von Matt, betont, dass seine in den letzten Jahren viel Arbeit und Energie in integrierte Kampagnen und digitale Plattformen gesteckt hat
Thronsturz im BVDW-Kreativranking: Die Serviceplan-Gruppe muss ihren angestammten Spitzenplatz nach fünf Jahren abgeben und Jung von Matt den Vortritt lassen. Auf Rang 3 folgt die Digitalagentur Denkwerk. Grabarz & Partner und Demodern landen auf den Plätzen 4 und 5.

Nachdem Jung von Matt bereits 2018 im disziplinübergreifenden HORIZONT-Kreativradar mit riesigem Vorsprung auf der Pole Position fuhr, folgt nun also die Auszeichnung als beste deutsche Agentur in Sachen Digitalkreation. Die Übereinstimmung zwischen den beiden Rankings ist wenig überraschend, da die großen Abräumer bei Award Shows heutzutage meistens digitale Komponenten, wenn nicht generell ihren Ursprung in den digitalen Medien haben.



Im Fall von Jung von Matt ist die meistprämierte Arbeit der vergangenen Award-Saison gleichzeitig diejenige, die auch am häufigsten in den Digitalkategorien der wichtigsten nationalen und internationalen Kreativwettbewerbe punkten konnte. Die Rede ist von der "#Vielfalt"-Kampagne für Edeka. Dabei handelt es sich zwar genau genommen um eine Guerilla-Aktion mit hohem PR-Effekt, allerdings hat diese erst mithilfe des begleitenden dokumentarischen Kampagnenfilms und dem dadurch in den sozialen Medien ausgelösten Buzz so richtig an Fahrt aufgenommen.
Neben dieser Kampagne konnte die Agentur auch mit einem klassischen Digitalprojekt überzeugen. Die Rede ist von der BMW-Website, die von den Machern als „schnellste Automotive-Content-Marketing-Plattform der Welt“ bezeichnet wird. Bereits Ende 2017 haben der Autobauer und seine Agentur die Website relauncht und im Zuge dessen aus einer reinen Produktseite eine Plattform für Kultur-, Lifestyle-, Reise- und Luxusthemen gemacht. Dafür gab es unter anderem drei goldene Webbys, Gold beim Deutschen Digital Award sowie zweimal Silber und einmal Bronze beim deutschen ADC-Wettbewerb.

Zu den meistprämierten digitalen Arbeiten von JvM zählt außerdem die Kampagne rund um den „BVG x Adidas-Ticketschuh“ im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe. Max Lederer, Partner und Kreativgeschäftsführer von Jung von Matt, sagt zu dem erfreulichen Abschneiden: "Es freut uns sehr, dass die viele Arbeit und Energie, die wir in den letzten Jahren in integrierte Kommunikation und digitale Plattformen für unsere Kunden investiert haben, sich nun auch in dieser Auszeichnung widerspiegelt."


Schon jetzt ist allerdings auch klar, dass Jung von Matt diesen Erfolg im kommenden Jahr nicht wiederholen wird. Die Agenturgruppe befindet sich nämlich aktuell in ihrer turnusmäßigen Award-Pause. Serviceplan nebst Digitaltochter Plan.Net hat also die Chance, sich die Pole-Position zurückzuerobern. In diesem Kontext stellt BVDW-Vizepräsident Marco Zingler fest, dass sich die Agentur im Vergleich zum Vorjahr eigentlich gar nicht so sehr verschlechtert habe. Es sei aber generell so, dass man immer mehr Punkte brauche, um sich einen Platz in den Top 10 zu sichern. Er erklärt das damit, dass die wichtigsten Award Shows vor allem in den digitalen Kategorien stärker denn je beschickt würden.

BVDW-Kreativranking Digitale Kreation: Die Top 30

Rang 2019Rang 2018AgenturPunktePreise
111Jung von Matt 3397,580
21Serviceplan / Plan.net*190149
36Denkwerk153839
45Grabarz & Partner 97023
510Demodern947,524
62Cheil Germany81223
7Ogilvy797,520
84Heimat Werbeagentur78419
99DDB Group Germany780,1623
1012Kolle Rebbe737,6626
11MRM // McCann54011
1216BBDO51614
1314La Red41910
1413Philipp und Keuntje 3799
15Thjnk3407
16Castenow Communications33310
17Havas Germany3248
1829Strichpunkt2979
197Scholz & Volkmer284,58
20Überground2536
21Grey Germany2517
2220Fischer Appelt2368
2315Interone BBDO2065
24Deepblue Networks 1805
25Crossmedia162,57
26Hauser Lacour 1595
2727GUD Berlin1514
28Mediacom1403
29Loved1304
3030Ufomammoot 1283
Quelle: BVDW
Die Serviceplan-Gruppe konnte im vergangenen Jahr unter anderem mit den Projekten "Adoptify" im Auftrag des Münchner Tierschutzvereins, "The Strellson Like Shop" für Strellson und "Say it with Sky" für Sky punkten.

BVDW-Vize Zingler hat es mit seiner eigenen Agentur Denkwerk auf den 3. Platz im Digital-Kreativranking geschafft. Neben Demodern (Rang 5) ist es die einzige reine Digitalagentur in den Top 10. Zumindest bei seiner Agentur steckt hinter dem guten Abschneiden eine dezidierte Award-Strategie. Ohne diese und ein gewisses Budget geht es nicht, wenn man wie Denkwerk den Anspruch hat, unter den Top 5 zu stehen, so Zingler.

Seine Agentur konnte unter anderem mit der Experience-Website und einer VR-Anwendung zum Thema "World of Synesthesia" überzeugen, die das neurologische Phänomen der Synästhesie erlebbar machen. Punkten konnte das Team außerdem mit der Online-Plattform "Art 4 Global Goals" in Kooperation mit der Düsseldorfer You Stiftung. Hier konnten sich die User mithilfe von digitalen Pinselstrichen verewigen, die anschließend von einem extra dafür programmierten Algorithmus zu einem Kunstwerk komponiert wurden, das quasi ein Gemeinschaftsprodukt von Mensch und Maschine ist.
Solche rein digitalen Projekte würden in internationalen Jurys mitunter besser bewertet als in Deutschland, stellt Zingler fest. "Hier liegt der Schwerpunkt noch sehr auf digitalen Kampagnen mit Fokus auf Bewegtbild." Für Anke Herbener, Vorsitzende des Fachkreises Fullservice-Agenturen im BVDW, ist das nicht unbedingt negativ zu bewerten. Immerhin sei es mittlerweile so, dass digitale Projekte aus Deutschland inzwischen international mithalten können. Bei den Arbeiten fiel ihr außerdem positiv auf, "dass viele durch digitale Exzellenz über alle Kanäle hinweg überzeugen". Für 2019 rechnet sie damit, dass bei den Kreativwettbewerben noch mehr Projekte aus den Bereichen Augmented und Virtual Reality sowie Künstliche Intelligenz zu sehen sein werden. Zu Letzterem zählen auch die Bereiche Sprachsteuerung und Machine Learning. IoT-Cases aus Deutschland seien hingegen Mangelware – zumindest auf der Award-Bühne. "Das mag auch daran liegen, dass die meisten IoT-Projekte derzeit im B2B-Bereich stattfinden. Dort ist das Internet der Dinge in jedem Fall schon ein Riesenthema."

Generell tut sich der BVDW weiterhin schwer damit, Agenturen mit digitaler DNA zum Mitmachen bei Kreativshows zu animieren. In den Top 30 befinden sich neben Denkwerk und Demodern gerade mal fünf weitere Player, die ihre Wurzeln im digitalen Bereich haben: La Red, Interone, Scholz & Volkmer, Deepblue Networks und Ufomammoot. Vergleicht man das BVDW-Umsatzranking mit dem Kreativranking, so tauchen gerade mal fünf Agenturen beziehungsweise Agenturgruppen, die in den Top 60 des Umsatzrankings gelistet sind, auch im Kreativranking auf. Um das zu ändern, soll es dieses Jahr im Vorfeld des Deutschen Digital Awards einen Pre-Event geben, bei dem der BVDW den Teilnehmern anhand von Workshops vermitteln will, wie sie ihre Arbeiten für Award Shows aufbereiten können. Zingler betont: "Wir wollen noch mehr reine Digitalagenturen dazu bringen, sich stärker mit dem BVDW-Kreativranking zu beschäftigen." bu

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