Arbeitsplatz Agentur

Talente wollen viel mehr, als Agenturen bieten

Mit einem Agenturgehalt wollen sich junge Leute nicht abspeisen lassen
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Mit einem Agenturgehalt wollen sich junge Leute nicht abspeisen lassen
Agenturen genügen den Erwartungen von Studenten, die sich auf die Suche nach ihrem ersten Arbeitgeber machen, nicht. Das zeigt eine Untersuchung der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften unter 931 Studierenden der Fächer Medien, Design, IT und BWL sowie 147 Agenturmitarbeitern. Das ernüchternde Resultat: Bei 24 von 26 Kriterien liegen die Einschätzungen zu Agenturen teils klar hinter der Relevanzeinschätzung der Studenten zurück.

Besonders negativ wird das Gehalt bewertet: Während der Faktor "attraktives Gehalt" für die jungen, potenziellen Mitarbeiter besonders wichtig ist, schätzen die Agenturen dies als nahezu unwichtig ein. Auf einer Skala von 1 für sehr wichtig/stimme voll und ganz zu bis 5 für überhaupt nicht wichtig/stimme gibt es also von den Studenten eine 1,88, von den Arbeitgebern dagegen nur eine  3,19.



Aber auch der Faktor Arbeitsqualität, zu dem Kriterien wie Work-Life-Balance, Arbeitsplatzsicherheit und kollegiales/freundschaftliches Arbeitsklima zählen, offenbart große Unterschiede: Nirgends ist die Diskrepanz zwischen Agenturbewertungen (2,73) und der Relevanz beim Berufseinstieg (1,71) größer. Beim Indikator „Work-Life-Balance“ liegt der Wert der Studierenden beispielsweise bei 1,77, während die Agenturen ihn mit 3,13 einstufen.

Dennoch sind Agenturen für viele Studierende eine Option für ihren Berufseinstieg. Zwar favorisieren nur 5,1 Prozent die Dienstleister für den ersten Job. Fast die Hälfte stuft sie allerdings als denkbaren Arbeitgeber ein. Dieser Anteil ist bei Designern am höchsten (73,4 Prozent). Aber auch 40,7 Prozent der Informatik-Studierenden interessieren sich für den Arbeitsplatz Agentur.


Studie "Arbeitsplatz Agentur"
Datengrundlage Studenten:
Distribution des Umfragelinks über studentische Verteiler einschlägiger Studiengänge durch Professoren (Feldphase Mai/Juni 2018)

● berücksichtigte Fragebögen: 931
● 62,3 Prozent Frauen, 36,9 Prozent Männer
● Durchschnittsalter: 23,4 Jahre
● 83,6 Prozent Bachelor-, 16,4 Prozent Master-Studenten
● von Hochschulen und Universitäten aus ganz Deutschland
● nicht repräsentativ

Datengrundlage Berater:
Distribution des Umfragelinks durch Ansprache von Agenturen, die den Link an ihre Mitarbeiter distribuiert haben (Feldphase Mai/Juni 2018)

● berücksichtigte Fragebögen: 157
● nicht repräsentativ

Eine weitere positive Nachricht für Agenturen: Die an einer Agenturtätigkeit interessierten Studierenden bewerten die Kriterien durchweg deutlich positiver als ihre Kommilitonen. Dies zeigt sich auch beim Thema Gehaltserwartungen: 36,7 Prozent  der Interessenten wurden sich mit einem Netto-Einstiegsgehalt von bis zu 1500 Euro begnügen.

Ernüchternd für die Agenturen ist, dass ihre Mitarbeiter die 26 Kriterien im Durchschnitt leicht schlechter bewerten als die interessierten Studierenden. Besonders beim Thema Work-Life-Balance und Arbeitszeitmodelle sowie Bezahlung gibt es schlechte Noten.
Als wichtigste Hausaufgabe für die Agenturen identifizieren die Wissenschaftler um Olaf Hoffjann, Professor für Medien und Marketing an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, die Arbeit am Image der Agenturen. Die Studie zeige, dass die Dienstleister nicht nur bei Studierenden als künftigen Mitarbeitern, sondern auch bei ihren bereits beschäftigten Mitarbeitern ein Imageproblem haben, so die Studienautoren. Die Studienergebnisse liefern zudem durch die Bewertung von Themen wie Wohlfühlatmosphäre, kollegiales Arbeitsklima und Gehalt, aber auch Arbeitsplatzsicherheit konkrete Tipps, woran die Agenturen arbeiten und worüber sie kommunizieren sollten. ems

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