Astra und der Rassismus-Vorwurf

Jetzt spricht Philipp-und-Keuntje-Chef Torben Hansen

Dieses Motiv fliegt Astra um die Ohren
© Astra / Twitter
Dieses Motiv fliegt Astra um die Ohren
Nach dem Wirbel um das "Wolle Dose kaufen?"-Motiv hat Astra am Donnerstagabend auf die Rassismus-Vorwürfe reagiert und ist zurückgerudert. Auf ihrer Facebookseite entschuldigte sich die Biermarke für den "Unmut", den das Plakat verursacht hat und kündigte an, die Kampagne zu stoppen. Doch was sagt eigentlich die verantwortliche  Werbeagentur Philipp und Keuntje dazu? Geschäftsführer Torben Hansen nimmt gegenüber HORIZONT Online zu den Vorwürfen Stellung.
Auch nach dem ausführlichen Statement von Astra erhitzt das Plakat nach wie vor die Gemüter. "Ein Inder in Meerjungfrauenkostüm? Ein ganz ganz ganz billiges Wortspiel? In erster Linie ist dieses Motiv schlechte Arbeit. Ein Offenbarungseid für die Agentur und den Kunden", schreibt etwa Johannes Appel in einem Facebook-Kommentar.
Der Werber hat selbst viereinhalb Jahre bei Philipp und Keuntje gearbeitet und war daher auch "jahrelang nah dran an der Kampagne", wie er schreibt. Die hat aus seiner Sicht ihre besten Zeiten hinter sich. "Auf beiden Seiten scheint man das Gefühl für Marke, Kampagne und Menschen endgültig verloren zu haben", schreibt er. 

„Jedes Motiv, das dahingehend missverstanden beziehungsweise interpretiert wird, wie dieses jetzt, ist ein schlechtes. “
Torben Hansen
Torben Hansen, Geschäftsführer Philipp und Keuntje
© PuK
Torben Hansen, Geschäftsführer Philipp und Keuntje
Sehr selbstkritisch geht auch Torben Hansen mit dem Thema um. "
Jedes Motiv, das dahingehend missverstanden beziehungsweise interpretiert wird, wie dieses jetzt, ist ein schlechtes", stellt der Geschäftsführer von Philipp und Keuntje gegenüber HORIZONT Online klar. "Wir wollen nun wirklich kein Wasser auf die Mühlen rassistischer Idioten gießen. Und wir entschuldigen uns bei allen, die sich durch unser Motiv angegriffen, bloßgestellt oder lächerlich gemacht fühlen - Punkt", so Hansen weiter. 

Dass das Motiv überhaupt entstehen konnte, begründet er mit der Mechanik der Astra-Kampagne. Bei dieser würden mehr oder weniger alle gesellschaftlichen Gruppen durch den Kakao gezogen - und dabei sei Astra generell nicht zimperlich. Im Laufe der Jahre hätten die meisten das auch meist als Auszeichnung und nicht als Angriff verstanden. Und so sei es auch immer gemeint gewesen, beteuert Hansen. 

Dennoch räumt er ein, dass der Agentur und dem Kunden in diesem Fall ein Fehler unterlaufen ist: "Offensichtlich haben wir hier unterschätzt, womit manche sich im Alltag konfrontiert sehen und wie das Motiv vor diesem Hintergrund eben auch erlebt werden kann. Das tut uns leid und wird uns für künftige Motive besser sensibilisieren", verspricht Hansen. 

Gleichwohl erinnert Hansen daran, dass solche Fehler nicht völlig ausgeschlossen werden können. Denn: "Es bleibt eine Gratwanderung - denn Ironie und Satire können immer falsch verstanden werden, gehören aber zu den wesentlichen Stilmitteln der Kampagne. Hier waren wir allerdings selber Schuld - das können wir besser und ohne dabei den Falschen in die Karten zu spielen", sagt Hansen. 

Eine Sache stellt er dann aber doch noch richtig. So ist es aus Sicht von Hansen unangemessen,  Astra oder Philipp und Keuntje Absicht zu unterstellen. "Dass manche Kommentatoren uns tatsächlich vorwerfen, unter anderem rassistisch und homophob zu sein, dürfte für alle, die uns kennen, so abwegig sein wie es für uns inakzeptabel ist. Und ich muss alle meine Kolleginnen und Kollegen vor diesen Angriffen in Schutz nehmen. Man kann uns hier - und manches andere Mal - vorhalten, sicher nicht nur die feine Klinge, sondern auch die grobe Kelle zu schwingen. Und speziell hier unsensibel gewesen zu sein. Das war’s dann aber auch. Wir machen es künftig aber wieder gut, versprochen!" mas


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