Brinkert Metzelder

Diese drastische Kampagne wirbt gegen rechten Hass im Netz

Die Kampagne zieht drastische Parallelen zum Dritten Reich
© Laut gegen Nazis
Die Kampagne zieht drastische Parallelen zum Dritten Reich
Der Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke erschüttert die Republik. Die Tat zeigt: Einige Rechtsextreme sind offenbar bereit, den vielfach im Netz geäußerten Worten Taten folgen zu lassen. Deshalb erhebt die Initiative Laut gegen Nazis nun die Stimme gegen rechten Hass im Netz - und greift dabei zu einem drastischen Vergleich.
Die von der Agentur Brinkert Metzelder gestaltete Kampagne zeigt Szenen aus dem Dritten Reich und versieht sie mit aktuellen Hasskommentaren, die bei Youtube, Facebook und Twitter gepostet wurden. Die Nazi-Schergen auf den historischen Fotografien halten nun etwa ein Plakat hoch, auf dem zu lesen ist: "Wir sollten eine SA gründen und aufräumen". Eine ähnliche Mechanik hatten im vergangenen Jahr bereits der Verein Gesicht zeigen und Ogilvy angewandt.
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Auf den Originalaufnahmen aus den frühen 1930er Jahren ist judenfeindliche Hetze zu lesen, etwa der berüchtigt gewordene Spruch: "Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!". Diese Stimmungsmache mündete schließlich in den Holocaust und millionenfachen Mord. Damals stellte sich kaum jemand der aufkeimanden Gewalt entgegen - heute müssen wir uns aktiv wehren, so die Botschaft der Kampagne. Deswegen steht auf den Motiven: "Die Worte sind zurück. Die Taten müssen wir verhindern."
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Besonders dringlich wird die Botschaft durch den Mordfall Walter Lübcke. Der Mordverdächtige, der die Tat inzwischen gestanden hat, kommt aus der rechten Szene. Er will Lübcke wegen dessen Verteidigung der Asylpolitik Angela Merkels erschossen haben. Lübcke hatte 2015 auf einer Bürgerveranstaltung gesagt: "Da muss man für Werte eintreten. Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."

"Wenn man sich Postings im Netz anschaut, über den widerlichen Mord an Walter Lübcke in den Medien liest oder auf der Straße Neonazi-Aufmärsche sieht, ist es dringend nötig, unsere Stimme gegen Hass zu erheben. Wir alle sind gefordert, #lautgegenNazis zu sein", sagt Jörn Menge, Initiator "Laut gegen Nazis". 
Raphael Brinkert, Gründer von BrinkertMetzelder, fügt hinzu: "Worte und Morde eint, dass sie nur einen Klick brauchen, um irreparablen Schaden anzurichten. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, sind wir alle gefordert, nicht wegzusehen, sondern unsere Stimme gegen Hass im Netz aktiv zu erheben und mit aller Schärfe gegen rechtsextreme Postings vorzugehen."
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Die Kampagne läuft noch bis zu den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen, die am 1. September stattfinden, in sozialen Netzwerken. Zuletzt lagen die CDU und die Alternative für Deutschland bei den Prognosen für Sachsen Kopf an Kopf, auch in Brandenburg sind die Rechtspopulisten im Aufwind. Laut BrinkertMetzelder dürfen die Motive von Dritten kostenlos genutzt werden.


Ende des vergangenen Jahres sorgte Laut gegen Nazis mit der Kampagne #unfollowme für Schlagzeilen. Damals forderten Prominente wie Lena Meyer-Landruth, Sido und Smudo Menschen mit rechtem Gedankengut auf, ihnen nicht mehr in sozialen Netzwerken zu folgen. Die Idee zu der Kampagne stammte von Heimat. ire
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