Bilanz 1. Halbjahr

Publicis-Zahlen kommen nicht gut an / Deutscher Markt verliert kräftig

Für Publicis-Chef Arthur Sadoun läuft es derzeit nicht sonderlich gut
© Arthur Delloye
Für Publicis-Chef Arthur Sadoun läuft es derzeit nicht sonderlich gut
Die französische Werbeholding Publicis hat ihre Zahlen für das 1. Halbjahr veröffentlicht. Auf organischer Basis, also ohne Währungseffekte und Zukäufe, verliert die Gruppe in den ersten sechs Monaten des Jahres 0,7 Prozent ihres Geschäfts und kommt auf einen Netto-Umsatz von 4,35 Milliarden Euro. Die operative Marge geht um 0,3 Punkte auf 14,1 Prozent zurück. An der Börse kommt diese Bilanz nicht gut an. Die Publicis-Aktie verlor am frühen Morgen 6 Prozent an Wert. Dazu trägt auch der wenig optimistische Ausblick bei: Das Unternehmen rechnet für das Gesamtjahr mit stagnierenden Umsätzen.
Dabei lief das Geschäft im 2. Quartal wieder etwas besser als zu Beginn des Jahres. Im 1. Quartal hatte die Gruppe noch 1,6 Prozent eingebüßt, für den Zeitraum April bis Juni vermeldet CEO Arthur Sadoun wieder ein - wenn auch nur minimales - Plus von 0,1 Prozent. Zu kämpfen hat die Holding, wie auch Wettbewerber WPP, vor allem in Nordamerika. Dort ging das Geschäft um 1,7 Prozent zurück. Als Grund dafür nennt Sadoun Budgetreduktionen in der klassischen Werbung in Branchen, in denen man ein überproportional hohen Anteil halte - insbesondere im Bereich Konsumgüter.


Besser läuft es für Publicis in Europa. Hier verbucht die Gruppe im 2. Quartal einen Umsatzzuwachs von 2,4 Prozent. Vor allem Märkte, in denen man den agenturübergreifenden Ansatz "Power of One" mit einer starken zentralen Führung etabliert habe, entwickelten sich gut, erklärt CEO Sadoun. So legte der Umsatz in Großbritannien um 4,8 Prozent und in Frankreich um 3,1 Prozent zu. Im deutschen Markt verliert man dagegen kräftig: Hier bricht der Umsatz um 9 Prozent ein. Ein Grund dafür dürfte der Verlust des Mediaetats von Mercedes-Benz an Wettbewerber Omnicom sein. Zudem hat der frühere Großkunde Philip Morris die Spendings weiter reduziert.

Gegensteuern will die Holding mit der Stärkung des Modells, das man bereits in Großbritannien und Frankreich etabliert hat. Das gilt insbesondere für den US-Markt. Dort gibt es künftig zwei zentrale Führungsgremien: Zum einen auf Gruppenebene das "Publicis Groupe US ComEx" unter Führung von Konzernchef Sadoun persönlich, zum anderen eine in drei Zonen aufgeteilte Führung für die Sparte Publicis Communications US. Im deutschsprachigen Raum steht Justin Billingsley an der Spitze von Publicis. Auf operativer Ebene kümmert sich Frank-Peter Lortz um das Geschäft im deutschen Markt. Neben seiner Funktion als Chef von Publicis Media und Publicis Communications hat er zuletzt auch interimistisch die Leitung von Publicis Pixelpark übernommen. Die bisherigen Chefs Horst Wagner (Publicis Communications) und Dirk Kedrowitsch (Publicis Pixelpark) haben die Gruppe verlassen.


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International ruhen die Hoffnungen zudem auf der inzwischen abgeschlossenen Übernahme des CRM-Dienstleisters Epsilon. Publicis hatte das US-Unternehmen im April für mehr als 4 Milliarden US-Dollar erworben - der teuerste Zukauf der Konzerngeschichte. Mut macht CEO Sadoun sich, Mitarbeitern und Investoren zudem damit, dass man in den sogenannten "Game Changer"-Bereichen (digitale Transformation)  im 1. Halbjahr um mehr als 20 Prozent zulegen konnte.

Kurz vor Publicis hatte auch US-Wettbewerber Omnicom seine Zwischenbilanz veröffentlicht. Bei der Muttergesellschaft von Agenturen wie BBDO, DDB, TBWA und OMD geht der Umsatz im 1. Halbjahr um 4 Prozent zurück. Konzernchef John Wren begründet den Rückgang vor allem mit Währungs- und Veräußerungseffekten. Organisch sei das Geschäft dagegen um 2,7 Prozent gewachsen. Trotzdem kommen auch die Omnicom-Zahlen nicht gut am Kapitalmarkt an, die Aktie verlor nach Vorlage der Bilanz 3 Prozent an Wert. mam
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