Auswirkungen der Coronakrise

WPP-Chef Mark Read hofft, dass das Schlimmste vorbei ist

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WPP-Chef Mark Read gibt sich einigermaßen zuversichtlich
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WPP-Chef Mark Read gibt sich einigermaßen zuversichtlich
Als letzte der großen Werbeholdings hat die britische WPP-Gruppe ihre Zahlen für das 2. Quartal und das 1. Halbjahr 2020 vorgelegt. Wie erwartet ist auch die Muttergesellschaft von Agenturen wie Ogilvy, Wunderman Thompson, VMLY&R und der Group M massiv von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen. So fiel der bereinigte Nettoumsatz im 2. Quartal um 15 Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund Sterling (rund 2,6 Milliaden Euro). Konzernchef Mark Read hofft, dass seine Gruppe damit das Schlimmste hinter sich hat - vorausgesetzt es gibt keinen weiteren Lockdown der Wirtschaft.
Für das 1. Halbjahr steht ein Rückgang des bereinigten Nettoumsatzes von 9,5 Prozent auf 4,7 Milliarden Pfund in den Büchern. Zum Vergleich: Die Wettbewerber Publicis und Interpublic hatten für die ersten sechs Monate einen Umsatzrückgang von 8 beziehungsweise 5 Prozent gemeldet. Bei der US-Holding Omnicom waren es in diesem Zeitraum 14 Prozent. Der Rückgang im 2. Quartal fiel auch bei der Konkurrenz deutlich höher aus (Publicis: minus 13 Prozent; Interpublic: minus 10 Prozent; Omnicom: minus 25 Prozent).

Betrachtet man die einzelnen Märkte, ergibt sich ein diffenziertes Bild. Während WPP im 2. Quartal in den USA knapp 10 Prozent seines Nettoumsatzes verloren hat, waren es in Großbritannien rund 23 Prozent, in Deutschland etwa 12 Prozent und in China rund 3 Prozent. Bei den einzelnen Konzernsparten ist der Bereich Public Relations am glimpflichtsen davon gekommen. Hier beträgt das Umsatzminus (netto) im 2. Quartal 7,5 Prozent, für das 1. Halbjahr ergibt sich ein Rückgang von 4,5 Prozent. Deutlich härter hat es die global aufgestellten integrierten Networks getroffen (Q2: minus 15,7 Prozent; H1: minus 9,5 Prozent). Von ihnen hat sich laut Holding-Auskunft VMLY&R am besten entwickelt. Auch bei Wunderman Thompson lief es besser als im Schnitt. Größere Einbrüche gab es dagegen beim Mediaagenturverbund Group M.
„Unter der Annahme, dass es weder eine zweite Welle noch größere Lockdowns gibt, wird das 2. Quartal voraussichtlich die härteste Periode des Jahres sein.“
Mark Read, WPP
Der operative Gewinn von WPP liegt bei 383 Millionen Pfund. Das sind fast 40 Prozent weniger als im 1. Halbjahr 2020. Damit fällt die operative Marge um 3,7 Punkte auf 8,2 Prozent. Unter dem Strich steht ein Verlust von fast 2,5 Milliarden Pfund. Dieser ergibt sich durch Wertminderungen und Abschreibungen auf frühere Akquisitionen, die WPP jetzt vorgenommen hat. Auch andere Werbeholdings haben das durch die Corona-Pandemie ohnehin verhagelte Geschäftsjahr dafür genutzt, solche Bereinigungen in der Bilanz vorzunehmen.

Insgesamt gibt sich Konzernchef Read optimistisch. Man sei besser durch die Krise gekommen als erwartet. In diesem Zusammenhang verweist er auf Neugeschäft mit einem Volumen von rund 4 Milliarden US-Dollar und nennt Etatgewinne wie Intel, HSBC und Unilever. "Unter der Annahme, dass es weder eine zweite Welle noch größere Lockdowns gibt, wird das 2. Quartal voraussichtlich die härteste Periode des Jahres sein, obwohl wir hinsichtlich des Tempos der Erholung vorsichtig bleiben", sagt Read. Von Normalität kann tatsächlich noch keine die Rede sein. Das zeigt sich beispielsweise an der Büropräsenz. Sogenanntes "office-based working" findet in den USA aktuell nur zu einem Prozent statt. In Großbritannien liegt diese Rate bei 3 Prozent, in Deutschland bei immerhin 17 Prozent, in China allerdings schon wieder bei 77 Prozent.

Anders als die Wettbewerber traut sich Read sogar eine vage Prognose zu. Auf Jahresbasis werde der bereinigte Nettoumsatz zwischen 10 und 11,5 Prozent schrumpfen. Damit bewegt er sich im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen und den Ausblick. Am Morgen kletterte der Kurs von WPP um rund 5 Prozent nach oben. Womöglich hat dazu auch die Ankündigung beigetragen, dass WPP für das Jahr 2020 (anders als für 2019) wieder eine Dividende auszahlen will - wenn auch nur 10 Pence pro Aktie. In Deutschland gehören neben internationalen Networks wie Ogilvy, Grey und Wunderman Thompson lokale Agenturen wie Thjnk und Scholz & Friends zu der britischen Holding. mam
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