Award Shows in Zeiten von Corona

Wie der GWA sein Flaggschiff Effie Germany feiern will - und was die Jury anders macht

   Artikel anhören
Der GWA hofft darauf, anlässlich des Effie Germany wenigstens ein Winners Dinner veranstalten zu können, wenn schon keine große Gala
© GWA
Der GWA hofft darauf, anlässlich des Effie Germany wenigstens ein Winners Dinner veranstalten zu können, wenn schon keine große Gala
Die Corona-Pandemie wirbelt das Award-Business ordentlich durcheinander. Die wichtigsten Werbeshows rund um den Globus fanden dieses Jahr rein virtuell statt. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA wollte mit dem Effie Germany die große Ausnahme bilden. Allerdings wird die beliebte Gala im Herbst nicht stattfinden können, sondern lediglich eine sehr abgespeckte Variante davon. Dazu später mehr. Dennoch hat der GWA allen Grund, optimistisch zu sein, denn das Flaggschiff des deutschen Agenturverbands steht besser da denn je, wenn man die Anzahl der Einsendungen als wichtigstes Erfolgskriterium nimmt.
Seit Jahren bemüht sich der GWA um mehr Teilnehmer für seinen Effektivitätswettbewerb. Dafür hat er viel Aufwand in Form von neuen Kategorien, Roadshows und einer eigenen Bühne für die Gold-Gewinner im Rahmen des Effie-Kongresses betrieben. Ausgerechnet im Corona-Jahr ist es endlich gelungen, einen neuen Einsenderekord aufzustellen – mit der simpelsten aller denkbaren Methoden: der Abschaffung der Einsendegebühren. Außerdem konnten sich die Teilnehmer das sonst als Bestandteil der Einreichung obligatorische Case-Video sparen. Beides zusammen sorgte dafür, dass sich auch kleinere Agenturen erstmals an den Effie Germany herangewagt haben, die sonst nicht unbedingt für ihre Teilnahme an Award Shows bekannt sind.

Die Finalistenplätze verteilen sich wie folgt: 83 schafften es in die Endrunde im Bereich B-to-C, 18 Arbeiten konkurrieren in der Sparte B-to-B um die Medaillen und sechs im Bereich Health - das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Meist gelesen auf Horizont+
Die Hauptjury-Sitzung fand diese Woche statt. Im Vorfeld hat Wunderman-Chefin Larissa Pohl, die sich den Jury-Vorsitz mit Ikea-Marketingchef Heiko Klauer teilt, bereits angekündigt, dass die mehr als hohe Zahl an Finalisten nichts zwangsläufig auch in einen Medaillenrekord münden sollte. "Die qualitative Auseinandersetzung mit den Cases ist die größte Herausforderung, die wir intern haben." Generell sei die Qualität der Einsendungen in diesem Jahr sehr hoch. Das führe zwangsläufig dazu, dass die Messlatte höher liegt als in den Vorjahren.
Larissa Pohl ist im GWA-Vorstand noch bis Ende des Jahres für das Effie-Ressort zuständig
© Wunderman Thompson
Larissa Pohl ist im GWA-Vorstand noch bis Ende des Jahres für das Effie-Ressort zuständig
Ob diese erfreulichen Erkenntnisse dazu führen werden, dass die Teilnahme am Effie Germany generell erschwinglicher wird, ist aktuell Bestandteil interner Diskussionen. „Wir kennen jetzt unseren Markt und wissen, wie häufig wir das ,Produkt Effie-Einsendung‘ theoretisch absetzen können“, erklärt Mirco Hecker, Geschäftsführer von GWA Service. "Jetzt überlegen wir, wie wir in den kommenden Jahren mit der Einsendegebühr und dem Thema Case-Video umgehen." Vor allem in Bezug auf das Case-Video deutet Hecker langfristige Veränderungen an. Bei Kategorien wie Marketing-Automation sei es tatsächlich nicht zwingend erforderlich, das Konzept anhand eines Films zu erklären. Die eingesetzten Werbemittel könnten auch in Form eines PDFs präsentiert werden so wie es dieses Jahr generell der Fall war.

Tickets für Effie-Kongress und Gala
Der Effie-Kongress findet im November über mehrere Tage verteilt jeweils ab 12 Uhr auf Youtube statt. Das genaue Startdatum wird nach der Jurysitzung bekannt gegeben. Kongresstickets gibt es zum Einzelpreis von 129 Euro beziehungsweise oder als Bundle mit einem Jahresabo von HORIZONT Digital für 169 Euro. Darin ist auch die virtuelle Effie-Show mit Bekanntgabe des Grand Prix enthalten. Hier geht es zum Ticket-Shop.
Ein weiteres Novum im Corona-Jahr, das auch in Zukunft beibehalten werden soll, ist die geheime Abstimmung über das Edelmetall. Wenngleich Pohl auf eine rege Diskussion hofft, entscheidet am Ende reine Mathematik, wer es aufs Treppchen schafft. Im Gegensatz zu früheren Jurysitzungen hat der GWA die öffentliche Abstimmung per Handzeichen abgeschafft. "Wir haben festgestellt, dass eine öffentliche Abstimmung großen Effekt auf das Endergebnis hat, weil sich die Juroren immer wieder gegenseitig beeinflussen. Wir glauben, dass wir durch das neue Prozedere, das wir auch in Zukunft beibehalten werden, die Objektivität erhöhen."

„Wir glauben nicht daran, dass jemand sechs Stunden lang vor dem Bildschirm sitzt, um sich einen virtuellen Kongress anzuschauen.“
Mirco Hecker
Konkret bedeutet das: Erst wird geheim abgestimmt, dann werden strittige Fälle diskutiert, dann wird erneut geheim abgestimmt. Maximal 100 Punkte kann jeder Juror vergeben. Für Bronze muss eine Einsendung mindestens 70 Punkte erreichen, für Silber mindestens 80, für Gold mindestens 90. Strittige Fälle sind jene, bei denen nach der ersten Abstimmungsrunde sehr hohe Diskrepanzen bestehen, etwa weil ein Juror 10, der andere 90 Punkte vergeben hat. Außerdem werden Kampagnen erneut diskutiert, die knapp zwischen zwei Edelmetallstufen stehen.

Die Gewinner werden wie in den vergangenen Jahren ab Oktober vorab in HORIZONT bekannt gegeben. Der Effie-Kongress findet dieses Jahr virtuell statt – und zwar verteilt auf mehrere Tage, gerechnet ab dem 12. November rückwärts. Dann werden täglich um die Mittagszeit zwei bis maximal drei Gold-Cases von ihren Machern auf Youtube präsentiert. Die Zuschauer können via Chat Fragen dazu stellen. Hecker erklärt: "Wir glauben nicht daran, dass jemand sechs Stunden lang vor dem Bildschirm sitzt, um sich einen virtuellen Kongress anzuschauen. Deshalb haben wir uns für dieses Format entschieden, bei dem wir den Effie-Kongress auf leicht verdauliche Häppchen zur Mittagszeit verteilen."

Etwas schwerer wird die Mahlzeit am 12. November: Dann gibt es zusätzlich drei Keynote-Präsentationen und eine anschließende Branchendiskussion. Hier kooperiert der GWA mit der Account Planning Group, deren eigene Strategiekonferenz Grow dieses Jahr wegen Corona ausfallen muss. Der britische Marketingprofessor Mark Ritson sowie Gordon Euchler, Head of Planning bei BBDO, sind bereits als Sprecher gesetzt. Euchler wird die gemeinsam von der APG, BBDO und Wall Decaux erhobene Studie "Deutschlands Werbelieblinge" präsentieren.

Am frühen Abend des 12. November findet dann die virtuelle Effie-Gala in komprimierter Form statt. Neben der Bekanntgabe des Grand Prix werden GWA-Präsident Benjamin Minack und Markus Frank, Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt und Jurypräsidentin Larissa Pohl zu Wort kommen. Hinzu kommen ein musikalischer Showact mit der britischen Band Duke sowie der Auftritt eines Youtube-Creators. Sofern es die Corona-Situation zulässt, ist im Anschluss daran ein festliches – und physisches – Winners Dinner vorgesehen. bu
Kommentare

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

    stats